Gemeinsam für eine bessere Welt

Leuchtendes Beispiel für Freiheit und Gerechtigkeit

27.03.2026 | Gedanken zum neuen Kinderbuch von Ferdinand von Schirach von Christin Prizelius | © Pixabay

Manchmal stößt man auf ein Buch, bei dem man sofort spürt, dass es mehr als nur eine Geschichte ist – sondern viel mehr ein kleines, philosophisches Geschenk. Als ich Ferdinand von Schirachs Kinderbuchdebüt „Alexander“ in die Hand nahm, war es so ein Gefühl wie: Wie würde dieser Meister der juristischen Klarheit und menschlichen Tragödie die Welt für junge Leser übersetzen?! Die Antwort ist daher beeindruckend: Ferdinand von Schirach hat hier in unseren Augen ein Werk geschaffen, das so warmherzig wie klug ist und das Herz ebenso berührt wie den Verstand.

Dieses Buch ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass tiefgründige Themen wie Freiheit und Gerechtigkeit nicht kompliziert sein müssen, um relevant zu sein. Ich war sofort fasziniert von der Einfachheit und doch der tiefen Bedeutung der zentralen Frage: Wie findet man wirklich „gute Gesetze“? Für mich persönlich ist „Alexander“ ein wichtiges Plädoyer für den Mut der Jugend, große Fragen zu stellen, und eine wunderbare Lektüre für alle Generationen. Es hat mich auf eine Weise bewegt, die ich von einem Kinderbuch selten erwartet hätte, und daher empfehlen wir es uneingeschränkt als eine dringend notwendige Lektion in Menschlichkeit und Demokratie.

Ein Kind auf der Suche nach den guten Gesetzen

Im Zentrum der Geschichte steht der junge Alexander, ein Bewohner der antiken Stadt Kaliste. Seine Heimatstadt, die einst unter einer Tyrannei litt, beauftragt ihn mit einer immensen Aufgabe: Alexander soll „gute Gesetze“ finden, damit eine Schreckensherrschaft niemals wiederkehren kann. Die Wahl fällt bewusst auf ein Kind, dem die Erwachsenen zutrauen, frei von den Vorurteilen und Verstrickungen der Vergangenheit, gerechte und tragfähige Regeln zu ersinnen. Die Prämisse selbst ist genial und trägt die unverwechselbare Handschrift Ferdinand von Schirachs, der als Strafverteidiger das Wesen von Recht, Schuld und Moral wie kaum ein anderer durchdrungen hat. Indem er ein Kind zum Protagonisten dieser existentiellen Suche macht, entkleidet er die komplexen staatsphilosophischen Fragen ihrer trockenen akademischen Hülle und macht sie für eine Zielgruppe ab etwa 10 Jahren greifbar.

In einer Welt, in der Demokratien zunehmend unter Druck geraten und das friedliche Miteinander oft herausgefordert wird, bietet “Alexander” eine verständliche Einführung in die Werte, die unsere Gesellschaften tragen sollten: Mut, Gerechtigkeit, Toleranz und der Glaube an eine bessere Welt.

Die Odyssee der Aufklärung

Alexanders Reise wird zu einer modernen, wenn auch in antiker Kulisse angesiedelten, Odyssee der Aufklärung. Auf seinem Weg trifft er auf eine Reihe von höchst unterschiedlichen Charakteren, die ihm jeweils ein Puzzleteil auf der Suche nach den demokratischen Prinzipien präsentieren:

  • Das Orakel: Es lehrt Alexander die Bedeutung der Ungewissheit und des kritischen Hinterfragens.
  • Der Soldat: Er vermittelt ihm Lektionen über Verantwortung und die Notwendigkeit von Ordnung.
  • Der Modeschöpfer: Überraschenderweise klärt dieser Alexander über die Facetten der Freiheit und der individuellen Entfaltung auf.
  • Der Philosoph: Er führt Alexander schließlich zu den zentralen Überlegungen von Gerechtigkeit und den Prinzipien der Herrschaft des Volkes.

Jede Begegnung ist in einen feinsinnigen Dialog eingebettet, der Schirachs Talent für klare Sprache und pointierte Gedankenführung voll ausspielt. Obwohl die Themen schwergewichtig sind, gelingt es dem Autor, sie mit einer klugen Mischung aus Tiefsinn und feinem Humor zu präsentieren. Die Dialoge sind so aufgebaut, dass sie zum Innehalten und Diskutieren anregen, nicht nur für Kinder, sondern auch für die vorlesenden oder mitlesenden Erwachsenen.

Gestaltung und zeitlose Botschaft

Das Buch erreicht einen nicht nur durch seinen Inhalt, sondern auch durch seine liebevollen, vierfarbigen Illustrationen, die der Autor selbst beigesteuert hat. Diese Zeichnungen, oft als Vignetten gestaltet, ergänzen die Erzählung auf subtile Weise und verleihen dem Buch eine sehr persönliche Note. Die optische Gestaltung unterstützt die warme und menschliche Atmosphäre der Geschichte. Die zeitlose Botschaft des Buches ist in der heutigen Zeit von besonderer Relevanz. In einer Welt, in der Demokratien zunehmend unter Druck geraten und das friedliche Miteinander oft herausgefordert wird, bietet “Alexander” eine verständliche Einführung in die Werte, die unsere Gesellschaften tragen sollten: Mut, Gerechtigkeit, Toleranz und der Glaube an eine bessere Welt.

Es ist ein Buch, das zum Vorlesen, zum gemeinsamen Nachdenken und zum Diskutieren einlädt. Es lehrt nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch die Kraft der Geschichte und die Klarheit der Argumente. (…) Es ist eine eindringliche Erinnerung daran, dass die Suche nach den guten Gesetzen eine fortwährende Aufgabe ist, die uns alle betrifft.

Fazit: Ein bedeutendes Debüt im Kinderbuch

“Alexander” ist ein mutiges und notwendiges Buch, das die Erwartungen an ein Debüt im Kinderbuchbereich durch einen etablierten Autor bei Weitem übertrifft. Ferdinand von Schirach gelingt es, seine humanistische Haltung und sein juristisches Verständnis in eine Erzählform zu gießen, die junge Leser ernst nimmt und sie sanft an große philosophische Fragen heranführt. Es ist ein Buch, das zum Vorlesen, zum gemeinsamen Nachdenken und zum Diskutieren einlädt. Es lehrt nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch die Kraft der Geschichte und die Klarheit der Argumente. “Alexander” ist ein literarisches Geschenk, das in jedem Kinderzimmer und jeder Schulbibliothek einen Platz finden sollte, um die nächste Generation in den wichtigsten Lektionen des Zusammenlebens zu unterweisen. Es ist eine eindringliche Erinnerung daran, dass die Suche nach den guten Gesetzen eine fortwährende Aufgabe ist, die uns alle betrifft.

Das von Ferdinand von Schirach, einem der meistgelesenen deutschen Gegenwartsautoren, erstmals vorgelegte Kinderbuch “Alexander” ist daher ein gutes literarisches Experiment, das den Leser, egal ob jung oder alt, mit einer tiefgründigen und zugleich zugänglichen Erzählung konfrontiert. Das Werk ist mehr als nur eine einfache Geschichte; es ist eine kluge, philosophische und warmherzige Annäherung an die Grundlagen der Demokratie, der Freiheit und des friedlichen Zusammenlebens…

Ferdinand von Schirach ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten zeitgenössischen deutschen Schriftsteller, der durch seine präzise und ethisch tiefgründige Prosa berühmt wurde. Bevor er seine Karriere als Autor begann, war er über zwanzig Jahre lang als Strafverteidiger in Berlin tätig, eine Erfahrung, die seine literarischen Themen maßgeblich prägt. Mit seinem jüngsten Kinderbuch „Alexander“ wandte er sich einem neuen Genre zu, wobei er seine philosophischen Anliegen (wie die Suche nach den „guten Gesetzen“) auch für junge Leser aufbereitet. Ferdinand von Schirachs Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und machen ihn zu einem der meistgelesenen deutschen Autoren weltweit.

Bild: © Julia Sellmann

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