Gemeinsam für eine bessere Welt

Warum “Es reicht nie” der ständige Begleiter ist.

Christin Prizelius | 11.05.2026 | Gastbeitrag von Vanessa Wüst | Anzeige | © Vanessa Wüst

„Es reicht einfach nie“ – dieser rastlose Gedanke ist für viele zum dauerhaften Hintergrundrauschen eines optimierten Alltags geworden. Wir hetzen von Ziel zu Ziel, nur um festzustellen, dass die Ziellinie sich mit jedem Schritt weiter nach hinten verschiebt. Mit ihrem Ansatz “Unlock You” lädt Vanessa Wüst in ihrem heutigen Gastbeitrag dazu ein, dieses mentale Hamsterrad zu stoppen und die fremden Erwartungen endlich hinter sich zu lassen. Es ist Zeit, die Kontrolle zurückzugewinnen und den Mut zu finden, die wichtigste Entscheidung zu treffen: DEIN LEBEN – DEINE REGELN.

Es ist der Abschluss eines Projektes. Alles läuft gut, das Ergebnis stimmt. Monate harte Arbeit haben sich ausgezahlt. Die Bestätigung folgt auf dem Fuße: „Wow, das war eine super Ausübung.”, „Respekt, das hätte ich nicht so hinbekommen.”, „Das war eine tolle Leistung.” Es wird warm im Körper, Freude steigt auf. Ein Gefühl von Zufriedenheit. Aber Moment mal: nach 30 Minuten ist alles verflogen. Stattdessen kommen auf einmal Zweifel, die alles in Frage stellen. Ein Druck, der nur so trieft vor „Das nächste Mal muss es schneller sein und mehr Details.” Gab es nicht noch vor 30 Minuten Lob von allen Seiten? Wie oft leisten wir und sind doch nicht zufrieden. Wie oft kommen diese zweifelnden Gedanken: „War das wirklich gut genug?” Ganz ehrlich: viel zu oft. Und dabei sind es genau diese Gedanken, die wir selber steuern. Alles findet in unserem Oberstübchen statt — unserem Gehirn. Und genau dieser Supercomputer, der im Schnitt 60.000 Gedanken täglich produziert, sorgt dafür, dass wir uns auf einmal wieder ganz klein machen. Verübeln können wir es ihm nicht, denn seine einzige Aufgabe ist es, unser Überleben zu sichern. Alles, was er denkt und was in Verhalten mündet, dient einzig und allein unserer Sicherheit. Er ist, was das angeht, noch in der Steinzeit hängen geblieben. Hier war genauso das oberste Gebot: ÜBERLEBEN. Nur begegnen wir jetzt keinem Säbelzahntiger mehr, der uns töten kann, sondern anderen Gefahren, die ihm gleichgesetzt werden.

Genau das ist nach dem Lob für das erfolgreiche Projekt passiert. Warum? Menschen, die darauf getrimmt wurden, zu leisten, unterliegen unbewusst dem Glauben, dass ihr Überleben in Gefahr ist, wenn sie weniger leisten. Oft ist dies auf die Vergangenheit zurückzuführen, wenn sie nur Beachtung von ihren Bezugspersonen bekommen haben, indem sie geleistet haben. Beispielsweise hat die Mutter gefragt, warum denn die Freundin eine bessere Note hatte, und sie nicht. Damit assoziiert das Gehirn nach einer Weile: „Nur wenn ich leiste, hat Mama mich lieb.” Und in der Sprache der Steinzeit bedeute das: wer geliebt wird, bleibt in der Herde und wird nicht von dem Säbelzahntiger gefressen. Die zweifelnden Gedanken nach den Lobeshymnen resultieren oft genau aufgrund dessen: Das Gehirn sucht automatisch nach Themen, die besser werden können, um weiter Leistung zu bringen. Der eigene Anspruch wird weiter nach oben geschraubt. Unterm Strich kann gesagt werden, dass der Anspruch an einen selber immer größer ist, als die Zufriedenheit mit einem selber. Die Folgen sind Gedanken wie oben beschrieben: Frust, Selbstzweifel und daraus wächst Druck und Hustle, die wiederum auf Dauer gesundheitliche Schäden verursachen.

„Ich machte mir selber all den Druck, all den Stress. Mit der Zeit schaffte ich vieles bewusster wahrzunehmen. Und genau das ist, was ich jedem rate. Werde Dir Deiner Gedanken bewusst und verstehe dich.”

Ich war in einem solchen Hustle, gepaart mit Druck, Zweifeln und Frust unterwegs. Ich wollte leisten, glänzen und Anerkennung. Ich war nie faul. Nie ambitionslos. Aber ich war nie zufrieden. Und genau deshalb war ich 24/7 erreichbar und habe ganz automatisch die Verantwortung für alles und jeden übernommen. Viele waren dankbar, dass ich einiges abgenommen habe und sie auf sich auf mich verlassen konnten. Das hat mir wiederum das Gefühl gegeben, dass ich wichtig und etwas wert bin. Eine Folge war jedoch, dass meine To-Do Liste endlos war und ich dadurch immer das Gefühl hatte, nichts zu schaffen. Alles war wie ein Teufelskreis. Täglich nagte dieses Gefühl an mir: Du hast immer noch nicht genug gemacht. Je länger ich in diese Situation rutschte, desto häufiger weinte ich auf der Toilette, desto schlechter wurde meine Konzentration und desto mehr lies ich zu Hause den Frust raus. Hinzu kam das immer schlechtere Einschlafen, was bis zu zwei Stunden dauerte. Ich hatte so viele Gedanken im Kopf: „Was, wenn das morgen nicht klappt.” „Heute hättest du noch die anderen Aufgaben annehmen müssen. Jetzt denken alle, dass du nichts kannst und ersetzen dich.” Ich wusste, dass sich etwas ändern musste, nur nicht was und wie. Also fing ich mit Coaching an. Was mich erwartet, wusste ich nicht. Schon nach kurzer Zeit merkte ich durch Gespräche, Fragestellungen und Aufgaben, dass ich mich so stark über Leistung und Anerkennung definierte. Ich machte mir selber all den Druck, all den Stress. Mit der Zeit schaffte ich vieles bewusster wahrzunehmen. Und genau das ist, was ich jedem rate. Werde dir deiner Gedanken bewusst und verstehe dich. Fang an, dich mental selber zu führen. Genau dann fängt Veränderung an und zwar so, dass man weiter leistet, aber ohne all den Druck, ohne Unzufriedenheit und ohne um genug zu sein.

„Ganz ehrlich: niemand erreicht den Moment, dass es endlich genug ist, solange das Streben nach Anerkennung durch Leistung in einem wohnt. Wir sind nicht verantwortlich für unsere Prägung. Aber wir sind verantwortlich dafür, was wir daraus machen…”

Für dieses Bewusstsein möchte ich eine Übung mitgeben. Ich nenne sie die RRO Methode: Reiz-Raum-Orientierung. Sie ist überall anwendbar. Liegt eine Situation mit Stress, Druck, Zweifeln o.ä. vor, gilt es, den Reiz bewusst wahrzunehmen, bspw. durch Beschreiben. Alles beginnt mit Bewusstsein. Dann startet der Raum für eine Mini-Unterbrechung, um sich von diesem Moment des Reizes abzugrenzen. Dazu zählen bspw. eine Minute aus dem Fenster schauen, 0,5 Minuten hüpfen oder zehn Minuten spazieren gehen, ohne externe Einflüsse wie Podcast, Menschen, Musik. Am Ende erfolgt die Orientierung, indem es wieder möglich wird, klar eine Lösung oder einen Umgang in der Situation zu definieren.

Machen wir es einmal praktisch. Ich habe das Projekt erfolgreich abgeschlossen und viel Lob und Anerkennung dafür bekommen. Jetzt merke ich, wie sich dieses ungute Gefühl breit macht: zuerst im Bauch, dann pocht es in meinem Brustkorb. Die Zweifel sind da. Das ist mein Reiz, den ich bewusst wahrnehme. Jetzt gebe ich mir Raum, indem ich mich strecke, aufstehe und zum Fenster gehe, um eine Minute Vögel zu beobachten. Ich merke dabei, wie der Reiz deutlich nachlässt und ich wieder klarer denken kann. Genau dann starte ich mit meiner Orientierung und frage mich „warum sollten mich alle anlügen?”. Der kühle Kopf am Ende der Methode ermöglicht es, logische Handlungen in Gang zu setzen, anstatt sich unbewusst fertig zu machen. Je öfter man sich fertig macht und an sich zweifelt, desto mehr tritt das Gefühl ein, nicht genug zu sein. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass uns unser Gehirn schützen will – nicht antreiben. Ganz ehrlich: niemand erreicht den Moment, dass es endlich genug ist, solange das Streben nach Anerkennung durch Leistung in einem wohnt. Wir sind nicht verantwortlich für unsere Prägung. Aber wir sind verantwortlich dafür, was wir daraus machen…

Vanessa Wüst ist eine Frau, die es liebt, das Leben zu genießen. Sie ist Coach für mentale Selbstführung und begleitet ihre Kunden in ihren Themen durch das Verstehen und Umprogrammieren ihrer eigenen Gedanken. Sie sagt: „Oft ahnen wir nicht, dass wir uns selber so stark im Weg stehen. Jeder hat den Schlüssel für ein glückliches Leben in sich.“

Mehr dazu HIER:

www.vanessa-wuest.com

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Bild: © Vanessa Wüst


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