“Durch ein Lächeln versteht man sich in jeder Sprache.”

Christin Prizelius | 06.12.23 | Interview mit Dennenesch Zoudé | © Heinz Laab
Sie gehören zu den beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands, sind Autorin und außerdem sozial sehr engagiert. Was ist Ihr Antrieb für all das?

Mein Antrieb ist, dass ich durch mein Spiel, Begegnungen mit Menschen, als auch auf der Theaterbühne oder in Form eines Buches gerne etwas mitteilen möchte. Es mag pathetisch klingen, aber in meinen Augen ist es die höchste Priorität, Frieden, Toleranz und Herzenswärme zu teilen. Ich bin in Äthiopien geboren, in einem Land, wo einem so viel Herzlichkeit begegnet. Obwohl ich dort nicht aufgewachsen bin, ist es dennoch in meinen Zellen verankert, diese Freude in die Welt zu bringen und das Glas eher als halb voll anstatt halb leer zu betrachten.

Die Verständigung ist also das erste Tool, um anzukommen und überhaupt eine Zukunft zu haben. Wie sollen sonst Träume realisiert werden können?”

Sie sind Schirmherrin der Stiftung Fairchance, ein Sprachförderungsprogramm zur Integration ausländischer Kinder. Warum liegt Ihnen das so am Herzen? 

Ich selber hatte viel Glück, aus einem akademischen Haushalt zu kommen und viel Förderung bekommen zu haben. Sprache ist das Tor zur Welt. Wenn ich mich nicht mitteilen kann, kann ich mich nicht wehren, oder an der Gesellschaft und meiner Umgebung teilhaben und bin automatisch in einer Isolation. Die Verständigung ist also das erste Tool, um anzukommen und überhaupt eine Zukunft zu haben. Wie sollen sonst Träume realisiert werden können? Je eher man damit anfängt, um so mehr Chancen haben letztlich wir alle, ob in der Klasse oder später am Arbeitsmarkt. Darum liegt mir diese Stiftung am Herzen.

Kürzlich ist „Schulen dieser Welt“ in die Kinos gekommen. Bitte erzählen Sie uns darüber.

Es geht dabei um eine Dokumentation von Émilie Thérond, die sich auf die Reise gemacht hat, Frauen zu dokumentieren, welche die Aufgabe angenommen haben, Kinder in entlegenen Gebieten zu unterrichten, um ihnen eine Zukunft zu ermöglichen. Dieser Film entführt die Zuschauer in andere Welten und Kontinente wie Sibirien, Indien und Afrika und handelt im Grunde davon, wie mit viel Liebe der Zugang zur Bildung weitergegeben werden kann. Hier bin ich die Erzählerin und freue mich daher sehr auf die Premiere im April. Ich hoffe auf viele Zuschauer, da es nicht allein um Bildung sondern auch um Herzensbildung geht.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von X Verleih.

“Gerade heute haben wir die Möglichkeit, die ganze Welt einzuladen und können dadurch Dinge erfahren, die nicht in unserem Kulturkreis liegen und so auch unseren Horizont erweitern.”

Außerdem engagieren Sie sich als Lesebotschafterin bei “Stiftung Lesen”. Sie sagen: “Lesen ist universal und für alle da!” Wie kann Lesen und Vorlesen Menschen noch mehr miteinander verbinden?

Auch hier geht es um Bildung und zwar auf eine spielerische Art und Weise. Gerade heute haben wir die Möglichkeit, die ganze Welt einzuladen und können dadurch Dinge erfahren, die nicht in unserem Kulturkreis liegen und so auch unseren Horizont erweitern. Durch Abenteuer‑, Liebes- oder Familiengeschichten, aber auch Helden- oder Fantasiereisen kommen wir in Kontakt mit Vorbildern und sehen, wie man selber sein könnte. Die Fantasie und das Träumen werden angeregt. 

Foto: Privat, Filmpremiere “Schulen dieser Welt” in Hamburg

„Finde den Schalter, der dich zum Leuchten bringt, dann können wir das auch an andere weitergeben.“

Es gibt so viele Unruhen in der Welt. Was denken Sie kann jeder tun, um einen positiven Beitrag zu leisten?

Indem wir durch die Straßen gehen, anderen ein Lächeln schenken und unser Licht scheinen lassen. Ich sage: „Finde den Schalter, der dich zum Leuchten bringt, dann können wir das auch an andere weitergeben.“ Durch ein Lächeln versteht man sich in jeder Sprache. Zu entschleunigen und die Informationsaufnahme zu reduzieren kann auch ein Weg sein. Wir können als Einzelne nicht die Welt verändern, Hungersnot reduzieren und Kriege beenden, aber einfach mal nach links und rechts schauen und bei den Nachbarn, der eigenen Familie anfangen, Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit wahrnehmen und zu helfen wo es möglich ist, wäre ein Anfang.



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