Gemeinsam für eine bessere Welt

Gemeinsam Zukunft gestalten.

Christin Prizelius | 11.02.2026 | Interview mit Ulrike Dobelstein-Lüthe | © Fürstenberg Foundation

Ulrike Dobelstein-Lüthe ist Geschäftsführerin, Gesellschafterin und Projektleiterin der Fürstenberg Foundation. Ihr liegt die junge Zielgruppe besonders am Herzen. Ihre langjährige Arbeit mit jungen Erwachsenen und ihre eigene Erfahrung, einen geliebten Menschen in einer schwierigen Lebensphase zu begleiten, motivieren sie, die Foundation mit klarer Ausrichtung aufzubauen. Sie setzt sich mit Leidenschaft dafür ein, dass Jugendliche und ihre Eltern nicht allein bleiben, wenn sie Hilfe benötigen. Wir durften mit ihr sprechen.

Liebe Ulrike, du bist Geschäftsführerin der Fürstenberg Foundation, über die ihr eine vielfältige Hilfe für psychisch belastete und erkrankte Kinder, Jugendliche, Familien und das Umfeld bietet. Bitte nimm uns doch da mal ein bisschen mit, wie sich das alles entwickelt hat. Warum habt ihr euch dafür entschieden, neben der Arbeit des Fürstenberg Instituts jetzt noch den Schwerpunkt im Rahmen einer Stiftung auf die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu legen?

Das muss man sich von mehreren Seiten angucken. Zunächst einmal war es so, dass Reinhild Fürstenberg, als Gründerin der Stiftung sowie Gesellschafterin, zu Coronazeiten mit vielen Beraterinnen und Beratern des Fürstenberg Instituts gesprochen hat, die mit Eltern gearbeitet und dabei gehört haben: „Eigentlich bin nicht ich das Problem, sondern mein Problem sitzt zu Hause und zwar in Form meines Kindes, häufig jugendlichen Kindes! Wir finden keine Ansprache, wir finden keine Hilfe und wissen nicht weiter.” Und dann gab es in ihrem privaten Umfeld ein Mädchen, das sich das Leben genommen hat, und ein zweites, das hinterhergehen wollte. Daraufhin hat sie Nächte lang wachgelegen und sich überlegt, was man tun kann. Auch aus gesellschaftlicher Verantwortung heraus. Das Fürstenberg Institut gibt es ja schon über 35 Jahre, aber hier hat sie zusätzlich noch beschlossen, etwas machen zu wollen. Zu diesem Zeitpunkt bin ich in ihr Leben gestiefelt, als ich auch selber gerade vor einer beruflichen Veränderung stand. Ich habe über 20 Jahre im Medienbereich gearbeitet, zuletzt vorrangig im Bildungswesen, an der Hamburg Media School einen Weiterbildungsbereich aufgebaut, etabliert und hatte nach diesen zwei guten Jahrzehnten für mich das Gefühl, dass jetzt mal etwas Neues kommen könnte. Es fehlte ein bisschen die Herausforderung, also habe ich gekündigt ‑ohne etwas Neues zu haben, was sich dann rumsprach- und so kam ich mit Reinhild zusammen.

„Darauf haben wir eine Zeit lang hingearbeitet und viele Zielgruppengespräche geführt ‑vor allem auch mit Eltern und dem sozialen Umfeld von psychisch belasteten Menschen‑, um herauszufinden, was wirklich gebraucht wird.”

Für mich war das ein totaler Glückstreffer, weil ich auch sehr lange mit Studierenden gearbeitet hatte, also mit dieser jungen Zielgruppe sehr lange in Kontakt war. All die bürokratischen Dinge hatte ich anfangs schon etwas unterschätzt, aber ich war dann doch recht schnell im Thema drin, weil die Zahlen einfach so dramatisch sind. Im Oktober 2024 haben wir schließlich offiziell gegründet, laufen seitdem in einer normalen gesellschaftlichen Struktur als gGmbH und haben seit Anfang 2025 konkret mit den Hilfsmaßnahmen begonnen. Darauf haben wir eine Zeit lang hingearbeitet und viele Zielgruppengespräche geführt ‑vor allem auch mit Eltern und dem sozialen Umfeld von psychisch belasteten Menschen‑, um herauszufinden, was wirklich gebraucht wird.

Als geschäftsführende Projektleiterin trägst du eine große Verantwortung. Was ist dein persönlicher emotionaler Anker in der täglichen Arbeit und wie findest du selbst den Ausgleich, um nicht von all den „Geschichten” eurer Zielgruppe emotional überwältigt zu werden? Wir kommst du wieder in deine Kraft? Das ist sicher eine große Herausforderung…

Das werde ich mittlerweile oft gefragt, weil ich ja eigentlich nicht aus diesem Bereich komme. Ich habe mich weitergebildet und in diesem Bereich auch schulen lassen. Das “Aktive Zuhören” war dabei ein ganz wichtiger Faktor. Später gehe ich damit dann auch in die Reflexion. Dadurch, dass wir wirklich vielen helfen konnten und können, geht das. Was dennoch immer wieder aufkommt, ist die Frage, ob wir nicht noch schneller sein müssten. Was ist, wenn ich irgendwann nicht mehr helfen kann, weil wir nicht genug Menschen in unserem Netzwerk haben, die fachlich zur Verfügung stehen?! Das ist schon ein Gefühl, was dann immer wieder aufkommt, aber bisher ging es. Das ist eher eine Angst, die da mitschwingt. Das Gefühl, helfen zu müssen und es auch zu können, unterstützt da also enorm. Und privat bin ich viel draußen. Ich habe einen Garten, den ich gerne mit den Händen umpflüge, und es total schön finde, hinterher an den dreckigen Händen zu sehen, was ich gemacht habe (lacht). Körperliches Arbeiten hilft sehr, da mein Job schon sehr schreibtischlastig ist. Alles, was mit Bewegung zu tun hat, ist wunderbar als Ausgleich, ob nun Laufen oder zum Yoga zu gehen, aber auch die Zeit mit Freunden ist mir sehr wichtig. Diese kommen auch aus anderen Bereichen und da ist es gut, wenn man in den Austausch und in die Diskussion geht und so wieder neue Impulse und Einblicke bekommt.

„Irgendwie haben dieser Raum und die Menschen, gerade die Panelgäste, es irgendwie geschafft, die Herzen der Anwesenden zu öffnen und eine Atmosphäre zu schaffen, dass viele das Gefühl hatten: „Ich bin nicht alleine damit, wir können darüber reden und trotz der Größe und der vielen Menschen, die in diesem Raum sind, gibt es irgendwie so eine Art Vertrauen oder Schutz. Niemand wird mich hier heute Abend verurteilen, wenn ich meine Geschichte erzähle!”

Bitte erzähl uns auch ein bisschen etwas zur Fotoausstellung „Aus der Dunkelheit ins Licht” im Ernst Deutsch Theater in Hamburg.

Die Fotoausstellung geht im Grunde darauf zurück, dass ich ja ursprünglich aus dem Medien- und Filmbereich komme und darüber nachgedacht habe, wie wir es schaffen können, das, was unsichtbar ist, nämlich eine psychische Erkrankung, sichtbar und so auf unsere neue Stiftung aufmerksam zu machen. Also habe ich nach passendem Fotomaterial gesucht und bin im Stern auf Bertram Solcher, ein Hamburger Fotograf, aufmerksam geworden, der seine Tochter Janne zur Zeit ihrer depressiven Erkrankung porträtiert hat. Beide haben dann zusammen entschieden, damit rauszugehen. Ich bin daraufhin mit ihm in Kontakt gekommen, wir haben uns getroffen, zunächst ein Interview gemacht, aber schon recht schnell überlegt, wie wir es der breiten Öffentlichkeit zugängig machen könnten. Dafür wollten wir die „Woche der seelischen Gesundheit” als bundesweite Aktionswoche nutzen, haben nach einer passenden Location in Hamburg gesucht und den Rahmen gestaltet. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass so viele kommen würden. Es war ein toller Abend! Ich war überwältigt, das muss ich wirklich sagen!

Es gab aber sicherlich auch Momente, in denen nicht jeder unbedingt konform mit dem gegangen ist, was er da gesehen oder erlebt hat, aber irgendwie haben dieser Raum und die Menschen, gerade die Panelgäste, es irgendwie geschafft, die Herzen der Anwesenden zu öffnen und eine Atmosphäre zu schaffen, dass viele das Gefühl hatten: „Ich bin nicht alleine damit, wir können darüber reden und trotz der Größe und der vielen Menschen, die in diesem Raum sind, gibt es irgendwie so eine Art Vertrauen oder Schutz. Niemand wird mich hier heute Abend verurteilen, wenn ich meine Geschichte erzähle!” Das hat für viele Gänsehautmomente gesorgt, bestimmt nicht nur bei mir. Es war absolut ein Zeichen davon, dass der Weg über Kunst und Kultur schon sehr gut da war.

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Mehr Informationen

Video: © Fürstenberg Foundation, Fotoausstellung „Aus der Dunkelheit ins Licht“ von Bertram und Janne Solcher sowie inspirierender Diskussionsrunde, die Mut machte, offen über psychische Belastungen zu sprechen, am 10.10.25 in Hamburg.

Eure Mission ist es, mit Empathie und fachlicher Expertise Jugendliche und Familien auf ihrem Weg zu neuer Stärke zu begleiten, schnelle und wirkungsvolle Hilfe in herausfordernden Lebenslagen zu bieten und den ersten Schritt zur Selbsthilfe zu fördern. Außerdem sagt ihr, ihr strebt eine Gesellschaft an, in der Jugendliche und Familien in Krisensituationen einfühlsame und vertrauliche Unterstützung finden, um gestärkt neue Chancen zu erkennen und das Leben wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wie sieht das in der Praxis aus? Wie gelingt das?

Unser wichtigstes Hilfsangebot, was ja quasi auch immer erreichbar ist, ist “Redezeit für dich”. Das ist eine Plattform, die wir dankenswerterweise im Sommer dieses Jahres mitnehmen durften, wir sind also fusioniert. „Redezeit für dich” steht jetzt unter der Trägerschaft der Stiftung. Dort findet man knapp 400 Menschen, die aus dem fachlichen Bereich kommen und mit denen man in Kontakt treten kann, wenn es einem nicht gut geht — und das sehr niedrigschwellig, kostenfrei und schnell. Also wenn man das Gefühl hat, irgendwie muss ich jetzt jemanden haben, der das für mich einordnet, der neutral ist und wo es auch anonym ist, dann ist „Redezeit für dich” immer eine sehr gute Anlaufstelle. Dort kann man außerdem nach Themen filtern und bekommt dann das passende Profil ausgespielt. Hier arbeiten um die 400 Ehrenamtliche, mit denen man in Kontakt treten kann. Dieses „Sprechen” ist oft schon der erste Schritt zur Selbsthilfe, also aus seinem Schneckenhäuschen rauszukommen und zu sagen: „Ich hole mir jetzt Hilfe, spreche meine Sorgen und Gedanken aus und bekomme es dann von jemandem aus dem therapeutischen Bereich eingeordnet oder eine Empfehlung für die nächsten Schritte.

„Dieses empathische Zuhören, da zu sein und zu sagen: „Ich begleite dich, du musst es nicht alleine machen!” ist schon mal eine sehr große Hilfe.”

Das ist für viele schon wahnsinnig wichtig, weil wir zwar als Gesellschaft viel darüber reden, ich mich dabei nur frage, ob wir über das Richtige reden. Ich war, als ich angefangen habe mit dem Thema zu arbeiten, sehr erstaunt, wie viele Menschen sich nach wie vor nicht trauen, offen über psychische Belastungen oder Erkrankungen zu sprechen, oder auch die Angst vor Stigmatisierung nach wie vor da ist, sowie vor Vorverurteilungen und auch Einschränkungen, die man dann vielleicht erfährt. Deshalb ist Redezeit schon eine große Hilfe. Da bekommen wir super viel Feedback. Dieses empathische Zuhören, da zu sein und zu sagen: „Ich begleite dich, du musst es nicht alleine machen!” ist schon mal eine sehr große Hilfe.

Und dann gehen wir auch an Schulen. Wenn man also als Schulvertreterin, ‑Vertreter oder auch aus der Elternschaft heraus sagt, dass man zu dem Thema gerne etwas an der eigenen Schule machen möchten, tun wir das in Form von verschiedenen Veranstaltungen wie Vorträge, Workshops oder individuelle Programme und denken dabei auch immer an die Eltern. Wir bieten an, dass für die Eltern in den jeweiligen Schulen Seminare oder Workshops von uns durchgeführt werden. Außerdem haben wir den Jugendkompass, ein Programm, das aus unserer Partnerklinik am Chiemsee kommt und ein Übergangsprogramm darstellt, wenn die Jugendlichen entscheiden müssen, wie die eigene zukünftige Perspektive aussehen soll, auch beruflicher Art. Dort geht es viel um Persönlichkeitsentwicklung, über Stärken und Schwächen, wo wir sie abholen, ihnen wieder Orientierung geben und sie dann quasi in die Berufsberatung weiterschicken. Das kommt ein bisschen aus meiner eigenen Ehrenamtstätigkeit. Ich habe sehr lange mit Jugendlichen gearbeitet, die Ausbildungsplätze gesucht haben, wo ich dann diesen Prozess von Bewerbungsschreiben, Ausbildungsplätze suchen etc. begleitet habe.

Da ist mitunter die Rückmeldung aus der Klinik gewesen, dass viele Jugendliche genau an dem Punkt Schwierigkeiten bekommen, wenn sie aus dem System „Familie und Schule” raus und ein eigenes Lebensmodell entwickeln sollen. Da herrscht sehr oft eine Überforderung, weil die Welt um uns ja für alle einfach sehr komplex geworden ist. Und wenn wir uns auf der anderen Seite heute die Themen KI, Digitalisierung oder neue Jobbezeichnung anschauen, was denn eigentlich dahinter steht und was man da macht, gibt es ebenfalls viele Fragezeichen. Auch die Eindrücke, die man über Social Media vermittelt bekommt, dass andere scheinbar gut verdienen, während sie Kaffee trinken und darüber reden, macht es das nicht einfacher. Da werden schon Bilder vermittelt, die es schwierig machen und die einen total verunsichern können, weil die Welt da draußen anders ist. Sich auf sich selbst zu besinnen und auf das, was man mitbringt, was man gut kann und was man gerne machen möchte, kann da schon helfen.

Bild: © Fürstenberg Foundation

„Ich denke aber, wenn wir schon zu wenig Jugendliche im Land haben, wir die doch wenigstens vernünftig behandeln sollten, weil darauf unsere gesamte gesellschaftliche Zukunft basiert.”

Wenn du jetzt mal auf unser Gesundheitssystem schaust, welche strukturellen Veränderungen wünschst du dir vor allem von der Politik? Was ist aus deiner Sicht unbedingt notwendig? Was muss passieren?

Da würde ich bereits im Bodensatz anfangen. Es geht schon mal mit der Wahrnehmung unserer jungen Generation los. Ich erinnere mich an die Wahlkampfzeit im Winter 2025, wo der Jugendbeirat sich bei mir meldete, völlig überfordert mit der Situation war und nicht wusste, wen sie wählen sollen, weil sie sich gar nicht wahrgenommen fühlten. Sie sagten: „Wir finden als Zielgruppe überhaupt nicht statt?!” Aber auch im Freundes- und Familienkreis sind Diskussionen mitunter schnell eskaliert. Politik war da oft ein Thema, wo doch mehr für die ältere Zielgruppe gemacht wird.Ich denke, wenn wir schon zu wenig Jugendliche im Land haben, wir die doch wenigstens vernünftig behandeln sollten, weil darauf unsere gesamte gesellschaftliche Zukunft basiert. Diese Generation wird schon oft ungerecht behandelt und zu unrecht als verweichlicht dargestellt. Sie werden nur zu wenig gesehen und angehört.

Und dann brauchen wir dringend mehr Therapieplätze, Kassensitze und Zugänge dazu über die Krankenkassen sowie Präventionsmaßnahmen, aber auch hier müsste sich das Angebot schon an die Eltern richten. Wir lernen bereits in Geburtsvorbereitungskursen „das Körperliche”, aber nicht, wie man mit seelischen Problemen umgeht und damit, wenn es Menschen nicht gut geht. Da ist eher eine Tendenz erkennbar, zu sagen: „Ihr müsst mal wieder ein bisschen härter werden und wieder mehr abkönnen.” Das finde ich gefährlich, weil es Menschen, denen es eh schon nicht gut, noch schwerer gemacht wird, darüber zu reden. Ich glaube, wir brauchen da auch ein anderes gesellschaftliches Miteinander. Themen wie Vereinsamung nehmen zu, alles wird egoistischer wahrgenommen, wir kapseln uns immer mehr voneinander ab und gehen nicht mehr aufeinander zu. Diskussionen eskalieren schnell in „richtig oder falsch” und es wird gefühlt auch zusätzlich noch gesteuert von Social Media und Co. Dieses aggressive Verhalten „wenn du nicht auf meiner Seite stehst, dann will ich mit dir eigentlich nichts zu tun haben” macht gesellschaftlich etwas mit uns. Das führt eben auch dazu, dass gerade junge Menschen versuchen, sich über bestimmte Gruppierungen wieder Orientierung und Zugehörigkeit zu holen. Dann greift das natürlich schon auch in politische Entwicklung ein. In meinen Augen haben die etablierten Parteien den falschen Umgang damit oder bereits die Anfänge verpasst, dagegen zu steuern. Da stehen wir eigentlich schon mit einem kleinen Fuß über dem Abgrund, gesellschaftlich gesehen, und sollten dringend wieder zu einem Miteinander finden. Dafür ist die Politik ein Vorbild, das vergessen wir leider viel zu oft.

Bild: Der Jugendbeirat der Fürstenberg Foundation, © Fürstenberg Foundation

Ihr geht außerdem in Schulen und veranstaltet Elternabende und beobachtet, wie viele Eltern sich mit der Krise ihrer Kinder überfordert sowie hilflos oder mitunter auch schuldig fühlen. Wie schafft ihr es, ihnen an Elternabenden oder Eltern Talks einen Raum zu geben, in dem sie sich auch trauen, sich zu öffnen und über die eigenen Unsicherheiten und Probleme zu sprechen? Welchen Ansatz habt ihr da?

Das ist eigentlich der gleiche Ansatz, wie bei allen anderen Angeboten auch: Erst einmal zuzuhören und zu vermitteln, dass, wenn man sich bei uns meldet, das schon der erste Schritt ist. Damit hat man schon wahnsinnig viel richtig gemacht. Das ist bei Eltern das gleiche, wie bei den Jugendlichen. Bei diesen Eltern Talks ist es so, dass wir die Erfahrung gemacht haben, dass wenn in einem Raum Menschen zusammenkommen, die ein Thema vereint ‑nämlich die Sorge um das Kind und wie wir jetzt weitermachen können- sie sich relativ schnell öffnen. Auch sich gegenseitig Tipps zu geben, zuzuhören und zu gucken, welche Anlaufstellen vielleicht schon schon gut funktioniert haben, oder wo es noch andere Möglichkeiten der Hilfe gibt, ist schon hilfreich. Für mich ist es sehr emotional, überhaupt erst einmal zu sehen, wie viel Schmerz da eigentlich sitzt. Man sieht schon viele Eltern, die an ihre Grenzen gekommen sind und ihrem Kind natürlich dennoch helfen wollen. Da fließen schon auch Tränen, aber gleichzeitig sagen viele danach, dass es ihnen auch gut getan hat, weil man den Kindern gegenüber schließlich immer Stärke und Verlässlichkeit vermitteln möchte. Hier hat man den Raum bekommen, auch mal über seine eigenen Sorgen zu sprechen, sich schwach und zerbrechlich zeigen zu können und das mal zulassen zu können. Es gibt aber auch 1:1 Beratungen, die allerdings über „Redezeit für dich” hinausgehen. Wir haben übrigens auch fachlich geschulte Ehrenamtliche, die verschiedene Sprachen sprechen, das ist außerdem nochmal wichtig zu betonen!

Ihr habt ja auch ziemlich prominente Unterstützung, gerade auch bei euren Schulprojekt-Tagen. Hilft das auch dabei, einen besseren Zugang zu den Schülerinnen und Schülern zu finden? Welche Rückmeldungen gibt es dazu?

Das hilft bestimmt immer, um erst einmal überhaupt die Aufmerksamkeit zu erregen und vielleicht einen zweiten Blick auf so eine Einladung zu werfen. Unsere Botschafterin ist u.a. Sophia Thiel, die gerade zum Thema Social Media, Mobbing und Außendarstellung den Schülerinnen und Schülern aus eigener Erfahrung viel zu erzählen hat. Ich glaube, gerade bei Schulveranstaltungen hinzugucken bezüglich Geschlechter, verschiedener kultureller Backgrounds etc. ist das eine Herausforderung. So können wir im besten Fall mehr Zugang bekommen, weil die Jugendlichen eben nicht sagen können, dass da jemand kommt, der oder die gar nichts mit ihrer Realität zu tun hat. So können wir zeigen: Wir haben Expertinnen und Experten aus ganz vielen unterschiedlichen Lebenshintergründen.

Gibt es eine Begegnung, eine Erfolgsgeschichte oder ein Feedback, was dich besonders bewegt hat und die auch täglich bestätigt, wie wichtig diese Arbeit ist?

Ja, und zwar ist das eine Familie, also in dem Fall sind es Großeltern, die ihre Enkeltochter großgezogen haben, die ich dankenswerterweise direkt an eine engagierte ehrenamtliche Kollegin vermitteln konnte. Sie haben dann über ein halbes Jahr miteinander gearbeitet, sowohl sie mit dem Mädchen als auch mit den Großeltern, und konnten somit die Wartezeit auf den Klinikaufenthalt überbrücken. Das Mädchen hat so ihren Schulabschluss geschafft, was im Grunde Ziel Nummer 1 war mit dieser schweren Erkrankung. Bisher hatte sie nie irgendwo einen Platz bekommen und galt mitunter als austherapiert usw. Das ist schon ein Fall, der natürlich nicht aus dem Kopf und aus dem Herz rausgehen wird, und einfach eine schöne Geschichte ist. Natürlich drücke ich alle Daumen, dass das stabil für diese Familie weitergeht.

Wenn du jetzt einen Wunsch bezüglich der mentalen Gesundheit der neuen jungen Generation in Deutschland hättest, was wäre dieser Wunsch und wie würde sich dessen Erfüllung im Alltag zeigen oder bemerkbar machen? Was denkst du, wie können wir alle gemeinsam einen positiven Wandel möglich machen?

Der ist eigentlich gar nicht so schwer… Vielleicht bin ich da ein bisschen naiv, aber mein Wunsch ist schon, dass wir wieder mehr aufeinander zugehen, dass wir wieder mehr miteinander sprechen, wieder mehr Zeit im 1 : 1 stattfindet und wir empathischer und offener füreinander werden. Gerade für so eine junge Zielgruppe. Wir sind ihnen das total schuldig, weil wir ihnen eine Welt gebaut und hinterlassen haben, die sehr komplex ist und viele Themen mit sich bringt, und da nicht wegzugucken ist, glaube ich, schon mal so ein Punkt. Und dann auf sich selbst im Alltag zu achten, also wie bin ich im öffentlichen Raum unterwegs, wie sehr nehme ich eigentlich auch junge Menschen wahr, und da wieder sozial zu werden, wäre wichtig für mich. Wir sind ja als Mensch eigentlich ein soziales Lebewesen, haben das aber irgendwie ein bisschen verlernt und verkriechen uns aus verschiedensten Gründen in unser Privatleben zurück. Ich glaube, da in die Kommunikation zu kommen, ist ein guter Ansatz. Ich weiß, dass das im Alltag immer alles so einfach klingt, aber ich glaube schon, dass das der Schlüssel ist! Einfach wieder mehr ins Miteinander zu kommen, anstatt gegeneinander zu sein, sich zu öffnen und vorbehaltlos wieder in Gespräche reinzugehen.

„Da fällt mir spontan der schöne Satz von Margot Friedländer ein: „Seid Menschen!”

Wie kann man euch finden, euch erreichen und vor allen Dingen auch euch als Foundation unterstützen? Wie findet man den Zugang zu euch?

Das einfachste ist natürlich, unsere Webseite unter www.fürstenberg-foundation.de zu besuchen oder auf die Seite von „Redezeit für dich” zu gehen und sich dann jeweils auf der Seite die Links zu suchen, die einem weiterhelfen, auch bei Gesprächsbedarf oder 1:1 Betreuung. Wenn man Interesse an einer Schulveranstaltung hat oder zu einem Elternabend kommen möchte, ist man auf der “Foundation-Seite” richtig oder man kann eine e‑Mail schreiben an info@fuerstenberg-foundation.de und sich einfach mit allem melden, was einen gerade beschäftigt. Wir sortieren das dann und gucken gemeinsam, wie wir helfen können. Und dann haben wir natürlich auch einen Instagram-Kanal und auch ein LinkedIn-Profil. Helfen kann man uns entweder in Form von Ehrenamtstätigkeiten, also wer das fachliche Profil mitbringt, kann sich gerne bei Redezeit engagieren, oder auch bei Schulveranstaltungen mit dabei sein. Und am Ende ist es natürlich so, dass wir immer auch auf Spenden und Förderungen angewiesen sind, damit wir gerade auf so einer Plattform wie “Redezeit für dich” auch zukünftig kostenfrei hilfesuchenden Personen Unterstützung zur Verfügung stellen können.

Und jetzt vielleicht ein abschließender Satz… Was ist dir noch wichtig, um das Gespräch rund zu machen?

Da fällt mir spontan der schöne Satz von Margot Friedländer ein: „Seid Menschen!”

Das ganze Interview kannst du auch HIER im Podcast hören (#Folge64)

Die Fürstenberg Foundation hat sich zum Ziel gesetzt, psychisch belasteten und erkrankten Kindern, Jugendlichen und ihren Familien schnelle, wirkungsvolle und niedrigschwellige Hilfe sowie Orientierung zu bieten. Ulrike Dobelstein-Lüthe, die Geschäftsführerin, betont die Bedeutung von Empathie und fachlicher Expertise, um Betroffene auf ihrem Weg zu neuer Stärke zu begleiten.

Mehr dazu HIER.

Bild: © Fürstenberg Foundation


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