Pirmin Loetscher hätte nie gedacht, dass ihn ein körperlicher Zusammenbruch zu etwas zurückführen würde, das tief in ihm verankert war, aber über Jahre keinen Platz mehr in seinem Leben gefunden hatte. Damals, mitten in einem vollen Leben mit Verantwortung, Terminen, Ansprüchen und Leistungsdruck, hat sein Körper plötzlich gesagt: Stopp. Nicht mehr weiter so. Die Diagnose lautete Pfeiffersches Drüsenfieber. Er hatte Fieberschübe, fühlte sich schwach, konnte sich kaum noch konzentrieren und brauchte täglich mehr als zwölf Stunden Schlaf, um überhaupt durch den Tag zu kommen. Uns nimmt er heute mit zu mehr Achtsamkeit ohne Extrazeit und wirft in diesem Gastbeitrag einen neuen Blick auf etwas, das immer schon da war…
Es war der Beginn eines langen Prozesses. An ein normales Leben, wie ich es bisher kannte, war nicht mehr zu denken. Über zwei Jahre war ich kaum mehr leistungsfähig. Ich fühlte mich leer und erschöpft, hatte keine Energie. Panikattacken und Todesängste, ständiges Herzrasen und Schlafprobleme prägten meinen Alltag. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, war überreizt und völlig aus dem Gleichgewicht. Es war, als wäre der Stecker gezogen. Ich hatte das Gefühl, mich selbst zu verlieren – meine Kraft, meine Klarheit, meine Verbindung zu mir selbst. Mit Blick auf die äußeren Umstände glaubte ich anfänglich, mein Leben komplett verändern zu müssen, um wieder gesund zu werden. Ich dachte, ich müsste alles neu ordnen, die richtigen Tools finden, endlich einen Plan haben. Doch mit der Zeit wurde mir klar: Ich muss nicht das Außen neu sortieren. Ich darf die Verbindung zu meinem Innen wiederfinden – still, ehrlich und achtsam. Das war der Wendepunkt.
„In dieser langsamen, ehrlichen und nicht immer leichten Zeit habe ich gespürt, dass Achtsamkeit kein neues Konzept ist, kein Trend und kein spiritueller Ausnahmezustand. Sie ist etwas, das in uns liegt – nichts, das man wie eine neue Sprache erlernen muss.”
In dieser langsamen, ehrlichen und nicht immer leichten Zeit habe ich gespürt, dass Achtsamkeit kein neues Konzept ist, kein Trend und kein spiritueller Ausnahmezustand. Sie ist etwas, das in uns liegt – nichts, das man wie eine neue Sprache erlernen muss. Achtsamkeit war immer schon da. Als Kind hatte ich diese Verbindung ganz natürlich, wenn ich mich im Spiel verlor, stundenlang einer Ameise zuschaute oder mit allen Sinnen in der Gegenwart lebte. Später wurde diese Fähigkeit überlagert – von Tempo, Erwartungen, Reizen, Routinen. Aber sie war nie ganz weg. Nur verschüttet. Nicht verschwunden, sondern leiser geworden. Heute weiss ich: Achtsamkeit beginnt nicht auf dem Meditationskissen. Sie beginnt im Moment. Wenn ich mich beim Warten an der Ampel nicht zum Handy flüchte, sondern den Himmel betrachte. Wenn ich mich beim Zähneputzen nicht von Gedanken überrollen lasse, sondern das Wasser auf der Haut spüre. Wenn ich bewusst atme, anstatt mich vom Stress der To-do-Liste treiben zu lassen. Achtsamkeit ist kein Extra. Kein zusätzlicher Termin. Keine weitere Pflicht. Sie ist ein Zurückkehren – zu mir. Zu dem, was ohnehin geschieht. Sie ist zu einem Anker geworden. Nicht, weil ich immer achtsam bin, sondern weil ich gelernt habe, immer wieder zu ihr zurückzufinden.
Viele Menschen in meinem Umfeld glauben auch, sie müssten sich erst freimachen, um achtsam zu sein – sich von allem lösen, meditieren, spezielle Übungen erlernen oder ein paar Wochen aussteigen. Diese Vorstellung ist verständlich. So wird Achtsamkeit oft vermittelt. Und ja, solche Formen können hilfreich sein. Aber Achtsamkeit braucht keine Abgeschiedenheit, kein Yogaretreat, keine Perfektion. Sie beginnt genau dort, wo du jetzt bist. Mitten im Alltag. Mitten im Lärm. Mitten im Leben. Du musst dein Leben also nicht umkrempeln, um achtsamer zu werden. Im Gegenteil. Achtsamkeit zeigt uns, dass gerade die kleinen, scheinbar unbedeutenden Momente eine große Wirkung haben können. Genau darum geht es auch in meinem neuen Buch „Achtsam im Alltag”.
„Auch im Bereich der Achtsamkeit gilt: Ein kleiner Impuls kann mehr verändern als zehn große Vorsätze.”
Es ist eine Einladung, mitten im Gewohnten neue Präsenz zu entdecken – mit Mini-Momenten, die eine Maxi-Wirkung entfalten. Vielleicht hast du schon vom Pareto-Prinzip gehört: Mit zwanzig Prozent Aufwand lassen sich achtzig Prozent Wirkung erzielen. Auch im Bereich der Achtsamkeit gilt: Ein kleiner Impuls kann mehr verändern als zehn große Vorsätze. Du musst also nicht dein komplettes Leben umstellen, sondern darfst anfangen mit:
• einem tiefen Atemzug, bevor du deine erste E‑Mail öffnest
• einer bewussten Tasse Kaffee, die du mit beiden Händen hältst
• dem Entschluss, beim Warten an der Kasse nicht aufs Handy zu schauen, sondern den Moment auszuhalten
• der bewussten Entscheidung, eine Pause zu machen, bevor du wieder funktionierst
In deinem Alltag findest du dutzende solcher Impulse, inspiriert von echten Situationen, die wir alle kennen: Stress am Morgen, Reizüberflutung durch digitale Medien, ständiges Vergleichen mit anderen, das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Das Ziel ist nicht, perfekt zu werden, sondern präsenter. Achtsamkeit bedeutet auch, sanft mit dir selbst zu sein. Zu erkennen, dass Rückfälle dazugehören. Dass du nicht versagt hast, wenn du dich wieder im Autopiloten verlierst. Es bedeutet, dir selbst zu vergeben, geduldig zu sein und immer wieder neu zu beginnen – ohne Druck, ohne Selbstoptimierungswahn. Und es bedeutet, die Verantwortung für dein Leben wieder zurückzuholen. Dich nicht länger vom Tempo der Welt hetzen zu lassen, sondern deinen eigenen Rhythmus zu finden. Nicht die ganze Welt musst du verändern, nur deine Art, ihr zu begegnen. Es geht nicht darum, wie viel du tust, sondern wie bewusst du es tust. Denn Achtsamkeit ist kein Ziel. Sie ist ein Weg. Eine Haltung. Ein liebevolles Zurückkehren zu dir selbst. Und das Beste daran: Du brauchst keine Extrazeit. Du brauchst nur die Entscheidung, dir selbst wieder zu begegnen. In der Kaffeepause. Beim Zähneputzen. In der Schlange vor der Kasse. Mini-Momente. Maxi-Wirkung.
Ich wünsche dir viele dieser kleinen, stillen Momente – mitten im Leben. Dein Pirmin

Achtsam im Alltag: 3 einfache Schritte zu weniger Stress und mehr Gelassenheit ist das neue Buch von Pirmin Loetscher. Der Schweizer Bestsellerautor zeigt dir darin, wie du in nur 3 einfachen Schritten Stress nachhaltig abbaust und frische Energie tankst. Mit klaren Impulsen aus der Achtsamkeitslehre lernst du, bewusster zu leben, Beziehungen zu vertiefen und deinen Alltag wieder selbstbestimmt und erfüllt zu gestalten – ohne zusätzlichen Zeitaufwand oder spirituelle Konzepte. (*Unbezahlte Werbung, aber der Link zum Buch ist ein Affiliate Link.)
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Buchcover: © Remote Verlag
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Pirmin Loetscher wurde in Luzern geboren, studierte Kulturmanagement und arbeitete viele Jahre als selbstständiger Kultur- und Eventmanager für internationale Musik- und Sportprojekte. Im Jahr 2002 führte ihn eine längere Krankheit zum Autogen- und Mentaltraining. Nach diversen Ausbildungen in diesem Bereich ist er mittlerweile als Achtsamkeitstrainer sowie Life- und Businesscoach tätig und dazu mehrere Bestseller geschrieben. 2014 gründete der Luzerner die Firma LIV – Life Inspired Values GmbH. LIV inspiriert und begleitet Menschen sowie Unternehmen, achtsam und bewusst zu handeln – für mehr Resilienz und Gelassenheit im Alltag. Zudem ist Pirmin Loetscher als Dozent für Achtsamkeit und Mentales Training an der Schweizerischen Hotelfachschule Luzern tätig.
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Bild: © Pirmin Loetscher







