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Axel Prahl: »Was man liebt, braucht Zeit«.

Christin Prizelius | 05.12.2025 | Knut Elstermann: Axel Prahl: »Was man liebt, braucht Zeit« | © Tine Acke

Sonntagabend, 20:15 Uhr: Deutschland versammelt sich vor dem Fernseher. Seit über zwei Jahrzehnten ist Axel Prahl in seiner Rolle als charismatischer Kriminalhauptkommissar Frank Thiel im Münsteraner Tatort zu sehen — dem mit Abstand beliebtesten der ganzen Fernsehreihe. Doch wer ist Axel Prahl, wenn die letzte Szene abgedreht ist und das Licht ausgeht? Wer der Mensch hinter der Rolle?

Das Buch „Was man liebt, braucht Zeit“ gibt einen tiefen Einblick in das Leben und künstlerische Schaffen von Axel Prahl. in enger Zusammenarbeit zwischen Axel Prahl und Knut Elstermann ist eine einzigartige Collage entstanden, die persönliche Texte, Beobachtungen und Interviews mit Mutter Rita, Schauspielkollegin Katharina Thalbach und ‑Kollege Jan Josef Liefers, Regisseur Andreas Dresen und Axel Prahl höchstpersönlich zusammenfügt. Das Buch erzählt von Herkunft, Kindheit und Jugend, seinen ersten Erfahrungen am Theater, von seiner Musik und seinen Texten, von Freundschaft und Liebe. Entsprechend vervollständigt das Buch die öffentliche Darstellung des Schauspielers – die nur einen Bruchteil seiner Persönlichkeit abbildet – zu einem vielseitigen Porträt…

Lieber Herr Prahl, lieber Herr Elstermann, Ihr Buch ist keine klassische Biografie, sondern eine literarische Collage aus Erinnerungen und Beobachtungen, Interviews mit Familie, Kolleginnen und Weggefährten, die sich zu einem künstlerischen Porträt verweben. Wie entstand die Idee und was macht dieses Format so besonders?

Axel Prahl: Als Knut damals mit der Idee für dieses Buch um die Ecke kam, war ich erst einmal ein wenig erschrocken. Ich dachte: Auweia, ist es wirklich schon so weit? Ist jetzt die letzte Runde schon eingeläutet? Ich sagte zu Knut, dass ich mich für die Herausgabe einer Biografie dann doch noch ein wenig zu jung fühle und ich durchaus noch ein paar Jahre leben wolle. Knut hat mich dann aber auch gleich beruhigt und versichert, dass er sich auf das Berufliche beschränken würde. Jetzt sind allerdings dann doch einige persönliche Sachen von mir eingeflossen…

„Ich wollte schon lange ein Buch mit Axel machen, der mich als Schauspieler und Musiker seit Jahrzehnten fasziniert, mit seiner Wandlungsfähigkeit, seiner Vielseitigkeit, seiner Sensibilität, seinem menschenfreundlichen Humor.”

Knut Elstermann

Knut Elstermann: Ich wollte schon lange ein Buch mit Axel machen, der mich als Schauspieler und Musiker seit Jahrzehnten fasziniert, mit seiner Wandlungsfähigkeit, seiner Vielseitigkeit, seiner Sensibilität, seinem menschenfreundlichen Humor. Zum Glück hat er sofort zugesagt. Wir waren uns sehr schnell einig, dass es eben keine herkömmliche Biografie werden sollte, sondern eine lebendige Montage der Beobachtungen, Erfahrungen, auch der Ansichten von Kolleginnen und Kollegen, ein Dialog zwischen uns und mit seinen Erinnerungen an künstlerische Arbeiten. Das ergibt eine Erzählweise, die auch Brüche und Sprünge zulässt und eine Unmittelbarkeit der Eindrücke — also eigentlich ein sehr filmisches Verfahren.

Herr Elstermann, Sie sind seit Jahrzehnten renommierter Film- und Kulturjournalist – in Berlin sind Sie als „Kino King Knut” bekannt. Seit wann haben Sie den Künstler Axel Prahl schon auf dem Schirm?

Knut Elstermann: Das war schon 1999 in Andreas Dresens Film „Nachtgestalten”. Er war in diesem Episodenfilm nur zwei Mal zu sehen, als völlig überforderter Polizist in einer Berliner Nachtwache, aber diese Auftritte haben mich umgehauen. Ich habe nie vergessen, wie er diesen Mann porträtierte, immer am Rande des Zusammenbruchs, total genervt, aber im Kern gutmütig. Das war eine großartige Charakterstudie, ein Versprechen, das er in vielen nachfolgenden, übrigens durchaus manchmal verwandten Rollen einlösen sollte. Der einfache Mensch in einem Räderwerk, er wurde für mich eine Art Kafka-Figur der Gegenwart. Und er hat ja auch in einer Kafka-Verfilmung eine seiner besten Leistungen gezeigt, „Der Bau”.

„Wie Sie schon dem Titel des Buches entnehmen können, versuche ich immer mir die Zeit zu nehmen für die Dinge, die ich liebe. Das kann auch manchmal mitten in der Nacht sein.”

Axel Prahl

Herr Prahl, Sie haben für das Buch auch eigene Texte beigesteuert – wann und wie finden Sie bei Ihrem vollen Terminkalender Zeit zum Schreiben?

Axel Prahl: Wie Sie schon dem Titel des Buches entnehmen können, versuche ich immer mir die Zeit zu nehmen für die Dinge, die ich liebe. Das kann auch manchmal mitten in der Nacht sein. Schauspieler und Musiker haben ja nie einen gewerkschaftlich gesicherten 8 Stunden Tag. Aber die meiste Arbeit hatte ja der liebe Knut, der hat sich mit diesem Projekt ganz schön was eingetreten (lacht)! Der Arme musste ja alles aus seinen Interviews in die richtige Reihenfolge bringen und anständig ausformulieren. Das war sicher nicht immer ganz einfach, da man im Gespräch ja doch sehr häufig auch den Gedanken wechselt. Ich brauchte das dann eigentlich nur noch lesen und musste hier und da ein paar Kleinigkeiten korrigieren oder richtigstellen. Es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, mit Knut zusammen zu arbeiten. Er ist ein wunderbarer Mensch, dem man schnell geneigt ist, nahezu alles zu erzählen. Was ich auch sehr schätze, ist seine Zuverlässigkeit! Auf Knut kann man sich hundertprozentig verlassen. Auch das schafft ein großes Vertrauen.

Bild: © Tine Acke

Sie beide haben für das Buch sehr eng zusammengearbeitet. Wie haben Sie den gemeinsamen Schaffensprozess erlebt? Gibt es ein Erlebnis, ein Gespräch, einen Moment, der für Sie rückblickend besonders heraussticht?

Knut Elstermann: Axel hat sich viel Zeit für ausführliche Gespräche genommen. Wir sahen uns zusammen seine wichtigsten Filme an. Ich durfte beim Umziehen in der Garderobe, beim Schminken und beim Tatort-Dreh dabei sein und erfahren, wie diese Figur Thiel entsteht, wie sich Axel bis in die Sprache hinein verwandelt. Aber am meisten beeindruckt hat mich ein unspektakulärer, ruhiger und konzentrierter Arbeitstag im Synchronstudio. Axel sprach die Hauptrolle im Ken Loach-Film „The Old Oak”, mit äußerster Präzision, Take für Take, Satz für Satz, im engen, feststehenden Rahmen des Films empfand er diesen Mann nach, gab ihm etwas von sich und blieb doch ganz der Vorlage treu. Dieses Spiel nur mit der Sprache hat mich sehr gefesselt und mir noch einmal einen anderen Axel Prahl gezeigt.

Axel Prahl: Ja, da hat der Knut ja auch eine kleine Rolle gesprochen, wobei er mir hinterher gestanden hat, dass er das gar nicht so einfach fand und er insbesondere dadurch feststellen konnte, wie schwierig diese Arbeit sein kann. Vor allem, wenn man keine Zeit hat und sich beeilen muss, denn Zeit ist ja Geld! Für mich waren die Kinoabende mit Knut die schönsten Momente. Wir hatten uns gemeinsam einige Filme rausgesucht und haben die dann zusammen geschaut. Das war mal für mich stellenweise auch sehr merkwürdig, diesen jungen Axel Prahl auf dem Bildschirm zu sehen, neben Knut zu sitzen und sich zu erinnern, wie das damals war, als wir diesen Film gedreht hatten. Zumal ich meine eigenen Filme nach der Premiere oder der ersten Ausstrahlung bisher nur selten ein weiteres Mal angeschaut habe.

Herr Prahl, wie stark haben Kindheit und Jugend an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste Ihre künstlerische Laufbahn und Identität geprägt?

Axel Prahl: Um Ihnen und allen anderen interessierten Menschen genau solche Fragen zu beantworten, haben wir dieses Buch verfasst! Hier finden Sie die Antworten für diese und viele weitere Fragen (lacht). Wir wollen ja jetzt nicht hier schon alles verraten. Dann hätte sich der arme Knut ja sonst die ganze mühevolle Arbeit sparen können, oder? Aber gut, so viel sei verraten, die Kindheit und Jugend spielt ebenso, wie die wunderschöne Ostseeküste und das Meer, eine sehr wichtige Rolle für meine künstlerische Laufbahn und vor allem für meine Identität.

„Musik ist die Sprache der Seele, für die es keine Worte braucht. (…) Musik hat die Fähigkeit, Menschen miteinander zu verbinden, sie zu unterhalten, sie unter Umständen tanzen zu lassen, Freude zu haben… Das ist etwas Wichtiges für jeden Menschen!”

Axel Prahl

Sie sind seit vielen Jahren auch als Musiker auf der Bühne unterwegs. Was bedeutet Ihnen die Musik und wie beeinflusst sie Ihre Arbeit als Schauspieler?

Axel Prahl: Musik ist die Sprache der Seele, für die es keine Worte braucht. Beziehungsweise sind Worte und Sprachen ja letztlich auch nichts anderes als Musik, was man immer besonders feststellt, wenn es um Dialekt geht. Musik hat die Fähigkeit, Menschen miteinander zu verbinden, sie zu unterhalten, sie unter Umständen tanzen zu lassen, Freude zu haben… Das ist etwas Wichtiges für jeden Menschen! Mit Musik geht alles leichter, Sie kennen diesen Spruch? Da ist etwas Wahres dran. Ich habe bereits im Kindesalter angefangen, Musik zu machen und ich erwähnte es ja bereits, dass mich die Kindheit und Jugend auch künstlerisch sehr geprägt hat. Dazu gehört übrigens auch die Malerei.

Herr Elstermann, gibt es Seiten an Axel Prahl, die selbst eingefleischte Fans überraschen werden?

Knut Elstermann: Sicher wird für eine jüngere Generation von Zuschauerinnen und Zuschauern der Tatort-Kommissar Thiel prägend für das Bild von Axel Prahl sein. Das ist auch völlig richtig, er ist eine liebenswerte, vertraute und sehr populäre Figur. Im Buch beleuchten wir das Erfolgsrezept dieses ungemein erfolgreichen Ermittlers. Aber es geht eben auch um die anderen künstlerischen Seiten des Axel Prahl, um seine Zusammenarbeit mit Andreas Dresen, mit dem Axel als glänzender Improvisationskünstler Filmgeschichte geschrieben hat, um seine langjährigen Theatererfahrungen, um andere, wichtige Filmrollen und prägende, persönliche Erlebnisse. So entsteht hoffentlich ein komplexes Bild des Künstlers Axel Prahl, das den Kommissar natürlich einschließt, aber auch weit darüber hinausgeht.

Interview mit freundlicher Genehmigung von: Goldmann Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH.

Über die Autoren:

Axel Prahl wurde 1960 in Eutin geboren und studierte nach seiner Schulzeit im holsteinischen Neustadt zunächst Mathematik und Musik in Kiel. Seit 2002 ist Axel Prahl als Hauptkommissar Frank Thiel im Münsteraner Tatort zu sehen. Er erhielt für seine Arbeit in Kino und TV zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Silbernen Bär, den Grimme-Preis, die Goldene Kamera, den Bambi sowie den Bayerischen Filmpreis. Ende 2011 veröffentlichte Axel Prahl mit seiner Band „Das Inselorchester“ sein Debütalbum „Blick aufs Mehr“. Weitere Alben sind dazugekommen, immer mit eigenen Liedtexten.

Bild: © Tine Acke

Knut Elstermann, geboren 1960, studierte Journalistik in Leipzig und arbeitete als Redakteur bei verschiedenen DDR-Medien. Inzwischen ist er freier Moderator und Filmjournalist, vor allem für den MDR und den RBB (radioeins). Er verfasste Features für Fernsehen und Hörfunk sowie zahlreiche Bücher, u.a. Gerdas Schweigen. Die Geschichte einer Überlebenden, Dagmar Manzel Menschenskind. Eine Autobiographie in Gesprächen sowie Im Gespräch. Knut Elstermann befragt ostdeutsche Filmstars. Er lebt in Berlin.

Bild: © Tine Acke

“Was man liebt, braucht Zeit” ist der Titel des Buches und einer Veranstaltungsreihe des Schauspielers Axel Prahl und seines Freundes Knut Elstermann. Es ist eine (Auto)Biografie des beliebten Schauspielers, Musikers und Entertainers Axel Prahl mit zahlreichen persönlichen Anekdoten und intimen Einblicken in sein Leben. Es handelt sich um eine “Collage” aus Prahls Leben, die durch Lesungen aus dem Buch und unveröffentlichte Fotos ergänzt wird. 

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Buchcover: © GOLDMANN Verlag


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