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Herzwerk gegen Armut im Alter.

Christin Prizelius | 05.07.24 | Interview mit Jenny Jürgens | © Herzwerk, Ralph Sondermann, Don Vasco Tücks/ Luke and Friends, Sascha Lamozik/Feenstaub Entertainment

Wer teilt, beschenkt sich selbst. Frei nach diesem Motto unterstützen Jenny Jürgens und das Deutsche Rote Kreuz Düsseldorf alte Menschen, die in Armut und Einsamkeit leben. Die Schauspielerin und das DRK haben dafür im Jahr 2009 das Projekt Herzwerk – Aktiv gegen Armut im Alter für bedürftige Düsseldorfer Senioren ins Leben gerufen.

Liebe Frau Jürgens, Sie haben gemeinsam mit dem DRK Düsseldorf das Projekt Herzwerk gegründet und helfen damit Menschen, die in Armut und Einsamkeit leben. Was bedeutet Ihnen dieses Engagement?

2009 erwachte in mir die Idee zu Herzwerk. Endlich hatte ich meine caritative Bestimmung gefunden. Ich ging mit meinem Anliegen zum „Deutschen Roten Kreuz Düsseldorf“ und seither sind wir Partner. Ohne das DRK Düsseldorf könnte Herzwerk nicht bestehen. Wir sind in diesen 10 Jahren konstant gewachsen, haben uns stetig weiterentwickelt. Haben unzähligen Menschen geholfen — Veranstaltungen organisiert — Projekte gestemmt – 2017 die Begegnungsstätte „Herzwerkstatt“ eröffnet. Wir besitzen seit kurzem ein eigenes, mit unserem Logo bedrucktes Fahrzeug, welches in Düsseldorf unterwegs ist. Wir haben den Landesverdienstorden bekommen und sind Düsseldorfer des Jahres geworden — das ist doch was!

Sie sagen, dass Ihnen diese Arbeit ein Herzensanliegen ist. Wie ist damals die Idee dafür genau entstanden? Gab es so etwas wie einen Auslöser?

Ich habe mit Anfang 40 den starken Drang verspürt, etwas zu tun, das eine soziale Qualität hat. Ich liebe meinen Beruf, er alleine erfüllt mich aber nicht. Deshalb die Initiative Herzwerk. Ich habe Menschen gesucht, die Hilfe brauchen, und habe die Senioren gefunden. Ich habe schon immer eine Affinität zu alten Menschen gehabt. Sie stehen in der Gesellschaft am Ende der Kette einer Hierarchie und haben Respekt verdient. Mir war es aber auch wichtig, einem Projekt nicht nur mein Gesicht zu leihen, sondern voll dabei zu sein. Ich bin jeden Tag involviert. Ich mache lieber eine Sache richtig, als mich zu verzetteln. Deshalb ist es mir auch wichtig nur diese eine Initiative zu betreuen.

Im Rahmen Ihrer Arbeit entstehen für die Menschen bestimmt viele soziale Kontakte, die der Einsamkeit entgegenwirken. Ein großes und wertvolles Geschenk ist hier sicherlich wirklich Zeit zu schenken. Welche Träume und Wünsche äußern die Menschen, denen Sie dabei begegnen?

Oftmals geht es bei unserer Hilfe nicht so sehr um die Erfüllung von Träumen oder Wünschen. Die alten Menschen, die wir mit Herzwerk betreuen, benötigen vielmehr Dinge des täglichen Bedarfs, die sie sich nicht leisten können. Viele davon sind für uns so selbstverständlich, dass wir uns nicht vorstellen können, dass es Menschen gibt, die dafür kein Geld aufbringen können. Ein Theaterbesuch zum Beispiel, oder eine Tageszeitung, mal frisches Obst, oder eine Kurzreise zu einem weit entfernten Verwandten. Kürzlich hat eine Seniorin, die schon lange zu uns in die Herzwerkstatt kommt, in einem Fernsehinterview davon geträumt, ihre Heimat Budapest noch einmal wiederzusehen. Dabei hat sie ganz furchtbar geweint. Das war ein sehr emotionaler Augenblick, den auch viele Zuschauer so empfunden haben. Nach der Sendung gab es eine riesige Welle an Zuschriften und Spendeneingängen bei Herzwerk. So viele Menschen wollten helfen. Gemeinsam haben wir das Geld tatsächlich aufgebracht und die alte Dame wird im Frühjahr endlich nach Budapest reisen können.

Bild: © siehe Header

„In Würde zu altern“ ist ein Grundrecht, sagen Sie. Was muss sich Ihrer Meinung u.a. gesellschaftlich und politisch ändern? Und was kann jeder Einzelne von uns dafür tun?

Glücklich kann sich der schätzen, der finanziell abgesichert ist. Der die Stütze der Familie und emotionale Sicherheit hat. Der sich keine Sorgen um einen leeren Kühlschrank oder beißende Einsamkeit machen muss. Der Versuch, die Welt mit den Augen derer zu sehen, die nicht auf der Sonnenseite stehen, ist meiner Ansicht nach eine moralische Pflicht und erfüllt schlussendlich auch uns selbst.

“Wenn jeder sich einer Sache widmen würde, jeder nur einer, dann wäre viel getan auf der Welt.”

Sie sagen, Sie haben vor einer Weile gespürt, etwas tun zu wollen, was „soziale Qualität“ hat. Was wünschen Sie sich durch Ihre Arbeit im Großen nachhaltig zu verändern? Welche Bedeutung hat für Sie hier der Wert Menschlichkeit?

Wenn jeder sich einer Sache widmen würde, jeder nur einer, dann wäre viel getan auf der Welt. Ich kann den Lauf der Welt nicht ändern, aber Untätigkeit fühlt sich nun mal richtig schlecht an. Und zum Thema Menschlichkeit kann man sagen: „Was Du nicht willst, was man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu“. Es ist eigentlich sehr einfach.

Bild: © siehe Header

Was hat es mit der „Herzwerkstatt“ auf sich? Was macht sie in Ihren Augen so wertvoll und was wird dadurch alles ermöglicht?

Die Herzwerkstatt hat sich als Anlaufstelle und Begegnungsstätte bewährt und erfährt viel Zulauf. Sie bietet bedürftigen Senioren die Möglichkeit,  Anträge auf Unterstützung bei Dingen des täglichen Bedarfs zu stellen, sich mit gleichgesinnten Senioren zu einem Kaffee zu verabreden, an gemeinsamen Unternehmungen teilzunehmen und Sachspenden wie beispielsweise Haushaltsgeräte, Kleidung oder Bettwäsche entgegenzunehmen. Wir sind stolz auf die vielen Angebote, die wir – auch dank einiger sehr engagierter Ehrenamtler – in der Herzwerkstatt für die Senioren organisieren. Darunter Gesprächsrunden, Spielenachmittage, Frühstücke, Internet-Cafés und Mittagstische.  

“Die Bedürftigkeit und die Wünsche der Senioren liegen manchmal in ganz alltäglichen Dingen.”

Sie treffen mit Ihrer Arbeit einen traurigen und besorgniserregenden Nerv. Viele Menschen sind auf die Grundsicherung angewiesen und können sich viele soziale Aktivitäten nicht leisten, obwohl Sie ein Leben lang gearbeitet haben. Welche Sorgen und Probleme der Menschen können durch Herzwerk konkret gelindert bzw. gelöst werden?

Das sind Sachspenden, Hilfen bei Anträgen, Geld für kleine Dinge, manchmal auch Lebenshilfen. Ein Team aus ehrenamtlich tätigen Helfern und Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes koordinieren das Projekt Herzwerk. Senioren, die die Kriterien von Herzwerk erfüllen, können zu uns in die Herzwerkstatt auf der Oberbilker Allee kommen, uns eine E‑Mail schreiben oder telefonisch Kontakt zu Herzwerk-Mitarbeiterin Mara Kern aufnehmen. Das Herzwerk-Team weiß sehr gut, wie schwer es vielen Senioren fällt, nach Unterstützung zu fragen und um finanzielle Hilfe zu bitten. Zum Glück nehmen sich dann auch schon mal Nachbarn oder Angehörige der Sache an und suchen den Kontakt zu Herzwerk. Die Bedürftigkeit und die Wünsche der Senioren liegen manchmal in ganz alltäglichen Dingen. Da geht es um nicht bezahlte Strom- und Gasrechnungen, eine kaputte Brille, der Bruder ist gestorben und man kann den Weg zur Beerdigung nicht bezahlen, einer älteren Dame möchte man ein Stück ihrer Würde zurückgeben, indem man ihr einmal im Monat den Friseurbesuch bezahlt. Das sind Dinge, die sind wichtig und die können sich die Senioren nicht leisten. Dafür steht Herzwerk dann ein. 

Sie sagen, dass jeder Euro hilft. Wie kann jeder von uns helfen? Wie kann man Sie erreichen und Ihre Arbeit unterstützen?

Privatmenschen und Unternehmen unterstützen uns mit Geld- oder Sachspenden. Einige Unternehmen bieten auch Aktionen innerhalb und auch außerhalb unserer Herzwerkstatt an. Sie laden Senioren beispielsweise zu Kaffee und Kuchen in ein Restaurant ein, organisieren Bastelnachmittage oder Ausflüge. Spenden können immer über das Herzwerk-Konto getätigt werden.

Herzwerk-Spendenkonto: DRK-Kreisverband Düsseldorf e.V. • Stichwort: “Herzwerk“
IBAN: DE30 3005 0110 1005 4701 49 • SWIFT-BIC: DUSSDEDDXXX

“„Startet Euer Herzwerk“ soll auf ganz emotionale Art und Weise auf das Problem Altersarmut aufmerksam machen, die Menschen wachrütteln und zum Helfen animieren.”

Gemeinsam mit der Band Scherbenwelt, Stephan Schleep sowie Ihnen, Herzwerk und weiteren Unterstützern, entstand der Song „Startet euer Herzwerk“, der dem Projekt Herzwerk ebenfalls zugutekommt. Worum geht es hier und was ist die größere Botschaft dahinter?

Die Idee zu “Startet Euer Herzwerk” wurde im Jahr 2017 vom Arnsberger Stephan Schleep an mich herangetragen. Komposition und Text stammen aus einer gemeinsamen Feder mit der Band Scherbenwelt und dem Hagener Rapper “Einfach nur Jay”. Deutsch-Pop und Rap wird dabei musikalisch begleitet vom Jungen Chor Oeventrop. Den Song haben wir dann im Jahr 2018 von Christoph Griesenbrock in seinem Tonstudio Audiofloor produzieren lassen. „Startet Euer Herzwerk“ soll auf ganz emotionale Art und Weise auf das Problem Altersarmut aufmerksam machen, die Menschen wachrütteln und zum Helfen animieren. Mein Mann David hat dann gemeinsam mit einem Filmteam, für das die Arbeit mit Hollywood-Größen zum Tagesgeschäft gehört, das Drehbuch für ein Musikvideo geschrieben und die Dreharbeiten dazu geleitet. Mit „startet Euer Herzwerk“ und dem Video zum Song hoffen wir, das Thema Altersarmut noch weiter in den Fokus zu rücken, mehr Aufmerksamkeit dafür zu schaffen – und natürlich nicht zuletzt auch mehr Spenden für Herzwerk und Hilfe für die Betroffenen zu bekommen.

www.herzwerk-duesseldorf.de 

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Das ganze Interview erfolgte für eine vorherige Ausgabe des Magazins Pure & Positive.


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