Gemeinsam für eine bessere Welt

Japans Star-Oma und das glückliche Leben.

Christin Prizelius | 22.05.2026 | Textauszug „…Und plötzlich bist du 102″ von Tetsuyo Ishii | © Suzunaka Naomi, Kinomoto Yoko und Inoue Takahiro

„»Großmutter Tetsuyo« ist die 102-jährige Star-Omi aus Japan und zeigt der Welt, wie genau das gelingen kann, was wir uns alle fürs Alter wünschen: ein erfülltes, heiteres und selbstbestimmtes Leben zu führen. In diesem Buch wird sie durch ihren Alltag in der bergigen Region Hiroshimas begleitet, wo sie bis heute allein lebt und fast täglich ihr Feld bestellt. Dabei teilt sie ihre Lebensweisheit in drei liebevoll formulierten Leitlinien: Acht Gewohnheiten für ein langes und gesundes Leben, fünf Grundsätze für ein gutes Dasein sowie fünf Regeln, um sich selbst treu zu bleiben.” Wir dürfen einen kleinen Auszug des Buches dank des Verlages hier veröffentlichen.

Fünf Grundsätze für ein gutes Leben:

1. Alles hat zwei Seiten — konzentriere dich auf die positive

Alles hat eine Vorderseite und eine Rückseite. Schau dir die Hände dieser alten Frau an. Die Rückseite ist faltig, aber wenn man sie umdreht, sind die Hände glatt. Man sollte die Dinge nicht nur aus einer Perspektive betrachten. Selbst wenn man beispielsweise seine Aufnahmeprüfung nicht besteht und dann nicht auf die Schule erster Wahl geht, kann man in einer anderen Schule Freunde fürs Leben finden. Dreh die Misserfolge um, und denke positiv! Wenn du dich auf Misserfolge fixierst, wirst du von Minderwertigkeitsgefühlen beherrscht. Die Menschen werden kleinlich und das Leben wird verzerrt. Doch Misserfolge sind vorübergehend; man kann immer wieder von vorne anfangen. Der Tag wird sicher kommen, an dem du zurückblickend denken kannst: »Das war ein Erfolg.«

2. Bring deine Freude deutlich zum Ausdruck

Wenn man jemandem vermitteln möchte, wie glücklich und dankbar man ist, übertreibt man einfach etwas. Meine Nichte Nao-chan bringt mir häufig Beilagen mit, und die Nachbarinnen helfen mir oft beim Putzen. Vielleicht tun sie es deswegen, weil auch sie die Einsamkeit kennen, die man empfindet, wenn man allein ist. Ich bin dankbar. Ich bin immer total begeistert und rufe: »Wow, wow!« Ich finde es gar nicht gut, wenn man im Alter mürrisch ist und schnell wütend wird. Ältere Menschen sollten ein Vorbild für junge Leute sein, damit die Leute denken: »Selbst im Alter scheinen sie sich zu amüsieren«, mit einem fröhlichen Lächeln. Vielleicht als Stimmungsmacher für die Gesellschaft? Da es ein und dasselbe Leben ist, möchte ich es großzügig leben, ohne mich zurückzuziehen oder nach unten zu schauen.

Bild: © Suzunaka Naomi, Kinomoto Yoko und Inoue Takahiro

„Diese scharfkantige Version meiner selbst aus der Vergangenheit ist mir nicht zuwider,
denn auch das war gleichfalls mein echtes, authentisches Ich. Ich möchte alles akzeptieren und lieben, ganz und gar.”

Tetsuyo Ishii

3. Beobachte die Menschen genau und bemühe dich, sie zu verstehen

Das haben mir die Kinder beigebracht. Als ich Lehrerin war, hatte ich einmal in der 5. Klasse einen Jungen, der während des Mathematikunterrichts unruhig wurde. Als ich ihn beobachtete, wurde mir klar, dass er Schwierigkeiten mit dem Einmaleins hatte. Als ich ihn fragte: »Du verstehst die Rechentabellen nicht, oder?«, fing er an zu weinen. Sein tränenüberströmtes Gesicht zeigte eine Mischung aus Scham und Erleichterung. Nachdem ich ihm die Tabellen und das Einmaleins erklärt hatte, war er wie besessen vom Lernen. Ich war so froh. Versuchen, andere zu verstehen, sie zu beobachten – ich denke, das ist eine Gewohnheit aus meiner Zeit als Lehrerin. Kleine Veränderungen zu bemerken, beispielsweise, wenn jemand etwas niedergeschlagen aussieht oder ein wenig abgenommen hat, das ist meiner Meinung nach auch in Beziehungen zwischen Erwachsenen wichtig. Die Art und Weise, wie man mit jemandem redet, verändert dessen Reaktion. Wenn der andere spürt, dass man ihn anschaut, entspannt er sich und beginnt, sich zu öffnen.

4. Verwandle negative Emotionen in Lachen

Wenn ich negative Ausdrücke wie »kein Essen« oder »kein Geld« verwende, füge ich am Ende »Nachtigall« hinzu. Zum Beispiel: »Ich habe kein Geld, Nachtigall.« Dann lachen alle. Selbst wenn es dasselbe »Nein« ist, fühlt es sich besser an, wenn man es in Lachen verwandelt. Ich möchte nicht ständig »nein, nein« sagen, weil mich das deprimieren würde. Ein deprimierter Geist ist ein Dämon. Wenn du spürst, dass du unterzugehen drohst, musst du dir frühzeitig selbst helfen.

Bild: © Suzunaka Naomi, Kinomoto Yoko und Inoue Takahiro

„Am Ende des Tages möchte ich denken: »Ah, ich habe gelebt. Es war ein gutes Leben.« Bitte, lebt alle in Sicherheit! Ich wünsche mir eine friedliche Welt ohne Krieg. Mögen die Kinder in allen Ländern in Frieden leben! Dies sind die Herzenswünsche einer alten Großmutter.”

Tetsuyo Ishii

5. Finde ein Vorbild, dem du nacheifern kannst

Ohne es zu merken, ahme ich meine Schwiegermutter nach. Wann immer sie Zeit fand, jätete sie Unkraut in Garten und Feld und hielt alles in bester Ordnung. Auch das abendliche laute Rezitieren von Sutras vor dem Buddha habe ich von ihr übernommen. Ich habe mit 26 geheiratet. Zu dieser Zeit trug sie Brennholz auf dem Rücken in die Stadt, um es dort zu verkaufen. Mit dem Geld kaufte sie für meinen Mann und mich als Pausenessen in der Schule Würstchen, die damals noch eine Seltenheit waren. An solchen kleinen, aufmerksamen Gesten zeigte sich stets ihre fröhliche und fleißige Wesensart. Ihr solltet alle versuchen, eine ältere Person zu finden, der ihr nacheifern könnt. Wenn es euch gelingt, ihr Verhalten durch Nachahmung zu verinnerlichen, werdet ihr reich belohnt werden…

„…Und plötzlich bist du 102: Großmutter Tetsuyos Geheimnisse für einen gesunden Körper und klaren Geist” ist mit zahlreichen charmanten Fotos, klugen Gedanken und humorvollen Anekdoten eine kleine Schatzkiste fürs Herz und schenkt Zuversicht, Leichtigkeit und garantiert ein Lächeln.”

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Bild / Cover: © Kailash Verlag / Penguin
Random House Verlagsgruppe GmbH

Tetsuyo Ishii wurde 1920 in Jōge in der Präfektur Hiroshima geboren. Mit 20 Jahren wurde sie Grundschullehrerin, und nach ihrer Pensionierung mit 56 Jahren widmete sie sich mit Leidenschaft der Arbeit auf dem familieneigenen Feld. In ihrer Nachbarschaft wird sie bis heute liebevoll „Sensei“ (Lehrerin) genannt.

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Bild: © Suzunaka Naomi, Kinomoto Yoko und
Inoue Takahiro

Ein großer Dank geht an den Kailash Verlag / die Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH für die Genehmigung dieses Textauszugs und das Bildmaterial.


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