Gemeinsam für eine bessere Welt

Für ein besseres Miteinander im Team.

Christin Prizelius | 18.05.2026 | Gastbeitrag von Martina Kohrn | Anzeige | © Martina Kohrn

Konflikte im Team kosten Zeit, Geld und Nerven. Viel zu oft werden Spannungen unter den Teppich gekehrt, bis sie die gesamte Zusammenarbeit blockieren. Aber wie bricht man diesen Kreislauf aus Vorwürfen und Missverständnissen auf? Martina Kohrn widmet sich in ihrem Gastbeitrag der Kunst der Konfliktlösung. Sie beleuchtet, warum Harmonie nicht immer das Ziel sein muss, und liefert konkrete Impulse, wie Teams durch klare Kommunikation und gegenseitiges Verständnis wieder zu einer Einheit zusammenwachsen.

Laut einer Studie verbringen Führungskräfte etwa 30 bis 50 Prozent ihrer Arbeitszeit direkt oder indirekt mit Konflikten und Konfliktfolgen. Und trotzdem passiert etwas merkwürdiges: Wenn Konflikte auftauchen, denken viele Menschen “puh, das ist doch total unnötig, ich würde doch gerne einfach nur meinen Job hier machen.” Ich verstehe diese Reaktion. Konflikte fühlen sich häufig wirklich erst einmal an wie Störungen. Dabei sind sie — genau hingeschaut — das Gegenteil.

Konflikte sind Entwicklung

Klar, wenn zwei Menschen unterschiedliche Meinungen haben, zu einem Thema, das für den Prozess notwendig ist, dann wird es erst mal anstrengend. Wenn Rollen unklar sind oder Entscheidungen getroffen werden, denen nicht alle zustimmen, dann kann es auch mal unbequem werden. Den dann kann es passieren, dass die Atmosphäre angespannt ist. Das Menschen nicht mehr miteinander reden. Das mit dem Finger aufeinander gezeigt wird. Und sicherlich: das kostet allen Beteiligten auch einiges an Energie. Aber hier ist der Knackpunkt: Teams, die genau diese Situationen früh und konstruktiv ansprechen und bearbeiten, arbeiten wesentlich besser zusammen. Das klingt paradox, ist aber so. Denn wenn ihr Missverständnisse sofort klärt, statt sie unter den Teppich zu kehren, dann werden Rollen eindeutiger, Entscheidungen klarer und die Zusammenarbeit verbessert sich. Das Gegenteil passiert, wenn ihr Spannungen ignoriert: Sie wachsen im Hintergrund weiter, binden immer mehr Zeit, Energie und Aufmerksamkeit – und am Ende habt ihr ein viel größeres Problem.

„Aus Konflikten und Krisen entstehen Wachstum, Lösungen und neue Perspektiven. Wenn ihr einen Konflikt wirklich durcharbeitet, lernt ihr etwas über die anderen, über euch selbst und über eure Zusammenarbeit.”

Warum Konflikte echte positive Aspekte haben

Hört auf, Konflikte als Störung zu sehen. Sie sind ein Zeichen dafür, dass irgendetwas los ist. Und das ist gut so. Das häufigste Szenario: wie oben beschrieben, gibt es Missverständnisse, Rollen sind unklar, Ziele werden unterschiedlich verstanden. Das ist völlig normal. Genauso normal ist, dass nicht alle mit jeder Entscheidung einverstanden sind. Wir können hier auch noch einmal einen Blick auf die Teamentwicklung werfen. Es gibt ein Modell, das zeigt, wie Teams wachsen. Vielleicht kennst du die Teamentwicklungsuhr nach Tuckmann. Auf der zweiten Stufe der Teamentwicklung passiert genau das: Um zu besserer Abstimmung zu kommen und besser zusammenzuarbeiten, entstehen Konflikte. Das ist kein Zeichen von Versagen, das ist ein Zeichen dafür, dass das Team sich entwickelt. Und noch wichtiger: Aus Konflikten und Krisen entstehen Wachstum, Lösungen und neue Perspektiven. Wenn ihr einen Konflikt wirklich durcharbeitet, lernt ihr etwas über die anderen, über euch selbst und über eure Zusammenarbeit.

Wie Konflikte entstehen – und warum sie so unterschiedlich aussehen

Es gibt verschiedene Arten, wie Konflikte entstehen. Die klassischen:

  • Missverständnisse: Jemand versteht etwas anders als gemeint. Hört sich leicht klärend an, aber ist weit verbreitet.
  • Unklare Rollen: Wer ist für was verantwortlich? Wenn das unklar ist, reibt ihr euch schnell.
  • Unterschiedliche Ziele: Das Team will Qualität, die andere Abteilung will Geschwindigkeit. Zack – Konflikt.

Das sind nur ein paar Beispiele. Die Palette ist breiter. Aber das Grundmuster ist immer gleich: Es gibt unterschiedliche Erwartungen, Verständigungen oder Prioritäten. Und diese Unterschiede werden nicht angesprochen, sondern rumoren im Hintergrund.

Wie moderiere ich Konflikte, ohne sie zu ersticken?

Okay, jetzt wird’s praktisch. Wenn ihr merkt, dass ein Konflikt brodelt, braucht ihr eine Struktur. Sonst wird’s schnell chaotisch oder emotionsbetont. Ein bewährter Ansatz ist die SOLVE-Methode. SOLVE ist ein einfaches Gerüst, um Konflikte in fünf Schritten zu bearbeiten. Nicht zu schnell durchlaufen, sondern wirklich jeden Schritt nehmen.

S – Situation kennen: Spielregeln vereinbaren (wie kommunizieren wir?), Konflikt konkret benennen, in Ich-Botschaften sprechen statt Vorwürfe zu machen. Eine Stolperfalle in diesem Schritt: Nicht alle kommen zu Wort.

O – Offenheit schaffen: Sicherer Raum schaffen (ungestört, ohne Zeitdruck), aktiv zuhören, Gefühle zulassen, Transparenz leben. Stolperfalle: diese Phase wird zu schnell übersprugen.

L – Lösungen entwickeln: Frage stellen: “Was können wir tun?” statt “Warum ist das passiert?” Brainstorming ohne Bewertung, Ideen visualisieren, dann priorisieren. Stolperfalle: Zu lange bei Problemen hängen bleiben und Lösungen bewerten.

V – Vertrauen stärken: Vereinbarungen dokumentieren und einhalten, regelmäßige Check-ins, kleine Erfolge feiern, Zuverlässigkeit zeigen. Stolperfalle: Wenn Versprechen nicht gehalten werden, bricht Vertrauen sofort zusammen.

E – Ergebnisse sichern: Klarer Aktionsplan (wer macht was, wann?), realistische Fristen setzen, Ressourcen klären, regelmäßig nachverfolgen. Stolperfalle: Unklare Verantwortlichkeiten führen zu Stillstand.

Das Wichtigste bei SOLVE: Ihr arbeitet euch von außen nach innen vor. Situation → Offenheit → Lösungen → Vertrauen → Ergebnisse. Nicht springen, nicht abkürzen. Jeder Schritt braucht Zeit und Aufmerksamkeit.

Die klassischen Fallen – und warum sie so verlockend sind

Hier ist das Problem: ich erlebe immer wieder, dass insbesondere diese drei Punkte herausfordernd sind, wenn Menschen Konflikte moderieren..

Erste Falle: Zu schnell zur Lösung kommen

Ihr wollt das Ding gelöst haben. Jetzt. Sofort. Das ist menschlich. Aber wenn ihr zu früh bei Lösungen landet, ohne dass die Gefühle und Bedürfnisse wirklich herausgearbeitet worden sind, habt ihr meist die echten Probleme nicht verstanden. Resultat: Die Lösung sitzt nicht, und der Konflikt flackert später wieder auf.

Zweite Falle: Das Gefühl haben, ich muss es doch hinbekommen

Du moderierst. Und die ersten Schritte liefen schon super. Doch innerlich laufen bei dir viele Gedanken ab: “Hoffentlich bekommen wir eine Lösung hin.” Du fühlst dich alleine dafür verantwortlich, was das Ergebnis der Konfliktmoderation ist. Dabei sitzen mehrere Menschen am Tisch.

Dritte Falle: Vorher schon eine Lösung im Kopf haben

Du sitzt im Gespräch und merkst: Ich hab das doch schon entschieden. Ich suche hier nur noch nach Bestätigung. Das ist natürlich kontraproduktiv für eine echte Moderation. Die andere Seite merkt das sofort.

Teams wachsen an Konflikten – nicht trotz ihnen

Das ist das, was ich immer wieder sehe: Teams, die ihre Konflikte bearbeiten, werden stärker. Sie verstehen sich besser, sie vertrauen sich mehr, und sie arbeiten effektiver zusammen.

Dein Teamstatus-Check – Wo steht euer Team wirklich?

Das ist die wichtigste Frage: Wie steht es um dein Team gerade? Ein ehrlicher Blick verrät dir viel:

  • Was läuft gerade bei Euch gut und welche Erfolge feiert Ihr?
  • Werden Konflikte angesprochen oder unter den Teppich gekehrt?
  • Sind die Rollen klar – oder verschwommen?
  • Tragen alle die letzten Entscheidungen mit oder brodelt es im Hintergrund?
  • Wie ist die Kommunikation: offen oder angespannt?
  • Vertraut sich das Team oder gibt es verhärtete Fronten?

Das ist zum Verstehen, wo ihr gerade steht und was der nächste Schritt ist. Denn echtes Miteinander entsteht nicht dadurch, dass alles reibungslos läuft – sondern dadurch, dass man die Reibung nicht ignoriert.


In 30 Minuten zu mehr Klarheit mit Martina Kohrn:
Lass uns gemeinsam sortieren


Egal ob Führungskraft, Trainer oder Coach: Wenn es im Team brodelt und die Orientierung fehlt, brauchst du einen klaren Blick von außen und einen konkreten Plan. In meinem 30-Minuten Teamstatus-Check gehen wir den Dingen auf den Grund:

Wo liegen die versteckten Spannungen?
Welche Rollen sind unklar verteilt?
Welche Entscheidungen blockieren die Zusammenarbeit?

Ich stelle die Fragen, die im Alltag oft unausgesprochen bleiben. Das Ergebnis ist keine langwierige Analyse, sondern eine messerscharfe Standortbestimmung. 

Nach 30 Minuten weißt du genau, wo ihr steht und was der nächste logische Schritt ist.


Als Konflikt- und Resilienztrainerin unterstützt Martina Kohrn soziale Einrichtungen, Unternehmen und Kommunen dabei, aus Reibung neue Energie zu gewinnen. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Arbeit mit Gruppen und Teams weiß sie: Konflikte gehören zum Miteinander dazu – und sie sind Wachstum. Martina zeigt Wege auf, wie Teams Spannungen nicht nur aushalten, sondern aktiv für ihre Entwicklung nutzen.

Mehr zu Martina Kohrn HIER:

Web: www.martinakohrn.com
YouTube: @martinakohrn
Termin: Sichere dir 30 Minuten Klarheit

Bild: © Martina Kohrn


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