‘FAM for Dogs’ für Straßenhunde: Man muss nicht lange suchen, um sich im Tierschutz zu engagieren. Schließlich gibt es alleine mehr als 770 lokale Tierschutzvereine in Deutschland, die dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossen sind. Dazu kommen zahlreiche Vereine, die im Auslandstierschutz aktiv sind. Die meisten Vereine legen den Schwerpunkt dabei allerdings nicht auf Kastrationen und Hilfe vor Ort — das wollte das Team hier anders machen. Hier wird „FAM for Dogs” vorgestellt…
Warum eigentlich noch einen weiteren eigenen Tierschutzverein gründen?
Fiona und Mieke aus Hamburg haben genau das getan. Im letzten Jahr haben sie gemeinsam mit den anderen Vorstandsmitgliedern Chrissy, Lara und Kira „FAM for Dogs e.V.“ ins Leben gerufen. „FAM“, das steht für „Fight and Movement“ – also Kampf und Bewegung. Mieke und Fiona berichten von den Anfängen ihres Vereins, wie sehr der Tierschutz ihren Alltag bestimmt und wie vielen Hunden sie schon helfen konnten.
Sieben ausgesetzte Welpen verdeutlichen die heikle Situation auf Lombok.
Es begann mit sieben Welpen. Okay, natürlich haben alle Gründerinnen schon alleine für sich eine längere Tierschutzvergangenheit. Aber diese sieben Welpen, die waren für Mieke trotzdem ein Schlüsselmoment. Damals hat die Juristin drei Monate in einem Projekt mit der indonesischen Regierung gearbeitet und landete in dieser Zeit auf Lombok. Dort fand sie sieben ausgesetzte Welpen in einem Sack – die Augen noch halb geschlossen. Niemand konnte helfen. Mit viel Improvisation gelang es, alle zu versorgen; einer der Welpen lebt heute sogar in Hamburg. „Diese Erfahrung hat gezeigt, dass es auf Lombok an allem fehlt und dringend nachhaltige Tierschutzarbeit notwendig ist“, so Mieke.
„Es reicht nicht, einzelne Hunde aus dem Ausland nach Deutschland zu holen!” (…)
Gemeinsam haben sie das Ziel, nachhaltig vor Ort die Situation der Hunde zu verbessern, etwa mit Kastrationsaktionen.
Sie gründete den Verein „Dogs of Lombok“. Daraus entstand später „FAM for Dogs“, in dem Mieke neben ihrer Arbeit als Rechtsanwältin gemeinsam mit Fiona, Chrissy, Lara und Kira Vorstandsvorsitzende ist. Genau wie Mieke war auch Fiona früh klar: Es reicht nicht, einzelne Hunde aus dem Ausland nach Deutschland zu holen. Die Tänzerin und Hundephysiotherapeutin war schon jahrelang in Rumänien aktiv, bevor sie mit Mieke „FAM for Dogs“ gründete. Gemeinsam haben sie das Ziel, nachhaltig vor Ort die Situation der Hunde zu verbessern, etwa mit Kastrationsaktionen.

Bild: © FAM for Dogs e.V.
Noch immer lebt Lino bei Fiona – und wurde inzwischen auch von ihr adoptiert. „Für mich ist er aber längst mehr als das – er hat mir unglaublich viel fürs Leben beigebracht.”
Was für Mieke die sieben Welpen waren, war für Fiona Hund Lino aus Rumänien. Nachdem er von einem Bus angefahren wurde, kam er im Mai 2024 ins Shelter in Baia Mare – „schwer verletzt und mehr tot als lebendig“, so Fiona. „Ich habe mich sofort um ihn gekümmert und ihn wenige Tage später in eine Klinik gebracht. Dort kämpfte er fast drei Monate um sein Leben, sollte zwischenzeitlich sogar eingeschläfert werden. Doch er hat sich buchstäblich ins Leben zurückgekämpft.“ Seit August 2024 lebt Lino als Fionas Pflegehund in Hamburg. Auch in Deutschland musste er noch vier Mal operiert werden. „Er hat ein Bein verloren, das andere wurde versteift“, berichtet Fiona. Dennoch strotze er vor Energie und Lebensfreude. „Er hat mir gezeigt, dass es sich immer lohnt, zu kämpfen – auch wenn die Situation noch so aussichtslos wirkt.“ Noch immer lebt Lino bei Fiona – und wurde inzwischen auch von ihr adoptiert. „Für mich ist er aber längst mehr als das – er hat mir unglaublich viel fürs Leben beigebracht.”
Wie gründet man einen Tierschutzverein?
Für Mieke und Fiona war klar: Sie wollen für Hunde wie Lino die Situation in Rumänien und auf Lombok nachhaltig verbessern. „Da Mieke zuvor bereits den Verein ‚Dogs of Lombok‘ gegründet hatte, war der Weg für uns etwas einfacher: Wir haben die Satzung angepasst, den Namen geändert und den Verein sozusagen noch einmal neu aufgestellt“, erzählen die beiden. Natürlich mussten die Änderungen notariell beglaubigt und ins Vereinsregister eingetragen werden. Viel Freizeit bleibt ihnen seitdem nicht mehr. „Neben unseren Vollzeitjobs investieren wir praktisch jede freie Minute in den Verein – ob Organisation, Kommunikation mit unseren Partnern vor Ort oder die Betreuung von Projekten und Mitgliedern.“

Bild: © mashardjo, FAM for Dogs e.V.
„Für uns ist es ein unfassbar schönes Gefühl, nicht mehr hilflos zu sein, sondern wirklich etwas verändern zu können – vor allem, weil wir uns vorgenommen haben, Strukturen vor Ort zu verbessern. Zu merken, dass unsere Hilfe ankommt und dass wir das Leben einzelner Lebewesen nachhaltig verändern können, treibt uns jeden Tag an.“
Warum sich all die Arbeit trotzdem für sie lohnt?!
„Für uns ist es ein unfassbar schönes Gefühl, nicht mehr hilflos zu sein, sondern wirklich etwas verändern zu können – vor allem, weil wir uns vorgenommen haben, Strukturen vor Ort zu verbessern. Zu merken, dass unsere Hilfe ankommt und dass wir das Leben einzelner Lebewesen nachhaltig verändern können, treibt uns jeden Tag an.“
Ohne Helfer geht es nicht…
Um all das überhaupt zu schaffen, hat der Verein mittlerweile ein „großartiges Team an ehrenamtlich Helfenden (…), die uns den Rücken freihalten, Aufgaben übernehmen und das Projekt überhaupt erst möglich machen. Ohne sie wäre ‚FAM for Dogs e.V.‘ niemals das, was es heute ist.“ Genau so wichtig sei das Team vor Ort. Derzeit unterstützt der Verein Tierheime auf Lombok und in Baia Mare in Rumänien. „Auf Lombok stehen mit Dhany, Riani und Rita drei unglaublich engagierte Frauen an unserer Seite, die unsere Partnerorganisation dort leiten und täglich für die Hunde kämpfen.“ In Rumänien ist „Monika das Herz der Hunde in Baia Mare – sie kümmert sich Tag und Nacht um die über 400 Tiere im Shelter. Ohne sie und die vielen weiteren Helfenden wäre unsere Arbeit schlicht nicht denkbar“, so die Tierschützerinnen.
Mindestens genauso wichtig für den spendenbasierten Verein ist finanzielle Unterstützung. Wem seine Zeit zu knapp ist, kann zumindest mit Geld einen Beitrag zum Tierschutz leisten, etwa durch eine Fördermitgliedschaft mit festem Jahresbeitrag, eine regelmäßige Patenschaft oder eine einmalige Spende. „Besonders regelmäßige Beiträge geben uns Planungssicherheit und ermöglichen es, langfristige Projekte umzusetzen“, betonen Mieke und Fiona.

Bild: © FAM for Dogs e.V.
„Auch auf Lombok ist Armut ein enormes Problem: „Wenn Menschen kaum genug haben, um sich selbst zu versorgen, ist es schwer, von ihnen zu erwarten, dass sie für Straßentiere sorgen.“
Bereits Hunderte Hunde kastriert…
Das Geld fließt dann unter anderem in die medizinische Versorgung von verletzten oder kranken Tieren. Immer wieder führt der Verein mithilfe von Partnern vor Ort auch Kastrationsaktionen durch. So wurden etwa an einem Wochenende im September in Baia Mare gleich 244 Hunde kastriert. Auf Lombok wurden durch ihre Kastrationsprojekte schon mehr 1.500 Straßenhunde kastriert. Rechnerisch konnten so rund 18 Millionen ungewollte Nachkommen verhindert werden. Zwischen Tierheim-Überfüllung und fehlender Versorgung „Wir würden uns niemals anmaßen, Tierleid zu vergleichen“, sagen Fiona und Mieke, wenn sie auf die Unterschiede zwischen Rumänien und Indonesien angesprochen werden. In Rumänien belasten vor allem die politischen Strukturen und überfüllte öffentliche Tierheime, in denen Hunde häufig keine Überlebenschance hätten. „Viele Straßenhunde werden von kommunalen Hundefängern eingefangen und in öffentliche Shelter gebracht – die in der Praxis oft keine Tierheime, sondern Todeslager sind: völlig überfüllt, ohne ausreichend Futter, medizinische Versorgung oder Betreuung. Viele Hunde verhungern dort oder sterben elendig“, erzählen die Tierschützerinnen im Interview.
Hinzu komme die gesellschaftliche Situation: „In manchen Regionen leben viele Roma-Familien, die aus Armut nicht die Möglichkeit haben, ihre Tiere zu versorgen oder kastrieren zu lassen.“ Auch auf Lombok ist Armut ein enormes Problem: „Wenn Menschen kaum genug haben, um sich selbst zu versorgen, ist es schwer, von ihnen zu erwarten, dass sie für Straßentiere sorgen.“ Zudem leiden die Hunde unter der mangelnden medizinischen Versorgung. Und unter einer Kultur, in der Hunde oft als unrein gelten – „sie werden nicht gefüttert und im schlimmsten Fall sogar massenhaft getötet.“
„Uns ist wichtig, dass es für die Hunde nicht nur ein neues Zuhause gibt, sondern wirklich das richtige Zuhause.“
Spenden: Kleine Hilfe, große Wirkung
Die Finanzierung bleibt eine ständige Herausforderung. „Die meisten Spenden kommen noch aus unserem Umfeld und über Social Media“, erklärt Mieke. Doch der Bedarf wächst: In Rumänien wollen sie das Tierheim langfristig noch mehr unterstützen, auf Lombok ist der Kauf eines Grundstücks geplant, um das Shelter zu erweitern. „Jede Unterstützung hilft“, sagt Mieke. Übrigens will auch „FAM for Dogs“ künftig Tiere aus Rumänien nach Deutschland vermitteln – allerdings bewusst in kleinem Rahmen und ausschließlich über Pflegestellen. So können die Hunde zunächst ein paar Wochen in Deutschland ankommen und sich an die neue Umgebung gewöhnen. Außerdem können die Tierschützerinnen die Hunde in der Zeit besser kennenlernen. „So können wir viel gezielter einschätzen, welche Familie zu welchem Hund passt“, erklärt Mieke. Gerade bauen sie das Team auf, „um das Thema Adoption gewissenhaft und nachhaltig umzusetzen“. „Uns ist wichtig, dass es für die Hunde nicht nur ein neues Zuhause gibt, sondern wirklich das richtige Zuhause.“
Einen Tierschutzverein gründen – das bringt Verantwortung! …Würden Fiona und Mieke das daher auch anderen empfehlen?
„Man darf die Gründung und Führung eines Vereins nicht unterschätzen“, sagen die beiden klar. Die Verantwortung für Buchhaltung, Finanzen, Transparenz und Mitglieder sei hoch, der Verwaltungsaufwand enorm. „Wir hatten etliche schlaflose Nächte, bis alles stand. Deshalb würden wir auch jedem raten: Einen neuen Verein sollte man wirklich nur gründen, wenn man sich in bestehenden Vereinen absolut nicht aufgehoben fühlt.“ Mit einem Augenzwinkern werben sie dafür, sich bei „FAM for Dogs“ zu engagieren. Der Verein sucht derzeit etwa ehrenamtliche Unterstützung im Social-Media-Team.
Wie man FAM for Dogs unterstützen kann:
Entweder durch Spenden: www.famfordogs.com/spenden, dadurch Mitglied zu werden: www.famfordogs.com/join-family oder durch das Teilen und Verbreiten ihrer Mission auf der Webseite oder Instagram.

Retten, Pflegen, Helfen: Der FAM for Dogs e.V. ist ein starker Anker für Hunde, die bisher auf der Schattenseite des Lebens standen. Tierschutz kennt dabei keine Grenzen: FAM for Dogs e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, Hilfe direkt vor Ort durch Kastrationen zu leisten und verletzten Hunden in hoffnungslosen Situationen auf der Straße zu helfen. Der Verein leistet damit eine unverzichtbare und nachhaltige Arbeit und denkt Tierschutz damit nicht nur neu, sondern packt ihn an der Wurzel. Hier sind Fiona und Mieke zu sehen. Danke euch für eure wertvolle Arbeit!
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Bild: © FAM for Dogs e.V.







