„Wenn man etwas mit Liebe macht geht alles!“

Christin Prizelius | 08.01.24 | Interview mit Marijke Amado | Foto: © Marijke Amado
Du giltst als absolutes Multitalent, bist Holländerin mit Leib und Seele und in den Medien bekannt als Frohnatur. Wie machst du das über all die Jahre?

Es ist eine Einstellung, die ich seit meiner Jugend habe, immer aktiv zu bleiben und eine gewisse Positivität zu besitzen. So nimmt man viele Dinge in seinem Leben leichter. Ich glaube, dass viele Menschen, die Schicksale oder Probleme zu verarbeiten haben, in die Opferrolle gehen. Das hilft überhaupt nicht weiter! Viel entscheidender ist es, in der eigenen Kraft zu bleiben und dann geht schließlich jede Welle des Lebens irgendwann vorbei. Aus Tiefen gewinnt man immer eine gewisse Stärke, wenn es keine tödliche Krankheit oder so ist. Man muss immer zuversichtlich bleiben.

Was bedeutet das genau?

Ich sehe das Leben wie eine Schule. Jeder Mensch macht Fehler oder bekommt mal eine schlechte Note, aber morgen ist dann ein anderer Tag. Man kann immer Dinge aufarbeiten und verbessern. Fehler sind menschlich!

“Angst ist leider etwas, was einen beschränkt, und es ist schlimm, was wir jeden Tag sehen müssen, aber wir brauchen unsere Kraft.”

Was beobachtest du bei uns in Deutschland?

Deutschland ist ein Land, und ich bin nun schon wirklich lange hier, da ist alles irgendwie etwas schwerer. Ich liebe das deutsche Volk, es sind meine Fans und ich bin durch sie groß geworden, aber ich würde ihnen gerne etwas von meiner Energie schenken, damit sie manche Dinge leichter nehmen und lieber bzw. positiver zueinander und nicht immer gegeneinander sind. Ich hätte mir nach Corona und durch diese Warnung, die wir auf diese Weise bekommen haben, wie schnell sich nämlich Dinge, die Natur, das ganze Leben ändern können, so gewünscht, dass wir daraus gelernt haben, Dinge leichter nehmen und das Leben mehr genießen, aber das Gegenteil ist leider der Fall. Es ist plötzlich so nah, gefühlt vor der Tür, und die Menschen haben Sorgen und Ängste. Angst ist leider etwas, was einen beschränkt, und es ist schlimm, was wir jeden Tag sehen müssen, aber wir brauchen unsere Kraft.

Wie konsumierst du in diesem Zusammenhang die Medien und wie gehst du damit um?

Ich kontrolliere die Medien in dem Sinne, dass ich aus unterschiedlichen Ländern konsumiere. Was mir in Deutschland fehlt, ist eine Talkshow, in der nur Positives behandelt wird. Da muss es doch irgendeine Möglichkeit geben (lacht), dass man den Menschen Hoffnung gibt und sagt, dass es auch positive Dinge gibt. Das hoffe ich und wünsche ich mir für die kommende Zeit, dass wir einfach mehr positive Sachen machen.

Wie bzw. mit welchem Gefühl schaust du auf alles zurück? Was würdest du nochmal genau so bzw. auch anders machen?

Wenn du mich jetzt so fragst, würde ich nicht alles nochmal genauso machen. Durch meine Positivität fehlt einem manchmal der gewisse andere Blick auf Dinge, weil man immer denkt “Alles ist gut”. Somit war ich bei der Wahl meiner Männer manchmal nicht so gut, da hätte ich in diesem Leben ein bisschen etwas besser sein müssen (lacht). Aber auch da habe ich alleine gelernt zu kämpfen — für mich aber auch für Frauenrechte allgemein. Ich war quasi eine Art Wegbereiter für die Frauen nach mir. Mein Sohn sagt allerdings immer, ich bin zu früh geboren (lacht). Das hätte ich nicht missen wollen. Scheinbar sollte da der schwerere Weg meiner sein.

“Da liegt es um so mehr an den Eltern, tolle Sachen mit den Kindern zu machen und das “Pure & Positive” in ihnen zu wecken und dass sie glückliche Menschen werden.”

Wie schaust du aus heutiger Sicht darauf, wie sich die Kinder entwickeln? Was ist für dich positiv aber evt. auch etwas besorgniserregend?

Ich bin ohne Handy aufgewachsen. Den Kindern würde ich heute wünschen, dass sie nicht so viel eingetrichtert bekommen, das sind noch so kleine Seelen. Da hat all das da draußen noch gar keinen Platz. Die Kinder sehen auch auf Social Media alles. Nehmen wir das Beispiel Corona. Wenn man jeden Tag serviert bekommt, wie grausam die Zeit ist, dann ist sie es auch. Da liegt es um so mehr an den Eltern, tolle Sachen mit den Kindern zu machen und das “Pure & Positive” in ihnen zu wecken und dass sie glückliche Menschen werden.

Du machst mit deiner Spontanität, Schlagfertigkeit, positiven Lebenseinstellung aber auch deinem Humor aus jedem Auftritt ein Ereignis und bereicherst jede Talkshow. Wie machst du das? Wie ist die Marijke zu Hause?

Ich muss zugeben, dass ich beim Fernsehen schon sehr viel unter Adrenalin stehe (lacht), aber ich kann zu Hause auch mal ganz ruhig im Garten arbeiten. Ich bin nicht den ganzen Tag über auf 100%, aber sobald das rote Licht angeht, passiert etwas. Man ist so konzentriert aber gleichzeitig auch frei, dass man keine Grenzen sieht. Man sagt dann einfach, was man denkt.

Wenn du auf die aktuelle Zeit schaust und was so passiert, was können sich die Menschen davon mit- und annehmen? Was hältst du für wichtig?

In meinen Augen ist es wichtig, einfach mal lieb zueinander zu sein, sich zu helfen und zu fragen: “Was brauchst du?”. Vielleicht einfach mal dem Nachbarn etwas zu essen bringen und Auge und Herz für seine Mitmenschen haben. Wir leben leider in einer sehr egofixierten Welt, viel mehr als noch vor 40 Jahren. Es hat sich leider verschlimmert und da ist auch viel Neid im Spiel. Man sollte viel mehr mit dem zufrieden sein, was man hat, und nicht nur das sehen, was man haben will. Man sollte auch im Alltag viel mehr wahrnehmen.

Du engagierst dich außerdem für verschiedene Stiftungen und hast auch selber mal ganz offen darüber gesprochen, Opfer häuslicher Gewalt geworden zu sein. Heute möchtest du anderen Frauen Mut machen. Welche Botschaft hast du für sie?

Ich war kürzlich gemeinsam mit anderen Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt sind oder waren, auf einem Cover einer Zeitschrift mit der Botschaft, dass sie nicht allein sind. Eine Opferrolle ist eindeutig nicht gut. Es ist zwar oft leicht gesagt, den Koffer zu packen und zu gehen, aber deshalb ist es so wichtig, darüber zu sprechen. Da hat Jutta Speidel zum Beispiel eine tolle Initiative ins Leben gerufen und Häuser aufgebaut, wo Frauen hingehen können (www.horizont-muenchen.org). Man erlebt in Deutschland zwar eine zunehmende Offenheit diesem Thema gegenüber, was nicht immer so war, aktuell habe ich aber dennoch das Gefühl, dass wir uns in vielen Dingen leider wieder zurück entwickeln — was beispielsweise den Anstand oder das Miteinander angeht.

Hinweis: Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen” als bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben: Unter 116 016 (Rund um die Uhr, kostenlos, vertraulich und anonym per Telefon, Online-Chat oder E‑Mail.)

Dein Lebensspruch ist Carpe Diem – Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag. Wie hast du diesen Spruch für dich und dein Leben gefunden und was machst du, wenn es mal nicht so schöne Tage gibt?

Ich habe viele Situationen erlebt und bin da sicher nicht alleine, dass sich in Sekunden auf einmal alles ändern kann. Da denke ich an meine erste große Liebe zurück. Wir saßen zusammen und feierten, dass wir heiraten wollen. Dann ging er raus, hatte einen ganz schweren Unfall und auf einmal war alles anders und nichts war mehr schön. Das Leben kann sich jede Sekunde ändern. Carpe Diem ist für mich somit “Pflücke jede Sekunde, pflücke und genieße jeden Tag!”

HIER geht es zum ganzen Interview auf YouTube und Spotify.
Mehr zu Marijke Amado: www.marijkeamado.de


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