Gemeinsam für eine bessere Welt

Der Moment, in dem der Erfolg nicht mehr reicht.

Christin Prizelius | 25.03.2026 | Gastbeitrag von Marianne Hochstrasser | Anzeige | © Marianne Hochstrasser

Nach außen hin scheint alles perfekt: Die Karriere glänzt, die Ziele sind erreicht und der Applaus der anderen ist stetig gewachsen. Doch Marianne Hochstrasser führt uns in ihrem sehr persönlichen Gastbeitrag an jenen zerbrechlichen Punkt, an dem die äußere Fassade plötzlich keine Wärme mehr spendet. Sie beschreibt eindringlich den Moment, in dem die gewohnten Symbole des Erfolgs ihre Bedeutung verlieren und eine tiefe, innere Leere hinterlassen. Es ist eine mutige Reflexion über die schmerzhafte Erkenntnis, dass wahre Erfüllung nicht in Zahlen oder Titeln zu finden ist. Mit entwaffnender Ehrlichkeit zeigt sie uns, warum das Ende der bisherigen Erfolgsleiter oft erst der eigentliche Anfang einer Reise zu sich selbst ist.

Es war ein Freitagabend.

Nach einer intensiven Arbeitswoche kam ich nach Hause, stellte meine Tasche ab und ließ mich erschöpft aufs Sofa sinken. Viele Gespräche, wichtige Entscheidungen, gute Ergebnisse. Von außen betrachtet lief alles wunderbar.
Und trotzdem war da dieses Gefühl. Die Freude über die erfolgreiche Woche wollte sich nicht wirklich einstellen, und auch Zufriedenheit blieb aus. Stattdessen tauchte immer wieder eine leise Frage in meinen Gedanken auf:

Soll das jetzt alles gewesen sein?

Ein Gefühl, das viele kennen – über das aber kaum jemand spricht

Viele erfolgreiche Menschen stehen irgendwann an genau diesem Punkt. Sie haben viel erreicht. Eine verantwortungsvolle Position, ein gutes Einkommen, ein starkes Netzwerk. Und trotzdem taucht da irgendwann eine innere Stimme auf, leise und trotzdem unüberhörbar:

War das wirklich der Weg, den ich gehen wollte?

In meinen Coachings mit Unternehmerinnen und Unternehmern, Führungskräften und Vertriebsteams begegnet mir dieser Moment erstaunlich oft. Das Verrückte daran: Je erfolgreicher Menschen sind, desto seltener sprechen sie darüber. Weil es sich seltsam anfühlt. Weil es undankbar wirken könnte. Weil Erfolg und Zweifel in unserer Gesellschaft nicht zusammengehören. Aber sie tun es. Und wer das zulässt, zeigt keine Schwäche, sondern Stärke und Tiefe.

„Von außen sah mein Weg sehr erfolgreich aus. Doch irgendwann wurde mir etwas klar: Ich hatte viele Ziele erreicht, aber ich hatte mir nie wirklich die Frage gestellt, ob es meine eigenen waren. Ich hatte gelernt, Erwartungen zu erfüllen.”

Warum ich trotz Erfolg nicht ankam

Ich hatte viele Jahre in internationalen Unternehmen gearbeitet und Verantwortung im Management übernommen. Ich war ehrgeizig, hatte klare Ziele und ich wusste, wie ich sie erreichen konnte. Von außen sah mein Weg sehr erfolgreich aus. Doch irgendwann wurde mir etwas klar: Ich hatte viele Ziele erreicht, aber ich hatte mir nie wirklich die Frage gestellt, ob es meine eigenen waren. Ich hatte gelernt, Erwartungen zu erfüllen. Die Erwartungen von Vorgesetzten. Von Unternehmen. Von dem Bild, das unsere Gesellschaft von Erfolg hat. Mein eigenes Warum? Das hatte ich lange nicht wirklich hinterfragt.

Der Moment, der alles veränderte

Der eigentliche Wendepunkt kam nicht durch eine große Krise, keinen Burnout, kein dramatisches Ereignis. Er kam durch eine einfache, mutige Entscheidung. Ich wollte verstehen, was mir wirklich wichtig ist.

Ich begann, mir Zeit für Fragen zu nehmen, die ich vorher nie gestellt hatte:

  • Welche Art von Leben möchte ich führen?
  • Welche Wirkung möchte ich mit meiner Arbeit haben?
  • Und was bedeutet Erfolg für mich persönlich jenseits von Titeln und Zahlen?

Diese Reise hat mein Leben verändert. Nicht über Nacht. Aber mit jedem ehrlichen Moment der Selbstreflexion ein Stück mehr.

„Viele Menschen glauben, sie stecken fest, weil ihnen eine bessere Strategie fehlt. Ein neuer Job. Ein frischer Karriereplan. Mehr Disziplin. Doch oft liegt der eigentliche Schlüssel woanders — nicht im Außen, sondern im Innen.”

Warum mehr Strategie oft nicht die Antwort ist

Viele Menschen glauben, sie stecken fest, weil ihnen eine bessere Strategie fehlt. Ein neuer Job. Ein frischer Karriereplan. Mehr Disziplin. Doch oft liegt der eigentliche Schlüssel woanders — nicht im Außen, sondern im Innen. Wenn wir wieder in Verbindung kommen mit uns selbst, wenn wir spüren, was uns wirklich antreibt und wofür wir morgens aufstehen wollen, dann verändert sich etwas Grundlegendes. Entscheidungen werden klarer. Energie kommt zurück. Und Erfolg fühlt sich wieder stimmig an. Nicht als Pflicht, sondern als Ausdruck von dem, wer wir wirklich sind.

Denn Erfolg und Freude gehören zusammen

Genau das ist die Arbeit am persönlichen Warum. Keine Technik, keine Methode. Sondern eine ehrliche Rückkehr zu sich selbst.

„Gerade Menschen in Führungsrollen stellen sich diese Fragen selten, weil sie gewohnt sind, für andere Orientierung zu geben. Veränderung beginnt selten mit einem großen Schritt. Meistens beginnt sie mit einem einzigen ehrlichen Moment, in dem wir uns selbst erlauben, die Wahrheit zu hören.”

Drei Fragen, die einen Anfang machen

Wenn du dich in diesen Gedanken wiedererkennst, können diese drei Fragen ein erster, ehrlicher Schritt sein.

  1. Wofür stehe ich wirklich mit meiner Arbeit?
    Nicht das, was du im Jobinterview sagst. Sondern das, was du wirklich bewirken möchtest.
  2. Was würde ich tun, wenn ich mich nicht ständig an Erwartungen orientieren müsste?
    Eine unbequeme Frage und genau deshalb eine wichtige.
  3. Was möchte ich am Ende meines Lebens nicht bereuen?
    Manchmal braucht es diese Perspektive, um wieder klarer zu sehen, was heute zählt.

Gerade Menschen in Führungsrollen stellen sich diese Fragen selten, weil sie gewohnt sind, für andere Orientierung zu geben. Veränderung beginnt selten mit einem großen Schritt. Meistens beginnt sie mit einem einzigen ehrlichen Moment, in dem wir uns selbst erlauben, die Wahrheit zu hören.

Der Weg zurück zur eigenen Richtung

Heute begleite ich Menschen, die an genau diesem Punkt stehen. Menschen, die erfolgreich sind und trotzdem spüren, dass da noch mehr möglich ist. In meinen Coachings mit Führungskräften, Unternehmerinnen und Unternehmern und Vertriebsteams erlebe ich immer wieder, wie kraftvoll dieser Moment der Klarheit sein kann. Mehr Klarheit, mehr Wirkung und vor allem mehr Freude in dem, was sie tun. Und jedes Mal, wenn jemand beginnt, sein eigenes Warum wiederzuentdecken, passiert etwas Faszinierendes. Der Weg fühlt sich plötzlich wieder lebendig an.

Mehr dazu auch in dem Podcast-Interview HIER. #Folge69

Das Buch von Marianne Hochstrasser ist ein inspirierender Leitfaden für Verkäufer, die persönliche Blockaden überwinden und nachhaltigen Erfolg im Vertrieb erzielen möchten. Die Autorin stellt die innere Haltung und Denkweise in den Mittelpunkt und verbindet praxisnahe Coaching-Erfahrungen mit umsetzbaren Methoden. (…) Das Buch bietet praktische Strategien, mentale Techniken und inspirierende Reflexionsansätze, um innere Blockaden zu überwinden, Kaltakquise zu meistern und Kundenbedürfnisse mit Hingabe zu erfüllen. Es verbindet persönliche Transformation mit konkreten, umsetzbaren Methoden, um Verkäufern zu helfen, ihr volles Potenzial zu entfalten.

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Bild: © Marianne Hochstrasser, Wiley-VCH

Marianne Hochstrasser ist Coach, Trainerin und Autorin des Buches „Entfessle dein Potenzial! Mit innerer Souveränität erfolgreich verkaufen“. Nach vielen Jahren in Führungsrollen in internationalen Unternehmen begleitet sie heute Menschen dabei, beruflichen Erfolg mit innerer Klarheit, Wirkung und Freude zu verbinden.

Mehr unter: www.successandjoy.ch

Bild: © Marianne Hochstrasser


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