Gemeinsam für eine bessere Welt

Mein Wunsch nach Verbundenheit.

Christin Prizelius | 14.06.2026 | Kolumne von Christin Prizelius | © Privat

Als ich mir die ersten Gedanken zu meiner zweiten Kolumne in unserer neuen Pure & Positive — Reihe machte, ging ich nochmal meine Werte durch, die sich schon mein ganzes Leben sehr stark gezeigt haben. Ich habe mich als Kind sehr oft alleine gefühlt, als ich in vertrauten Kreisen immer mal wieder versuchte, meinen Wunsch nach einer besseren Welt deutlich zu machen. Ich habe schon immer fest daran geglaubt, dass wahre Positivität und ein erfülltes Leben erst durch ein tiefes Gefühl der Verbundenheit entstehen – mit uns selbst, aber vor allem miteinander. Und doch fühlt sich vieles rückwirkend oft schön an. Darauf ist unser Gehirn programmiert. Aber im Detail sind einzelne Situation manchmal schmerzhaft. Warum das eine Art Schlüsselerlebnis für mich war ‑auch für Pure & Positive- möchte ich heute mit dir teilen…

Erinnerst du dich noch an das Gefühl, wenn die Sommerferien als Kind unendlich lang wirkten? Wenn die Tage aus flirrender Hitze, dem Duft von gemähtem Gras und dem schrillen Zirpen der Grillen bestanden? Wenn man von außen auf diese Kulisse blickt, sieht sie perfekt aus. Pur, unbeschwert, positiv. Das Bild einer Bilderbuch-Kindheit. Aber wenn ich ganz tief in meine eigenen Erinnerungen eintauche, mischt sich in dieses warme Sommerlicht ein ganz anderer, verdammt vertrauter Geschmack: der Geschmack von Einsamkeit. Ich weiß noch genau, wie es sich anfühlte, auf dem Spielplatz am Rand zu stehen. Zu beobachten, wie die anderen Kinder lachten, Geheimnisse teilten und wie selbstverständlich eine unsichtbare Gemeinschaft bildeten, zu der ich einfach keinen Schlüssel fand. Ich fühlte mich oft wie hinter einer dicken Glasscheibe. Ich konnte alles sehen, ich konnte alles hören – aber ich konnte es nicht berühren. Und es tat weh. Es war ein leiser, dumpfer Schmerz, der im Magen saß und mir zuflüsterte: „Du bist anders. Du gehörst hier nicht dazu.“ Oder beim Turnen nicht gleich ins Team gewählt zu werden, für etwas ausgeschimpft zu werden, was man im Kern eigentlich nur gut gemeint hat. Oft war da diese Leere. Ich erinnere auch eine Situation in der Grundschule, als die damalige Referendarin eine Übung machte, in der sie uns fragte, ob wir lieber alleine oder mit anderen spielen. Ich war mit eine der einzigen, die sich in die “alleine” Ecke stellte. Vielleicht, weil einen dann niemand bewertet, spüren lässt, wie unpassend mein Verhalten ist.

Dieses Gefühl hat mich durch mein Heranwachsen begleitet wie ein treuer, aber ungeliebter Schatten. Die Jugendjahre, die eigentlich von Aufbruch und Zugehörigkeit geprägt sein sollten, waren für mich oft ein Spießrutenlauf der Anpassung. Man probiert Rollen aus, zieht Masken an, schneidet sich Ecken und Kanten ab, nur um irgendwo hineinzupassen. Man tut alles, um dazuzugehören – und fühlt sich paradoxerweise genau in den Momenten, in denen man von Menschen umgeben ist, am allerverlassensten. Weil man weiß, dass sie nicht dich sehen, sondern nur die Rolle, die du gerade spielst.

Der Trugschluss der perfekten Fassaden

Als wir den Grundstein für Pure & Positive legten, war dieser alte, kindliche Schmerz unbewusst vielleicht mit ein innerer Kompass. Ich wollte einen Ort schaffen, der das genaue Gegenteil von dieser kalten Glasscheibe ist. Eine Zuflucht vor dem ohrenbetäubenden, oft so unbarmherzigen Lärm der Welt. Ein Medium für das Schöne, das Wahre, das Optimistische. Es ist im digitalen Zeitalter so unendlich leicht geworden, eine perfekte, „positive“ Welt zu inszenieren. Wir generieren ästhetische Feeds, teilen kluge Zitate über Achtsamkeit, Heilung und Selbstliebe und verpacken das Leben in mundgerechte, wunderschöne Häppchen. Wir senden und senden.

Doch wenn du dann abends allein auf dem Sofa sitzt, das bläuliche Licht des Smartphones dein Gesicht erhellt und du durch diese makellosen Inhalte scrollst – fühlst du dich dann wirklich getröstet? Oder schleicht sich nicht genau in diesem Moment wieder dieses alte, kindliche Gefühl ein, am Rand zu stehen und einer perfekten Welt zuzusehen, zu der man selbst keinen Zugang hat? Genau deshalb sage ich heute in aller Deutlichkeit: Ein reines Medium zu sein, das einfach nur Inhalte produziert, reicht uns nicht mehr. Es ist uns nicht genug. Weil Positivität ohne Verbundenheit eine Farce ist. Sie ist wie ein wunderschönes, durchdesigntes Haus, in dem die Heizung ausgefallen ist. Es sieht von außen toll aus, aber es wärmt dich nicht, wenn du frierst.

„Der Schmerz unserer Kindheit und Jugend war selten der Mangel an schönen Dingen – es war der Mangel an Menschen, die uns das Gefühl gaben, genau so, wie wir sind, richtig zu sein. Verbundenheit ist das Pflaster auf dieser alten Wunde.”

Warum wir eine Gemeinschaft wollen, kein Publikum

Ein klassisches Medium trennt die Welt strikt auf: Hier sind die Macher, die Experten, die Content-Creator – und dort drüben ist das Publikum. Das Publikum sitzt im Dunkeln, schaut passiv zu und konsumiert. Genau diese Dynamik triggert die alte Einsamkeit des Heranwachsens. Sie hält dich in der Rolle des Beobachters. Wir wollen das Licht im Zuschauerraum anknipsen. Wir weigern uns, aus einem Elfenbeinturm heraus Ratschläge zu erteilen. Wir wollen kein Publikum, wir wollen eine Gemeinschaft auf Augenhöhe. Wenn wir über persönliche Weiterentwicklung, über mentale Gesundheit oder die reinen Freuden des Alltags sprechen, dann tun wir das nicht als Menschen, die alles verstanden haben. Wir tun es als Suchende. Wir stolpern, wir zweifeln und wir tragen die Narben unserer eigenen Vergangenheit mit uns herum.

Wir wollen einen Raum schaffen, in dem drei Dinge oberste Priorität haben: Wir wollen den Schmerz nicht weglächeln. Wahre Positivität entsteht nicht, indem man das Dunkle leugnet, sondern indem man gemeinsam das Licht sucht. Deine Brüche und deine unperfekten Tage gehören hierher. Ein Medium wird erst dann zu einer Heimat, wenn es ein Dialog ist. Deine Geschichten, deine Ängste und deine Meilensteine sind das eigentliche Herzstück von Pure & Positive. Wenn der alte Schmerz der Isolation wieder anklopft, sollst du hierherkommen können und beim Lesen spüren: „Gott sei Dank, es geht nicht nur mir so.“ Dieses kollektive Aufatmen ist der Moment, in dem die Glasscheibe zerspringt.

Ein Versprechen für die Zukunft

Am Ende des Tages ist jede Website, jedes Magazin und jeder Text nur ein leeres Skelett aus Pixeln und Buchstaben. Erst du, mit deiner Lebensgeschichte, deiner Sensibilität und deiner Bereitschaft, dich berühren zu lassen, füllst diesen Raum mit echter Wärme. Pure & Positive ist für mich und uns kein Projekt, das wir für dich machen. Es ist ein lebendiger, atmender Raum, den wir mit dir gestalten wollen. Wir möchten die Brücke sein, die das einsame Kind von damals abholt und ihm zeigt: Du bist nicht mehr allein am Rand. Du bist mittenreingezogen in ein Netz aus Menschen, die dasselbe fühlen. Schön, dass du da bist. Lass uns diesen Raum gemeinsam mit Leben füllen und wirklich miteinander verbunden bleiben.

Bis in zwei Wochen, zu meiner nächsten Kolumne,

deine Christin

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