Mit mehrjähriger Erfahrung als zertifizierter Systemischer Business Coach und Senior Coach, Schwerpunkt Wirtschaft, bietet Ralf Freitag tiefgreifende Einblicke und maßgeschneiderte Strategien für die Personal- und Teamentwicklung an. Der Ansatz seiner „Akademie für Intrinsik” integriert selbst entwickelte Persönlichkeitsanalysen, Systemisches Business Coaching sowie Seminare rund um die Persönlichkeitsstärkung ‑Themen, die es HR-Abteilungen und Coaches ermöglichen, Personalentwicklungsprogramme zu optimieren und die Ressourcen ihrer Teams zu stärken. Seine Lösungen fördern strategisches Denken und zielführende Team-Kommunikation – essenziell, um den Herausforderungen des digitalen Wandels und des Fachkräftemangels zu begegnen. Ralfs Antrieb liegt in der Unterstützung von Menschen durch Veränderungsprozesse, wobei er seine umfassende Managementerfahrung im Medienbereich nutzt, um Klarheit und Empathie in den Teamgeist einzubringen.
Du bist u.a. Experte für intrinsische Motivation & HR-Analysen, Systemisches Business Coaching und Beschleunigung von Changeprozessen durch Verzahnung von Analysen, Coachings und Trainings. Wie war dein Weg zu dem, was du heute machst? Wie kam es zur Gründung der Akademie für Intrinsik?
Das war kein geradliniger Weg. Ich komme eigentlich aus einer ganz anderen Welt – dem Journalismus, genauer gesagt, dem Lokaljournalismus. Da beschäftigt man sich ja ganz zwangsläufig mit Menschen. Ich habe auch sehr früh Führungspositionen bei verschiedenen Zeitungen wahrgenommen, auch als Verlagsgeschäftsführer und Chefredakteur. Dann ist man auch ob man will oder nicht mit Führungsfragen konfrontiert. Vor etwa sechs Jahren stand dann die digitale Transformation meines damaligen Verlages an. Und ich wusste: Als Geschäftsführer muss ich intensiv mit meinen Mitarbeitenden arbeiten. Dann habe ich geschaut, wo ich am besten die notwendigen Methoden lernen kann und bin so zum Systemischen Business Coaching gekommen. Also eigentlich wollte ich gar nicht coachen, aber während der Prüfung sagten mir dann die Prüfer: „Sie müssen unbedingt coachen.“ Das habe ich dann auch angefangen, erst nebenbei, dann wurde das immer mehr.
Ich hatte durch meinen Job ein recht gutes Netzwerk. Irgendwie war schnell klar, dass ich vor allem Führungskräfte coache, weil ich ja selbst eine war und somit die Pains kannte, um die es ging. Mit der Zeit, ich habe dann auch Teams gecoacht, merkte ich, dass das Coachen allein nicht mehr ausreicht. Die Veränderungen in den Unternehmen wurden immer krasser und schneller – die VUKA-Welt hatte Einzug gehalten. In diesem Zusammenhang erkannte ich immer mehr, wie wichtig es ist, neben der fachlichen Qualifizierung auch eine entsprechende Motivation mitzubringen, um im Job zu bestehen. Die bestehenden Tools waren mir aber zu kompliziert, zu teuer für den flächigen Einsatz in Unternehmen und zu eindimensional. Das war der Startschuss für die Entwicklung der Heureka-Analysen. Bis zur Programmierung sollte es von da an aber noch ein Jahr dauern.
„Passen Job und intrinsische Motivation, liefert uns das die Energie, die wir brauchen, um gesund und gelassen durch die immer verrückter werdende Businesswelt zu kommen.”
Was genau verstehst DU denn unter “intrinsischer Motivation” im Kontext der modernen Arbeitswelt und wie grenzt du diese von extrinsischen Anreizen ab?
Intrinsische Motivation ist fest und tief in unserer Persönlichkeit verankert. Sie steuert maßgeblich, was wir denken, fühlen und machen. Sie ist sozusagen unser Wertekoordinatensystem und ändert sich kaum, höchstens mal durch ein traumatisches Erlebnis. Intrinsische Motivation ist daher sehr eng mit Glück und Freude im Zusammenhang unserer Arbeit verbunden. Haben wir zu unserer Aufgabe die passende intrinsische Motivation sind wir 20 bis 50 Prozent engagierter, deutlich weniger krank und haben eine viel festere Bindung zu unserem Unternehmen. Passen Job und intrinsische Motivation, liefert uns das die Energie, die wir brauchen, um gesund und gelassen durch die immer verrückter werdende Businesswelt zu kommen. Extrinsische Anreize sind Motivationsansätze mit kurzer Bindung: Für die Mehrarbeit an einem Projekt bekomme ich einen Gehaltszuschuss, ein Dienstwagen oder ein Fitness-Gutschein, aber auch zusätzliche Urlaubstage sind extrinsische Anreize. Das Problem: Ihre Wirkung lässt mit der Zeit nach, weil sie die Arbeit an sich nicht erleichtern.
Warum ist es so wichtig, sich mit diesen Themen ‑persönlich und im Arbeitsprozess- auseinanderzusetzen? Welche Rückmeldungen bekommen du und dein Team dazu in euer Arbeit?
Unsere Arbeitswelt ist heute so verdichtet, dass ich nur mit der entsprechenden Motivation die entsprechende Energie aufbringen kann, um in ihr zu bestehen. Deshalb hängt die intrinsische Motivation auch so eng mit der positiven Psychologie zusammen. „Tue das, was Dich glücklich macht!“ – darum geht es. In vielen Arbeitszusammenhängen haben wir diesen wichtigen Punkt aber komplett verdrängt. Wir wissen oft gar nicht, was uns glücklich macht, welche Stärken wir eigentlich haben und welche Potenziale in uns schlummern. Das Thema wird sich auch noch weiter verschärfen – tendenziell werden immer weniger Menschen in den Unternehmen arbeiten. Diejenigen, die aber noch da sind, werden noch deutlich mehr Aufgaben bewältigen müssen als heute. Neben der KI wird das nur mit der entsprechenden Passung der intrinsischen Motive funktionieren.
Was war der Schlüsselmoment oder das Schlüsselerlebnis in deinem Leben, das deine Faszination für das Thema “Intrinsische Motivation” so stark geweckt hat, dass es zu deinem beruflichen Schwerpunkt wurde?
Das waren meine Erfahrungen als Coach. Immer mehr Coachees sagten mir: „Das ist alles gut und richtig, was wir hier bei Dir machen, aber das alles prallt mit 180 Sachen vor die Wand der Realität, wenn ich zurück ins Unternehmen komme.“ Es gibt dazu vielleicht nicht DAS Schlüsselerlebnis, aber mir wurde zunehmend klarer, dass mein Coaching offenbar nicht tief genug die inneren Motivstrukturen meiner Coachees erreicht und die Reflexionen daher nicht nachhaltig genug wirkten. Kurzum: Mein Coaching sprang offensichtlich zu kurz.
„Ich glaube, das kann mein Umfeld auch bestätigen: ich genieße das Leben, und das gilt auch für meine tägliche Arbeit. Ich freue mich, wenn ich Menschen ihre intrinsische Motivik erkläre oder merke, wie sie durch das Coaching „aufblühen“. Für mich ist das ein Genuss!”
Du beschäftigst dich nun beruflich intensiv mit den Motiven anderer Menschen. Welches ist denn dein persönliches, stärkstes intrinsisches Motiv, und wie beeinflusst es deine tägliche Arbeit?
Es ist mir etwas peinlich, aber meine eigene Analyse zeigt mir im Motiv „Essen“ den Genuss als stärkstes intrinsisches Motiv. Das heißt jetzt nicht, dass ich mich täglich auf ein Drei-Gänge-Menü freue, sondern das ich den Dingen des Lebens sehr genussvoll gegenüber stehe – also nicht nur dem Essen. Die entgegengesetzte Ausprägung des Motivs wäre übrigens genügsam. Ich glaube, das kann mein Umfeld auch bestätigen: ich genieße das Leben, und das gilt auch für meine tägliche Arbeit. Ich freue mich, wenn ich Menschen ihre intrinsische Motivik erkläre oder merke, wie sie durch das Coaching „aufblühen“. Für mich ist das ein Genuss!
Ihr nutzt spezielle HR-Analysen (die Heureka-Analysen): Welche konkreten Motive oder Kompetenzfelder sind deiner Erfahrung nach am schwierigsten zu messen und wie gelingt es, diese dennoch valide zu erfassen?
Also, wir messen 16 bis 18 intrinsische Grundmotive. Die Zahl schwankt deshalb, weil wir in der Business-Diagnostik die Motive „Eros“ und „Spiritualität“ standardmäßig außen vor lassen. Das führt sonst nur zu Irritationen. Diese Grundmotive sind erstmal gleich gut zu messen. Wir stellen dazu Einstellungs- oder Wertefragen. Das unterscheidet uns auch fundamental von Persönlichkeitsanalysen, die vor allem situationsbedingtes Verhalten abfragen. Einfach gesagt: Analysen intrinsischer Motivation beantworten die Frage nach dem „Warum“, Persönlichkeitsanalysen die Frage nach dem „Wie“. Valide werden diese Analysen, weil wir jedes Motiv mit sechs ähnlichen Fragen beleuchten. Unsere Logarithmen gleichen die Antworten dann mit den in der Datenbank hinterlegten Ausprägungen ab. Soweit ist das reine mathematische Mechanik, wie ich das gern nenne. Das Spannende sind dann viel mehr die Auswertungen und Kombinationen der Motive, die dann sehr genaue Aussagen darüber treffen, warum sich ein Mensch so verhält, wie er es tut.
Wie übersetzt du die Ergebnisse einer Analyse der intrinsischen Motivation (z.B. den Wunsch nach “Macht” oder “Anerkennung”) in konkrete Handlungsempfehlungen für Führungskräfte im Alltag?
Nun, ich schaue wie gesagt nach Motivkombinationen. Jemand, der beispielsweise im Motiv Macht sehr dominant ist, im Wettkampf sehr aggressiv daherkommt und in der Anerkennung sensibel ist, den würde ich so einen Menschen nicht unbedingt in einem stressigen Umfeld als Führungskraft einsetzen. Das ist nämlich eher jemand, der schnell aus der Haut fährt und alles persönlich nimmt. Auf jeden Fall braucht so jemand als Führungskraft Kommunikations- und Resilienzcoaching. Jemand, der aber im Motiv Macht dominant ist, sich im Wettkampf diplomatisch verhält und im Motiv Anerkennung selbstsicher ist, der ist der geborene Leader, denn der ruht in sich selbst. Oder nehmen wir ein Mitarbeiter-Beispiel, das gar nicht so selten vorkommt. Jemand hat einen relativ stupiden Bürojob und macht täglich die gleichen Verrichtungen, ist aber im Motiv Ordnung eher flexibel und lebt das Motiv Freiheit eher selbständig aus, dann wird der nicht nur in seinem Job unzufrieden sein, sondern vielleicht sogar irgendwann zur Sabotage neigen, wenn er nicht von selbst kündigt. Je nachdem, wie die Analysen ausfallen, geben wir natürlich auch konkrete Hinweise für Weiterbildungen und Coaching. Wobei man klar sagen muss: intrinsische Motivationen lassen sich nicht verändern. Aber die sich daraus entwickelnden Kompetenzfelder auf jeden Fall verstärken. Und darum geht es bei Führungskräften. Bei einer eher introvertierten Führungskraft kann ein Kommunikations-Seminar schon vieles bewirken, auch wenn die Introvertiertheit bestehen bleiben wird.
Inwiefern trägt eine tiefgehende Analyse der intrinsischen Motivation dazu bei, die Fluktuation in einem Unternehmen messbar zu senken, und gibt es Branchen, in denen dieser Effekt besonders stark ist?
Zwei Zitate dazu: Ich habe mal als Praktikant bei der „Welt“ eine Reportage über einen Binnenschiffer auf dem Rhein geschrieben. Die Überschrift lautete: Nur wer diesen Beruf liebt, hält durch.“ Ein anderes Zitat lautet: „Suche Dir einen Job, der Dir Spaß macht, dann musst Du nie wieder arbeiten.“ Beide Sätze zeigen den Kern des Themas. Wer Spaß an der Arbeit hat, also seine intrinsischen Motivationen am rechten Fleck und passend zur Aufgabe einsetzen kann, der hat auch keine Veranlassung, das Unternehmen zu verlassen, auch wenn es sonst vielleicht stressig ist und der Job auch nicht zur bezahlten Spitzenklasse gehört. Und bei dieser Beschreibung sind wir sehr schnell bei den sozialen und pflegenden Berufen. Nicht ohne Grund setzen viele Kliniken bei der Personalentwicklung auf die Heureka-Analysen.
„Und Teams, in denen die Mitglieder nach ihren Kompetenzen und Potenzialen eingesetzt werden, arbeiten natürlich auch effektiver, weisen weniger Krankentage auf und werden so zum Gamewinner.”
Und dann wird die Arbeitswelt immer volatiler: Wie kann die Kenntnis der intrinsischen Motivationsstruktur eines Teams einem Unternehmen helfen, schneller und resilienter auf unerwartete Veränderungen zu reagieren?
Unsere Teamradare sind wohl unser wirkmächtigstes Feature. Viele Teams sind in ihrer Struktur eher Klone ihres Leaders. Was aber passiert, wenn Du eine Fußballmannschaft mit elf Stürmern auf den Platz schickst… Unsere Teamanalysen zeigen sehr genau, wie die Potenziale und Kompetenzen in einem Team verteilt sind. Damit zeigen sie auch Unwuchten und Dysfunktionalitäten, die oft in Spannungen oder sogar offenen Streit münden. Oft werden die Ursachen dafür aber tabuisiert und so arbeitet ein dysfunktionales Team manchmal ein, zwei Jahre mehr schlecht als recht vor sich hin. Mit unseren Analysen liegen diese Themen im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Tisch, werden enttabuisiert und können so gelöst werden. Und Teams, in denen die Mitglieder nach ihren Kompetenzen und Potenzialen eingesetzt werden, arbeiten natürlich auch effektiver, weisen weniger Krankentage auf und werden so zum Gamewinner.
Wenn du einen Wunsch frei hättest: Wie würde die ideale, durch intrinsische Motivation geführte, HR-Abteilung im Jahr 2030 aussehen und welche Rolle spielt die Technologie dabei?
Mein Wunsch wäre, dass HR aus der eigenen KPI-Falle, in die sie sich begeben hat, herauskommt (möglichst kurze Bearbeitungszeit der Bewerbung, möglichst viele Bewerber für eine Stelle). Das lenkt den Blick für das Wesentliche ab. Skill-based Recruiting und Personalentwicklung, die sich an den Potenzialen und Kompetenzen der Mitarbeitenden orientiert, wären in dieser Welt selbstverständlich, niemand käme mehr ernsthaft auf die Idee, Bewerber ohne Diagnostik einzustellen. Und so wäre HR längst auf dem Weg dafür zu sorgen, dass Menschen wo immer es geht nach ihrer intrinsischen Motivation beschäftigt werden. Das macht wertebasierte Führung einfacher, führt zu mehr Engagement, zu weniger Krankentage und automatisch zu einem deutlich verbesserten Betriebsklima.
Mit welchen Thema / Beitrag bist du im Inner Circle von Pure & Positive dabei und wie können Menschen in der Community mit dir arbeiten?
Ich biete unsere vier Heureka-Analysen zum halben Verkaufspreis an. Unsere vier Analysen sind die Potenzialanalyse (meine Stärken), die Kompetenzfled-Analyse (mein Können), die Berufsfeld-Analyse (meine Karriere- und Erfolgsfelder) und die Beziehungsanalyse (eigentlich für Teams und Kollegen gedacht, funktioniert aber auch privat gut. Die Analysen kann man bei uns im Shop auf unserer Webseite auch privat buchen, dort kosten sie regulär 79 Euro brutto. Über den Inner Circle von Pure & Positive kann man sie als Mitglied für 40 Euro brutto im Shop erwerben. Ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass ich mit meinen Heureka-Analysen, dem systemischen Business Coaching und unseren Workshops an einer besseren Arbeitswelt arbeite. Wer mich dabei unterstützen möchte, sei es mit Ideen, sei es, dass er unsere Themen in „sein“ Unternehmen trägt, ist herzlich willkommen.
„Ich habe in meinem Leben als Journalist und Coach so viele Menschen kennengelernt, die alle am selben Ziel einer besseren Welt arbeiten, die müssen alle zu einem großen, wirkmächtigen Orchester werden. Wir brauchen nur den richtigen Dirigenten.”
Was wünschst du dir für uns alle in der Gemeinschaft und wie können wir “ein besseres Morgen” in deinen Augen für uns alle gestalten? Was braucht es dafür?
Die Kraft der Gemeinsamkeit, die aber auch entsprechend orchestriert werden muss. Ich habe in meinem Leben als Journalist und Coach so viele Menschen kennengelernt, die alle am selben Ziel einer besseren Welt arbeiten, die müssen alle zu einem großen, wirkmächtigen Orchester werden. Wir brauchen nur den richtigen Dirigenten.

Ralf Freitag ist der Gründer der Akademie für Intrinsik, die sich auf systemisches Business Coaching spezialisiert hat. Die Akademie bietet einen Dreiklang aus Coaching, selbst entwickelten Persönlichkeitsanalysen (Heureka) und Seminaren/Workshops an, um die Stärken und die Persönlichkeit zu entfalten. Das Ziel ist es, die inneren Antriebsmuster (intrinsische Motive) von Menschen und Teams zu erkennen, um eine höhere Passung mit Aufgaben, mehr Engagement und eine bessere Resilienz zu ermöglichen.
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Bild: © Ralf Freitag







