Gemeinsam für eine bessere Welt

Ruhepol für Menschen in Verantwortung.

Christin Prizelius | 02.06.2026 | Gastbeitrag von Bernhard Görlich | Anzeige | © Bernhard Görlich

Die Anforderungen an Führungskräfte, Unternehmer und Menschen in gesellschaftlicher Verantwortung wachsen in einer zunehmend komplexen und schnelllebigen Welt kontinuierlich. In Zeiten ständiger Erreichbarkeit und permanenter Entscheidungsdruck wird die Fähigkeit, innezuhalten, nicht mehr als Schwäche, sondern als kritischer Erfolgsfaktor für nachhaltiges Handeln betrachtet. In dem folgenden Gastbeitrag widmet sich Bernhard Görlich genau dieser zentralen Herausforderung. Er beleuchtet, warum das Schaffen eines inneren und äußeren Ruhepols für Menschen in Verantwortung keine bloße Wellness-Maßnahme ist, sondern das Fundament für Klarheit, Resilienz und gesunde Führung.

Das Wartungs-Dilemma: Warum Hochleistungsmaschinen das Zulassen lernen müssen

Wir saßen in einem Workshop mit der oberste Führungsebene eines mittelständischen Unternehmens. Draußen regnete es gegen die Scheiben des Besprechungsraumes. Die Aufgabe war simpel: Jeder sollte eine „Persona“ von sich erstellen. Ein Blatt Papier, Platz für Stärken, ein persönliches Powersymbol und das eigene „Kryptonit“ – jene Schwachstelle, die uns im Kern verwundbar macht. Ich beobachtete die Gruppe. Während die Teamleiter eifrig zeichneten und schrieben, blieb ein Blatt fast unberührt. Es gehörte einem Mitglied der Geschäftsführung. Am Ende stand dort lediglich ein Name. Kein Symbol, keine Stärke, erst recht kein Kryptonit. Ein weißes Blatt als Schutzschild. In diesem Moment war die Einsamkeit im Raum fast greifbar. Es war die Angst, sich vor den eigenen Leuten die Blöße zu geben. Eine Blockade, die sich wie ein unsichtbarer Nebel über die gesamte Firmenkultur legte.

Wenn die Maschine sich selbst die Wartung verweigert

Menschen in Führungspositionen wirken oft wie Hochleistungsmaschinen – und behandeln sich selbst auch so. Sie funktionieren, sie liefern, sie steuern. Doch genau hier liegt der Konstruktionsfehler: Jede Maschine in der Fertigung hat fest definierte Wartungsintervalle. Sie wird abgeschaltet, geprüft und geölt um ihre Präzision zu erhalten. Der Mensch an der Spitze gönnt sich diesen “Stillstand” selten. Er bleibt mit seinen persönlichen Themen einsam, während die “Festplatte” überläuft. Warum? Weil die “Öffnung” innerhalb des Unternehmens in der Regel nicht folgenlos bleibt. Die Souveränität muss aufrecht erhalten bleiben. In der Familie wiederum fehlt oft das tiefere Verständnis für die spezifische Last, die eine solche Hochleistungsmaschine täglich trägt. So entsteht ein Vakuum. Ein Raum, in dem Zweifel zu Widerständen und Sorgen zu existenziellen Ängsten werden können, ohne dass es jemand bemerkt – oft nicht einmal die “Maschine” selbst, bis es zum Systemausfall kommt.

„Jeder von uns handelt nach Mustern. Manche sind uns bewusst und dienen uns als verlässliche Werkzeuge. Doch es gibt jene unbewussten Muster, die uns schleichend in eine Einbahnstraße oder Sackgasse führen. Wir merken, dass das Ergebnis unzufriedenstellend ist, dass die Reibungsverluste im Team steigen oder die eigene Energie schwindet. Dennoch geben wir Gas, weil wir gelernt haben, dass „höhere Drehzahl“ die einzige Lösung sein muss.”

Die Einbahnstraße der unbewussten Muster

Jeder von uns handelt nach Mustern. Manche sind uns bewusst und dienen uns als verlässliche Werkzeuge. Doch es gibt jene unbewussten Muster, die uns schleichend in eine Einbahnstraße oder Sackgasse führen. Wir merken, dass das Ergebnis unzufriedenstellend ist, dass die Reibungsverluste im Team steigen oder die eigene Energie schwindet. Dennoch geben wir Gas, weil wir gelernt haben, dass „höhere Drehzahl“ die einzige Lösung sein muss. Es ist möglich, aus diesen Mustern auszubrechen. Es gibt diesen einen Moment, diesen Abzweig vor dem dunklen Tunnel, an dem wir entscheiden können, das Steuer herumzureißen. Doch diesen Punkt allein zu finden, ist schwer. Unsere eigenen blinden Flecken sind per Definition für uns unsichtbar – wir können die Maschine nicht reparieren, während wir bei 200 km/h am Steuer sitzen.

Der Mut zum externen Service-Intervall

Hier kommen wir an den entscheidenden Punkt: das Zulassen. In meiner Arbeit als systemischer Sparringspartner sehe ich immer wieder, dass es nicht an Unterstützungsmöglichkeiten mangelt. Der Markt ist gut gefüllt mit Angeboten zur Hilfestellung. Was wirklich fehlt, ist die innere Erlaubnis, einen „Blick von außen“ überhaupt an das eigene System heranzulassen. Wahre Hilfe zur Selbsthilfe ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Akt höchster Souveränität, sich ein externes Service-Intervall zu gönnen. Jemandem zu erlauben, die Resonanz zu geben, die im Unternehmen niemand geben kann oder darf. Das “Defragmentieren” der Festplatte zu gestatten.

Wie gelingt der erste Schritt aus der Isolation?

  1. Die Betriebstemperatur prüfen: Halten Sie kurz inne, wenn Sie das nächste Mal merken, dass Sie „im Tunnel“ sind. Welches Gefühl treibt Sie gerade an? Ist es Souveränität oder die Angst vor Kontrollverlust?
  2. Den blinden Fleck akzeptieren: Wir alle haben ihn. Ihn zu leugnen, macht uns nicht leistungsstärker, sondern anfälliger für unvorhergesehene Konflikte.
  3. Resonanz zulassen: Suchen Sie sich einen Raum außerhalb Ihres gewohnten Systems. Einen Ort, an dem Sie keine Rolle spielen müssen, sondern Mensch sein dürfen.

„Wenn wir den Mut finden, unser „Kryptonit“ nicht mehr als Makel, sondern als Teil unserer menschlichen Realität zu sehen, bröckelt die Business-Fassade auf eine heilsame Weise. Wir werden wieder wirksam.”

Das Ziel: Handlungsfreiheit statt Fassade

Wenn wir den Mut finden, unser „Kryptonit“ nicht mehr als Makel, sondern als Teil unserer menschlichen Realität zu sehen, bröckelt die Business-Fassade auf eine heilsame Weise. Wir werden wieder wirksam. Nicht, weil wir alles allein können, sondern weil wir die Reibungsverluste unserer eigenen Muster minimieren und uns die Wartung gönnen, die jede Hochleistungsmaschine braucht. Wahre Führung beginnt bei der Selbstführung. Und die beginnt dort, wo wir aufhören, ein leeres Blatt Papier als Schutzschild vor uns herzutragen.

Bernhard Görlich – Ruhepol für Menschen in Verantwortung

Nach 25 Jahren in der industriellen Welt – von Entwicklung über Fertigung bis Projektmanagement – und über drei Jahrzehnten als Turntrainer verbindet Bernhard heute zwei Dinge, die selten zusammenkommen: Struktur und Gefühl. Als systemischer Sparringspartner und vierfacher Familienvater begleitet er Menschen in Verantwortung, bei denen gerade viele Themen gleichzeitig laufen. In seinen Gesprächen entsteht Raum, in dem sich Gedanken ordnen und neue Perspektiven sichtbar werden – oft genau dort, wo vorher nur Druck oder Unklarheit war. Sein Ansatz ist dabei bewusst unaufgeregt: zuhören, hinterfragen, sortieren. Für eine Führung, die nicht alles allein tragen muss.

Mehr dazu HIER.

Bild: © Bernhard Görlich



Hast auch du Lust, gemeinsam Mehrwerte auf unserem Portal für eine bessere Welt zu gestalten? Dann melde dich gerne bei uns: christin@pureandpositive.com



Mehr aus unseren Kategorien

Die Weisheit der Sterne.

Die Weisheit der Sterne.

Die Sterne haben die Menschheit seit jeher fasziniert. Sie dienen uns als Kompass, erzählen Geschichten von fernen Welten und bergen Wahrheiten, die weit über unseren Alltag hinausgehen. In ihrem heutigen Gastbeitrag nimmt uns Daniela Böhm mit auf eine wunderbare...