Dana Schweigers Weg zu mehr Gelassenheit…

Christin Prizelius | 17.05.24 | Interview mit Dana Schweiger | © Jonas Mohr

Sehr offen, persönlich und sympathisch gab Dana Schweiger “Pure & Positive” ein Interview, das sicher vielen gute Impulse für ein Leben mit den Herausforderungen und im Spagat rund um Privatleben, Beruf, Alltag, Kindern und Familie gibt. Mit uns spricht sie über die Veröffentlichung ihrer Autobiografie, was sie zufrieden macht, worüber sie lachen kann, was ihr wichtig ist und sich in ihrem Leben, unter anderem nach der Trennung von Til Schweiger, alles verändert hat. Die vierfache Mutter schaut auf viele erfolgreiche Jahre als Model, Unternehmerin und Moderatorin zurück. Inzwischen lebt sie wieder in den USA.

Sie sagen, Sie kennen sich jetzt besser denn je und sind auch zufriedener als je zuvor. Woran liegt das? Was hat sich alles geändert? Wie haben Sie die Zeit damals erlebt?

Vor allem würde ich sagen, dass ich mich mit mir selbst abgefunden habe. Ich habe schnell gelernt, dass man die Vergangenheit nicht ändern kann und nur dann sein Glück findet, wenn man positiv auf sein Schicksal reagiert und damit umgeht. Wenn man das irgendwie hinbekommt, kann man seine Zukunft bewusst in eine positive Richtung steuern. Wenn man mittendrin steckt, kommt einem das häufig gar nicht so aufregend und besonders vor, aber das Leben ist einfach ein Lernprozess. Ich bin sehr froh über meine Familie und mein Leben. Die Scheidung von Til war damals allerdings schon ein richtiger Tiefpunkt für mich. Vor allem weil ich mit vier Kindern unter neun Jahren ziemlich alleine in Deutschland war und mit der Sprache Probleme hatte.

“Wenn man das Gefühl hat, hier vor allem für Frauen und Kinder etwas Gutes tun zu können, gibt das sehr viel Kraft, die man in seinem eigenen Leben vielleicht gerade nicht hat. So kann man in dem Schicksal von anderen Menschen etwas positiv bewegen.”

Ich hatte keinen großen Freundeskreis und auch meine Familie war nicht hier. Da habe ich mich schon sehr einsam gefühlt und mich deshalb auf meine Kinder konzentriert. Aber auch auf unser Unternehmen „Bellybutton“. Trotzdem fühlte ich mich noch immer etwas verloren und wusste nicht, wie ich Fuß fassen kann. Man braucht schließlich nicht nur die Familie sondern auch etwas für sich selbst. Als ich dann gefragt wurde bei der Stiftung „Findelbaby“ mitzumachen, habe ich gleich zugesagt. Es hat mich emotional sehr berührt, etwas für andere Frauen tun und positiv steuern zu können. Wenn man das Gefühl hat, hier vor allem für Frauen und Kinder etwas Gutes tun zu können, gibt das sehr viel Kraft, die man in seinem eigenen Leben vielleicht gerade nicht hat. So kann man in dem Schicksal von anderen Menschen etwas positiv bewegen. Das hat mir sehr geholfen und mir einen Sinn gegeben. 

“Dadurch mache ich im Grunde eine Liebeserklärung an das Leben.”

Ihr sehr schönes und humorvolles Buch heißt „Im Herzen barfuß — Das Leben, die Liebe, meine Familie und ich“. Wie kam es zu diesem Titel und was teilen Sie darin mit uns?

Zu dem Titel des Buches kam es aus verschiedenen Gründen. Zunächst einmal, weil unser erster Familiensitz in Malibu/Kalifornien war und die Kinder sich barfuß einfach toll austoben konnten. Strand und Sonne in unmittelbarer Nähe machten das möglich. Aber auch in der Kita waren sie schnell draußen und barfuß am Strand unterwegs. Und dann hat mich Til mal zu meinem Geburtstag in ein Hotel nach Mexico eingeladen, wo er parallel an seinem Drehbuch gearbeitet hat. Da sind wir auch alle barfuß gelaufen. Dabei ist er auf einen Skorpion getreten und schreiend aus dem Bungalow gerannt. Das ist natürlich in Erinnerung geblieben. Und da wir gerade für die Produktionsfirma einen Namen gebraucht haben, passte das ebenfalls gut. Also hat barfuß zu laufen einfach einen großen Teil in unserem Leben ausgemacht. Außerdem hat er sein Restaurant „Barefoot Deli“ sowie seine Living Lifestyle Company „Barefoot Living“ genannt. In dem Buch geht es um meine Kindheit und Jugend in Amerika sowie meine Modelzeit, meine Ehe mit Til, die Zeit als Unternehmerin und Mutter. Dadurch mache ich im Grunde eine Liebeserklärung an das Leben.

 

Bild: © Jonas Mohr

In Ihrem Buch erzählen Sie auch über eine Gelassenheit, die Sie selbst erst lernen mussten, die sie aber jeder Frau nur empfehlen können. Wie haben Sie zu dieser Gelassenheit gefunden? Welchen Tipp haben Sie für andere?

Wenn man eine Mutter ist, möchte man immer alles perfekt haben. Das kennen bestimmt viele. Du möchtest stets das Beste für deine Kinder und dass sie immer glücklich sind. Dass das Haus aufgeräumt und einfach alles rund ist. Dass sie sich in ihren Zimmern wohlfühlen sowie beim Abendessen oder wenn sie nach der Schule nach Hause kommen. Außerdem will man, dass jeder Termin perfekt organisiert ist, wie beispielsweise Arzttermine oder Klassenfahrten. Aber es wichtig zu akzeptieren, dass das unmöglich ist und man sich selber auch nicht so ernst nehmen darf. Und wenn Dinge mal nicht klappen, sie auch fallen zu lassen. Es ist okay, dass ich nicht perfekt bin! Man muss immer nach vorne schauen, denn das Leben geht immer weiter, und dabei die Frage stellen, was als Nächstes kommt. Ich erinnere es noch sehr gut, wie es war, mit vier kleinen Kindern alleine dazustehen. Da versucht man nur gut durch den Tag zu kommen. Manche Tage sind perfekt und an anderen hat man nur Steine im Weg. Hier hilft es, einen Plan zu haben, sich Prioritäten zu setzen und das alles schrittweise durchzuarbeiten. Und natürlich auch den Job nicht zu vergessen, weil man nun mal Geld verdienen muss.    

Ich schaue gezielter, mit wem ich meine Zeit verbringe und was ich mache.

Ein Kapitel heißt außerdem „EIN PUZZLE NAMENS LEBEN“ und darin sprechen Sie von etwas wie einer Philosophie. „Jeden Tag, eigentlich jede Minute, kann ein neues Stück hinzukommen, sei es, wenn etwas Schönes, Lustiges, Liebevolles, aber auch Trauriges, Schreckliches, Prägendes passiert. Momente, die dich zu dem Menschen werden lassen, der du heute bist. Was macht Ihr Lebenspuzzle heute aus? Was schätzen Sie sehr?  

Meine Familie, meine Eltern und meine Schwester sind mir sehr wichtig. Als ich noch in Deutschland gelebt habe, waren sie so weit weg. Inzwischen sind das nur noch zweieinhalb Flugstunden. Die Zeit mit ihnen ist einfach sehr wertvoll. Aber auch Freundschaften schätze ich sehr. Vor einigen Jahren war man noch so daran orientiert, was heute und morgen ist. Inzwischen realisiert man, wie die Zeit läuft und genießt bestimmte Dinge einfach mehr. Ich schaue gezielter, mit wem ich meine Zeit verbringe und was ich mache.

Sie sprechen in Ihrem Buch außerdem sehr offen über Figur, Kleidergröße, Diäten, Essensgewohnheiten und die fehlende Lust am Sport und machen damit auch anderen Frauen Mut. Warum denken Sie, machen wir es uns oft so schwer und gehen nicht offener und entspannter damit um?

Ich glaube wir machen uns da schon ein bisschen Stress, weil wir einfach wissen, wie gut es sich anfühlt, wenn man körperlich fit ist und seinen Körper beherrschen kann. Das kennen bestimmt viele noch aus der Jugend oder Teenagerzeit (lacht). Und der Mut tut dann schon gut, wieder neu damit anzufangen und den ersten Schritt zu machen. In Malibu habe ich mir allerdings länger schon vorgenommen, ins Fitnessstudio zu gehen. Dann überlegt man aber, wann man das zeitlich überhaupt schafft und welches Outfit man aussucht, weil nichts mehr passt und alles viel zu klein ist (lacht). Und wenn man sich schon mal aufrafft, zum Sport geht und nach der Einweisung wie ein Würstchen in seinen Sportklamotten da steht und alleine gelassen wird, fragt man eigentlich nur nach der Kaffeemaschine (lacht). Man erwartet doch eigentlich, dass man begleitet wird und nicht einfach nur eine App runterladen muss. Natürlich gibt es auch andere Kurse wie beispielsweise Yoga,  aber auch da gibt es diese Mädels, die alle wie Balletttänzerinnen aussehen. Das ist alles schon nicht so einfach (lacht).  

Bild: © Privat, Interview Dana Schweiger, Christin Prizelius in Hamburg

Sie engagieren sich außerdem sehr für Projekte, die Ihnen am Herzen liegen, wie Dunkelziffer, SOS-Kinderdorf oder das Projekt Findelbaby. Nach dem großen Brand 2018 haben Sie sogar Ihr Haus in Malibu vermietet, Spenden gesammelt oder streben eine neue Bewegung gegen Waffengesetze an. Was würden sie in dieser Welt wirklich nachhaltig verändern wollen, wenn Sie könnten? Welche Rolle spielt das Thema Menschlichkeit für Sie?

Zunächst würde ich zur Nachhaltigkeit sagen: Plastik weg! Die Ölverschmutzung und das Plastik sind zwei wirklich große und wesentliche Probleme. Viele unserer konsumierten Produkte gehen zurück in den Kreislauf und verschmutzen die Erde und das Wasser. Das würde ich angehen. Und in Amerika müssten definitiv die Waffen abgeschafft werden. Menschlichkeit allgemein zu zeigen ist natürlich sehr wichtig, überhaupt für alles Lebendige wie Erde, Tiere und Menschen.

Was tun Sie, um sich richtig wohlzufühlen?

Schlafen! (lacht). Ich trinke kaum Alkohol und rauche auch nicht. Für mich ist es wirklich wichtig, viel zu schlafen und auch mal zwischendurch ein Nickerchen zu machen.

Dana Schweiger ist gebürtige US-Amerikanerin, Mutter von vier Kindern sowie erfolgreiche Unternehmerin, Autorin und sozial engagiert. Sie arbeitete außerdem als Model und wurde Mitgründerin des Mode- und Kosmetiklabels »bellybutton«. Heute sagt sie von sich selbst, “kenne sie sich besser denn je und ist auch zufriedener als je zuvor”.

Ihr Buch “Im Herzen barfuß” ist sehr frisch und humorvoll geschrieben und enthält viele Tipps, wie wir alle mal einen Gang zurückschrauben und ein bewussteres Leben führen können.

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Und mehr zu ihrem Buch HIER.

Bild: © Buch erschienen im EDEL Books Verlag

Das ganze Interview wurde in einer vorherigen Ausgabe des Magazins “Pure & Positive” veröffentlicht.


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