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Peter Maffays Bild von einer besseren Zukunft.

Christin Prizelius | 28.06.24 | Interview mit Peter Maffay zu seinem Buch | © Wolfgang Köhler, Hamburg

Schon als Kind war Peter Maffay fasziniert vom Leben auf dem Land und verbrachte seine Ferien gerne bei Verwandten auf einem Bauernhof. Vor einigen Jahren erwarb der Musiker das Gut Dietlhofen, einen Bio-Bauernhof in Oberbayern. Als Beispiel für ein “Bild für eine bessere Zukunft” möchten wir an dieser Stelle nochmal sein Buch vorstellen, in dessen Mittelpunkt der Hof steht.

Das Buch „Hier und Jetzt – Mein Bild von einer besseren Zukunft“ handelt aber nicht nur von Landwirtschaft, gesunder Ernährung,  Umwelt‑,  Natur- und Artenschutz, sondern geht auch den Sinnfragen des Lebens nach: Was ist uns wichtig? Welche Ideale und Werte bestimmen unser Dasein? Welchen Stellenwert haben Glaube und Spiritualität? Wie viel Konsum brauchen wir? Wie möchten wir wohnen? Und nicht zuletzt geht es um Kinder, Bildung und Zukunftschancen.

Lieber Herr Maffay, Sie haben das Buch „Hier und Jetzt – Mein Bild von einer besseren Zukunft“ geschrieben. Wie kamen Sie zu dieser Idee und was hat den Ausschlag dafür gegeben?

Wenn es für mich einen richtigen Zeitpunkt für ein Buch gibt, dann jetzt. Ich glaube, dass wir an einer Weggabelung stehen und Entscheidungen treffen müssen. Wir sollten uns darüber klar werden, wie wir in Zukunft leben wollen. Die Ausbeutung der Natur und der Klimawandel werden das Gesicht unserer Erde enorm verändern. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Die Leidtragenden sind dabei vor allem die Kinder. Zudem müssen wir feststellen, dass die Gesellschaft ideologisch auseinanderdriftet: Inhaltliche Positionen werden extremer und stehen sich unversöhnlicher gegenüber, der Ton wird rüder und die Sprache aggressiver. Meine Band und ich haben uns in der Vergangenheit häufig zu gesellschaftspolitischen Fragen geäußert. Eigentlich geschieht in dem Buch nichts anderes. Es ist nur eine andere Form der Kommunikation.

“Auch wenn manches schief läuft und wir eine Menge Probleme haben, lohnt es sich, für diese Welt zu kämpfen.”

In Ihrem Buch gewähren Sie einen sehr persönlichen Einblick in Ihr Leben, beziehen Stellung zu den aktuellen Themen der Zeit wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit, gesunde Ernährung, Bio-Landwirtschaft, Bildung und Kinder. Warum ist Ihnen das so wichtig und wenn Sie Dinge wirklich beeinflussen und ändern könnten, welche wären das?

Momentan beschäftigen mich Themen wie der Klimawandel, gesellschaftliche Konflikte und die zunehmende Radikalisierung. Ich bin aber trotz der großen Herausforderungen, vor denen wir stehen, kein Pessimist und möchte gerne deutlich machen: auch wenn manches schief läuft und wir eine Menge Probleme haben, lohnt es sich, für diese Welt zu kämpfen. Wenn jeder mitmacht und sein Gegenüber unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht respektiert, einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz leistet und das Gemeinwohl über den Eigennutz stellt, dann ist eine bessere Welt keine Utopie mehr.

Bild: © Wolfgang Köhler, Hamburg

“Ich glaube, dass die Lösung aus der Mitte der Gesellschaft kommen wird.”

Wie sieht Ihr Bild von einer besseren Zukunft denn konkret aus?

Ich glaube, dass die Lösung aus der Mitte der Gesellschaft kommen wird. Menschen gehen auf die Straße und demonstrieren für mehr Klimaschutz. Kunden verzichten auf Plastikverpackungen. Junge Leute tauschen im Internet Kleidungsstücke, statt sie wegzuwerfen. Kochen ist in, einen Garten zu bestellen ist wieder modern. Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt. Irgendwann werden diese Tendenzen vielleicht zu einer starken Bewegung. Das hoffe ich. Was die Entschlossenheit und die Kraft der Bevölkerung in Gang setzen kann, haben wir ja vor 30 Jahren erlebt, als unsere Landsleute in der damaligen DDR das scheinbar Unmögliche möglich gemacht und die Mauer niedergerissen haben. Wo ein Wille ist, ist ein Weg, jedenfalls dann, wenn sehr viele Menschen sich für ein gemeinsames Ziel einsetzen.

“Wenn wir uns auf die Natur einlassen und in ihrem Rhythmus leben, wird außerdem manches leichter.”

Wie kann uns ein neues Verständnis von Natur und Schöpfung auch Sinn und Orientierung geben?

Es gibt aus meiner Sicht nichts Sinnvolleres und Schöneres, als die Natur zu erleben und zu fühlen. Während unser Gehirn im Alltagsleben permanent viel mehr Eindrücken ausgesetzt ist, als es verarbeiten kann, ist die Natur im besten Sinne des Wortes reizarm. Körper, Seele und Geist entspannen sich. Wir entwickeln einen besseren Blick für das Wesentliche. Wenn wir uns auf die Natur einlassen und in ihrem Rhythmus leben, wird außerdem manches leichter. Wir begreifen zum Beispiel, dass Veränderungen zum Leben dazu gehören. Darin liegt ja auch eine Chance: Nichts ist für immer, weder das Gute noch das Schlechte, weder die Freude noch die Trauer.

Bild: © Wolfgang Köhler, Hamburg

“In unserem Tabalugahaus können traumatisierte, benachteiligte und kranke Kinder eine kleine Auszeit vom Alltag genießen.”

Sie sagen, dass viele Menschen über soziale Kälte, Stress und Ökonomisierung aller Lebensbereiche klagen, und haben deshalb einen Ort geschaffen, der frei davon ist: Das Gut Dietlhofen als ein Idyll mit Hofladen, Fischteich, Tieren und Café. Was bedeutet es Ihnen, diesen Ort geschaffen zu haben? Was ist in Ihren Augen daran das größte Geschenk?

Ich habe mich bemüht, mich meinen Idealen so weit wie möglich anzunähern und gemeinsam mit meiner Familie, meinen Freunden und Mitarbeitern ein Umfeld zu schaffen, in dem wir unsere Vorstellung von einem sinnvollen, erfüllten Leben umsetzen können. Seit ein paar Jahren gibt es einen Ort, an dem sich unsere Ideen und unsere Wertvorstellungen manifestieren: das Gut Dietlhofen, eine kleine, intakte Welt, eingebettet in eine wunderschöne Landschaft. Es gibt hier fast alles, was man zum Leben braucht und so vieles, was uns glücklich macht. Ich finde, es ist ein Geschenk, dieses Fleckchen Erde mit anderen Menschen zu teilen, mit Radfahrern und Wanderern, Kunden, die unser Bio-Gemüse oder unsere Bio-Eier kaufen, Gästen im Hofcafé, Gottesdienstbesuchern und Familien, die zu unseren Hoffesten kommen. In unserem Tabalugahaus können traumatisierte, benachteiligte und kranke Kinder eine kleine Auszeit vom Alltag genießen. Dort sind unbeschwerte Ferienaufenthalte für die Kinder und deren Betreuer möglich. Natürlich ist auch auf Gut Dietlhofen nicht alles „Friede, Freude, Eierkuchen“, selbstverständlich gibt es anstrengende Tage. Aber es herrschen nicht Dauerstress, Druck und Hektik, wie wir alle es zu genüge aus unserem Alltag kennen.

“Die benachteiligten Kinder und Jugendlichen erleben die Arbeit und das naturverbundene Leben in der Landwirtschaft hautnah mit, kommen mit den Tieren in Berührung und werden – wenn sie dies möchten – unter Anleitung in die Tätigkeiten des Gutes mit einbezogen. Wesentliche Bestandteile sind dabei der ökologische Anbau von Obst und Gemüse sowie der Erlebnisbauernhof.”

Mehr zu Gut Dietlhofen.

Und zum Buch.

Das ganze Interview erfolgte für eine vorherige Ausgabe des Magazins Pure & Positive.


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