Willkommen im casa abruzzo, wo die Zeit ein wenig langsamer tickt und der echte Geschmack Italiens zu Hause ist. Eingebettet in die unberührte Natur der Abruzzen bietet dieses Refugium die perfekte Mischung aus erholsamer Ruheoase und authentischem Kulturerlebnis. In den liebevoll gestalteten Gästezimmern trifft rustikaler Charme auf herzliche Gastfreundschaft, sodass man sich vom ersten Moment an wie bei Freunden fühlt. Hier ist für Zita Avak und Carlos Ortiz ein kleiner Traum wahrgeworden. Das Herzstück des Hauses ist dabei noch die eigene Kochschule, in der man die Geheimnisse der traditionellen regionalen Küche unter fachkundiger Anleitung entdecken kann. Ob beim Kneten von frischer Pasta oder beim Genießen lokaler Weine – hier werden Urlaubsträume für Genießer und Ruhesuchende gleichermaßen wahr. Wir waren mit den Beiden im Austausch…
Liebe Zita und lieber Carlos, wie hat euer Weg von München in die Abruzzen begonnen?
Wir waren beide in München fest angestellt und hatten lange ein klassisches Großstadtleben. Spätestens nach der Corona-Zeit wurde unser Wunsch nach mehr Freiheit, mehr Natur und einem flexibleren Alltag immer stärker. Gleichzeitig trugen wir schon länger den Gedanken in uns, uns selbstständig zu machen. 2022 haben wir dann tatsächlich unsere Jobs gekündigt und uns als Freelancer im Online-Marketing und Personalmanagement selbstständig gemacht. Unser Startpunkt war das Ferienhaus von Zitas Familie in den Abruzzen – wir wollten uns hier in Ruhe Zeit für den Einstieg in unser “neues Lebensmodell” nehmen. Von dort aus sind wir für 1,5 Jahre weitergereist, unter anderem in die Dominikanische Republik, nach Kolumbien und Mexiko, und zwischendurch auch wieder nach Deutschland und Italien zurückgekehrt.
Für Zita ist die Region Abruzzen seit vielen Jahren eine zweite Heimat, da ihre Familie hier seit 20 Jahren jährlich mehrmals Urlaub gemacht hat. Und Carlos war auch sehr schnell begeistert von der Ursprünglichkeit, der Landschaft zwischen Bergen und Meer und dem authentischen Italien abseits des Massentourismus. Als wir dann nach unserer großen Reise zufällig die Vorbesitzer unseres heutigen Hauses auf dem Marktplatz kennenlernten und sie uns ihr Haus zeigten, öffnete sich für uns im wahrsten Sinne des Wortes “eine neue Tür”, die wir kurzerhand angenommen und ihnen das Haus abgekauft haben.

Bild: © casa abruzzo, Zita Avak und Carlos Ortiz
„Wir lieben diese neu gewonnene Nähe zur Natur und sich mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren. Im Vergleich zur Großstadt ist der Unterschied enorm — wenn wir heute in München sind, empfinden wir es als zu laut und hektisch und sehnen uns schnell zurück in unser Dorf, auch wenn wir natürlich andere Dinge in der Großstadt auch zu schätzen wissen — wie z.B. die kulinarische Vielfalt und das kulturelle Angebot.”
Was bedeutet für euch das authentische italienische Leben in einem Dorf wie Vittorito?
Unser Leben hier ist sehr einfach – und genau das schätzen wir so sehr. Vittorito hat rund 900 Einwohner, man kennt sich, man grüßt sich, man nimmt sich Zeit. Es fühlt sich ein bisschen nach „Back to the Roots“ an. Lebensmittel wachsen direkt vor der Haustür: Oliven, Safran, Gemüse, Obst. Nachbarn gehen auf Trüffelsuche, bringen Tomaten aus dem eigenen Garten vorbei. Auch wir ernten Obst aus unserem Garten und kochen Marmelade selbst. Wir lieben diese neu gewonnene Nähe zur Natur und sich mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren. Im Vergleich zur Großstadt ist der Unterschied enorm — wenn wir heute in München sind, empfinden wir es als zu laut und hektisch und sehnen uns schnell zurück in unser Dorf, auch wenn wir natürlich andere Dinge in der Großstadt auch zu schätzen wissen — wie z.B. die kulinarische Vielfalt und das kulturelle Angebot.
Wie vereinbart ihr Online-Selbstständigkeit, Gästehaus und Kochschule?
Unser neues Leben orientiert sich sehr nach den Jahreszeiten, vor allem seit wir das saisonale Gästehaus von Mai bis Oktober bei uns führen. Unsere Online-Selbstständigkeit ist unsere finanzielle Basis, im Sommer reduzieren wir diese Arbeit deutlich und konzentrieren uns auf das casa abruzzo. Während der Kochreisen liegt unser voller Fokus auf der Gästebetreuung und dazwischen haben wir Übernachtungsgäste. Wir planen aber jedes Jahr von Anfang an auch Zeiträume ohne Buchungen ein – für Familie, Besuch oder einfach für uns. So versuchen wir, Arbeit und Leben gut miteinander zu verbinden.
Im Winter liegt der Fokus dann wieder auf unserer Online-Selbständigkeit und solange Leonardo noch nicht zur Schule muss, reisen wir in dieser Zeit gerne. Aktuell sind wir beispielsweise für ein paar Monate in der Dominikanischen Republik, in Carlos’ Heimat. Nächsten Winter würden wir gerne längere Zeit in Thailand verbringen. Ein ganz zentraler Wert für uns ist Gemeinschaft. Unser Haus sollte immer ein Ort des Zusammenkommens sein – und genau so wird es auch gelebt. Familie, Freunde, Gäste, Nachbarn: Es ist selten wirklich still. Manchmal sehnen wir uns nach mehr Ruhe, aber gleichzeitig lieben wir genau dieses Lebendige im Haus, jetzt durch unseren Sohn natürlich noch mehr! 🙂

Bild: © casa abruzzo, Zita Avak und Carlos Ortiz
„Wir lieben es, dass unser Sohn in dieser naturnahen Umgebung in Italien aufwachsen kann und immer von vielen unterschiedlichen Menschen umgeben ist. Da er das von Anfang an gewöhnt ist, hat er auch keine Scheu vor Fremden und baut sehr schnell Vertrauen auf, was wir sehr schön finden, weil es auch uns spiegelt.”
Ihr sagt, ihr lebt „das Leben, wie es kommt“. Was bedeutet das konkret?
Wir versuchen, nicht alles im Voraus zu verplanen, sondern auf das zu reagieren, was gerade da ist. Meist läuft doch alles anders als gedacht und da kann man so gut vorbereitet sein wie man will, plötzlich steht man doch wieder vor neuen Herausforderungen. Deshalb möchten wir uns mehr auf das Jetzt fokussieren und fragen uns einfach bei allem, was wir tun, ob unser Bauchgefühl auch “Ja” sagt. So fahren wir seit Jahren wirklich gut und uns persönlich entspannt diese Haltung. Wir können aber gut nachvollziehen, wenn andere mehr Sicherheitsanker brauchen, um sich fallen lassen zu können.
Was schätzt ihr am meisten an eurem Leben mit eurem Sohn?
Ganz klar: die Flexibilität. Unsere Online-Selbstständigkeit erlaubt es uns, auch mal an einem Montagnachmittag spontan ans Meer fahren, oder erst um 12 Uhr anzufangen zu arbeiten und dafür abends länger zu sitzen. Für uns ist das optimal so, weil wir uns auch mehr nach unserem Besuch, dem Wetter und anderen Faktoren ausrichten können, was damals in der Festanstellung nicht so leicht möglich war. Wir lieben es, dass unser Sohn in dieser naturnahen Umgebung in Italien aufwachsen kann und immer von vielen unterschiedlichen Menschen umgeben ist. Da er das von Anfang an gewöhnt ist, hat er auch keine Scheu vor Fremden und baut sehr schnell Vertrauen auf, was wir sehr schön finden, weil es auch uns spiegelt.

Bild: © casa abruzzo, Zita Avak und Carlos Ortiz
Was waren eure größten Learnings und Herausforderungen?
Definitiv der Hauskauf an sich. Wir waren sehr unerfahren und haben viel Lehrgeld bezahlt – sei es durch einen zu hohen Kaufpreis, mehr Renovierungsaufwand als gedacht oder schlechte Erfahrungen mit Handwerkern. Mit dem Wissen von heute würden wir vieles anders machen: stärker verhandeln, mehr Zeit einplanen, uns weniger unter Druck setzen. Und trotzdem bereuen wir nichts, diese Zeit hat uns extrem viel gelehrt und wachsen lassen. Gleichzeitig hätten wir uns natürlich vieles ersparen können, wenn wir mehr Erfahrung gehabt hätten oder uns bei diesem Prozess professionell hätten begleiten lassen.
„Der wirkliche Schlüsselmoment kam mit unseren ersten Gästen im Herbst 2024. Es war auch für uns das erste Mal, dass wir das Haus in seiner vollen Pracht genießen konnten und das Gröbste geschafft war. Das positive Feedback, die Wertschätzung und die Atmosphäre mit den Gästen im Haus haben uns gezeigt, dass all die Arbeit, die wir bisher reingesteckt hatten, Sinn macht.”
Gab es einen Moment, in dem sich casa abruzzo wirklich nach Zuhause angefühlt hat?
Ein echtes Urlaubsgefühl hatten wir tatsächlich noch nie im casa abruzzo, weil wir direkt von Anfang an in eine intensive Renovierungsphase gekommen sind. Vieles zeigte sich erst während des Prozesses und das hat Zeit und Nerven gekostet. Beispielsweise dachten wir, wir könnten nach 6 Wochen bereits einziehen und auch bald schon Gäste begrüßen. Letztendlich dauerte es Monate und auch heute ist noch lange nicht alles fertig. Bei so einem alten Haus ist man denke ich aber nie wirklich fertig – und wir finden es auch schön, es Stück für Stück immer mehr zu “unserem” zu machen. Der wirkliche Schlüsselmoment kam mit unseren ersten Gästen im Herbst 2024. Es war auch für uns das erste Mal, dass wir das Haus in seiner vollen Pracht genießen konnten und das Gröbste geschafft war. Das positive Feedback, die Wertschätzung und die Atmosphäre mit den Gästen im Haus haben uns gezeigt, dass all die Arbeit, die wir bisher reingesteckt hatten, Sinn macht. In diesem Moment fühlte sich casa abruzzo zum ersten Mal wirklich nach Zuhause an und wir waren einfach stolz auf uns.
Fühlt ihr euch im Dorf bereits als Teil der Gemeinschaft?
Ein bisschen sind wir natürlich noch immer „die Neuen“, und gleichzeitig fühlen wir uns sehr gut angekommen. Man grüßt sich, trifft sich im Café oder im Restaurant und kommt ins Gespräch. Besonders schön sind die kleinen Gesten untereinander: Nachbarn bringen Gemüse aus dem Garten vorbei, ein Handwerker aus dem Dorf schaut nach unserem Haus, wenn wir unterwegs sind, wir bringen Kleinigkeiten von unseren Reisen mit. Integration braucht natürlich Zeit, aber wir fühlen uns wirklich gut angenommen und das ist fürs Erste das Wichtigste für uns. Auch sprachlich dürfen wir noch tiefer in die italienische Sprache eintauchen. Zita spricht zwar bereits fließend, aber sobald es um tiefgründigere Themen geht, fehlen auch ihr etwas die Worte. Und Carlos’ Muttersprache ist zwar Spanisch, wodurch er von Anfang an sehr viel verstanden hat und auch recht frei spricht, möchte aber noch mehr in die Grammatik eintauchen. Sobald wir wirklich frei und fließend italienisch sprechen, tut sich da bestimmt auch nochmal einiges im Bezug auf neue Kontakte und auch Freundschaften.

Bild: © casa abruzzo, Zita Avak und Carlos Ortiz
Was vermisst ihr aus eurer alten Heimat?
Ganz ehrlich: manchmal eine Leberkässemmel 😉 Ein Kindheitsklassiker, den ich selbst in Deutschland nur selten gegessen habe – der mir dann aber trotzdem plötzlich fehlt, wenn ich länger nicht da war. Und natürlich unsere Freunde und Familie. Es ist schon manchmal wirklich schwer, so weit weg von ihnen zu sein und sich nicht im alltäglichen Kontext sehen zu können, vor allem jetzt, wo unser Sohn Leonardo da ist. Andererseits ist es auch schön, dass man sich dann deutlich intensiver erlebt, wenn man sich dann wiedersieht. Viel mehr ist es aber tatsächlich nicht. Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir zu Besuch sind, aber sind dann auch wieder froh, zurück in Italien zu sein. Aktuell können wir uns nicht vorstellen, wieder in Deutschland zu leben, aber wir halten uns das natürlich wie alles andere auch offen. 🙂
Wie erlebt ihr Bürokratie und Organisation in Italien?
Wir empfinden sie als überraschend komplex. Vieles ist zwar schon digitalisiert – viel mehr als in Deutschland –, aber die Systeme sind oft sehr undurchsichtig. Den richtigen Ansprechpartner zu finden, ist nicht immer einfach, und vieles erfordert Geduld. Das kommt aber wohl auch auf die Region und Comune an, bei uns zum Beispiel gibt es kaum ausländische Einwanderer, weshalb sich auch kaum jemand mit diesen Themen auskennt. Zum Glück haben wir einen echt tollen Steuerberater, der uns schon viele Male aus der Patsche geholfen hat 🙂
Würdet ihr diesen Schritt heute wieder gehen?
Ja! Aber wir würden uns auf jeden Fall mehr Zeit dafür lassen – für die Renovierung, für das Ankommen in unserem Haus, damit wir uns bereits zuhause und wohl fühlen, noch bevor wir das Haus auch für andere öffnen. Wir waren damals so euphorisch, dass wir sogar bereits Buchungen angenommen hatten, ohne dass das Haus fertig war. Die mussten wir schweren Herzens wieder absagen, als alles länger dauerte als geplant. Einiges würden wir also anders angehen, aber an der Entscheidung an sich würden wir nichts ändern.

Bild: © casa abruzzo, Zita Avak und Carlos Ortiz
Wie bekommt ihr Balance zwischen Arbeit, Familie und euren Projekten hin?
Wir sind ehrlich gesagt auch noch dabei, diese Balance zu finden. Leo ist noch ein Baby, deshalb teilen wir uns tagsüber bewusst auf, damit jeder Fokuszeiten zum Arbeiten hat. Wir haben unterschiedliche berufliche Schwerpunkte: Zita arbeitet im Personalmanagement, Marketing und Texten, Carlos im Vertrieb und Online-Marketing, vor allem in der Tourismusbranche. Im casa abruzzo teilen wir uns die Background Aufgaben klar auf – Carlos kümmert sich um die Website, Zita um Social Media und Kommunikation. Was sich für uns definitiv noch entwickeln darf, sind echte Auszeiten. Unser Leben ist zwar frei und flexibel, aber deshalb nicht weniger arbeitsintensiv. Wir arbeiten in Summe sogar mehr, als damals in der Festanstellung. Gleichzeitig fühlt sich diese Arbeit nicht genauso an und zahlt einfach viel mehr auf unser Selbstverwirklichungskonto ein.
Und seid ihr euch immer einig?
Wir ticken tatsächlich sehr unterschiedlich – Zita ist eher emotional und intuitiv, Carlos eher logisch und analytisch. Aber genau das ergänzt sich gut, wie wir immer wieder sehen. Wir besprechen uns regelmäßig zu den anstehenden Themen, beleuchten Dinge aus verschiedenen Perspektiven und finden am Ende immer einen gemeinsamen Nenner, den wir beide gut finden. Wir können uns nicht erinnern, dass wir uns mal wirklich uneinig gewesen wären. Das ist vermutlich auch der Grund, warum wir so resilient aus all der Zeit in den letzten Jahren des Unternehmensaufbaus und der vielen Renovierungen waren — weil zumindest wir beide echt immer ein starkes Team waren und uns gegenseitig Halt geschenkt haben. Das klingt total kitschig, ist aber nun mal wirklich so. 🙂
„Wir möchten Menschen ermutigen, sich auf den Weg zu ihrer eigenen Vision zu machen – auch wenn nicht alles von Anfang an sicher oder durchgeplant ist. (…) Für uns persönlich wünschen wir uns ein Leben in Gemeinschaft, nah an der Natur, mit Zeit für uns und die Familie. Und für uns alle wünschen wir uns mehr Fokus auf die wesentlichen Dinge: Verbindung, Zeit, Menschlichkeit.”
Was ist eure wichtigste Botschaft?
Dass es auch abseits der “Norm” viele verschiedene Lebenswege gibt, die für einen das Richtige sein können. Wir möchten Menschen ermutigen, sich auf den Weg zu ihrer eigenen Vision zu machen – auch wenn nicht alles von Anfang an sicher oder durchgeplant ist. Wir sind ohne großes finanzielles Polster gestartet und vieles ist unterwegs entstanden, weil wir offen, mutig und optimistisch geblieben sind. Für uns persönlich wünschen wir uns ein Leben in Gemeinschaft, nah an der Natur, mit Zeit für uns und die Familie. Und für uns alle wünschen wir uns mehr Fokus auf die wesentlichen Dinge: Verbindung, Zeit, Menschlichkeit.

Zita Avak und Carlos Ortiz sind die Gründer/innen vom casa abruzzo und leben mit ihrem Sohn zwischen Italien und der Welt. In einem über 450 Jahre alten Haus in den Abruzzen verbinden sie für ihre Gäste italienische Kultur und Kulinarik mit dem Urlaub in einem authentischen Italien abseits von Touristenströmen. Ihr Anliegen ist es, Räume für echte Begegnungen zu schaffen und zu zeigen, wie bereichernd ein bewusster, entschleunigter Blick auf das Leben sein kann.
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Bild: © casa abruzzo, Zita Avak und Carlos Ortiz







