Es gibt Tage, an denen die Welt mal wieder viel zu laut und kompliziert ist, und wir uns insgeheim Pippi Langstrumpfs unerschütterliche Gelassenheit zurückwünschen. Pippi hat es Christin eigentlich schon als Kind vorgelebt, denn wahre Resilienz bedeutet nicht, keine Stürme zu erleben, sondern sich die Welt mit mutigem Eigensinn stur so zu machen, wie sie einem gefällt. Christin erwischt sich manchmal selbst dabei, wie sie krampfhaft versucht, als vernünftiger Erwachsener durchs Leben zu navigieren, während die echte mentale Widerstandskraft längst in uns schlummert. Ein Pferd auf der Veranda, eine Kiste voller Gold und das tiefste Vertrauen, dass jedes Problem lösbar ist: Pippi war vielleicht die erste echte Resilienz-Expertin unserer Kindheit. Wann genau haben wir eigentlich verlernt, den kleinen und großen Krisen des Alltags mit genau dieser frechen Leichtigkeit (eines Mädchens mit roten Zöpfen) zu begegnen? Darum geht es in der heutigen Kolumne…
Kennst du diese Tage, an denen die Welt mal wieder viel zu laut, zu durchgetaktet und zu kompliziert ist? Tage, an denen der Terminkalender überquillt, die Nachrichten einen erdrücken und die eigene To-do-Liste sich anfühlt wie ein unbezwingbarer Berg? In solchen Momenten erwische ich mich oft dabei, wie ich krampfhaft versuche, die perfekte, vernünftige Erwachsene zu sein. Ich versuche, die Kontrolle zu behalten, alles richtig zu machen und Stärke zu demonstrieren. Doch genau an diesem Punkt frage ich mich immer öfter: Wann haben wir eigentlich damit angefangen, Resilienz mit starrem Durchhalten zu verwechseln? Und wann haben wir verlernt, den Stürmen des Lebens mit der frechen Leichtigkeit eines Mädchens mit roten Zöpfen zu begegnen?
„Pippi Langstrumpf war vermutlich die erste und beste Resilienz-Expertin unserer Kindheit. Ein Pferd auf der Veranda, eine Kiste voller Gold, die Schuhe zwei Nummern zu groß und eine schier unendliche Zuversicht im Herzen.”
Pippi hatte keine Angst vor der Zukunft. Sie hatte keine Angst vor dem Alleinsein, vor Autoritäten oder vor Rückschlägen. Wenn etwas schiefging, erfand sie einfach ein neues Spiel. Pippi hat uns vorgelebt, was echte mentale Widerstandskraft bedeutet: Nicht, dass wir keine Krisen erleben, sondern wie wir ihnen begegnen – nämlich mit einem Augenzwinkern, Selbstvertrauen und einer gehörigen Portion Eigensinn. Ja, Pippi war nun eine fiktive Figur, geschaffen von Astrid Lindgren, aber die Lebensweise “Pippi” steckt in uns Kindern. In der modernen Psychologie sprechen wir heute von Resilienzfaktoren wie Optimismus, Lösungsorientierung und der Fähigkeit, die Dinge nicht zu persönlich zu nehmen. Pippi besaß all das ganz ohne Fachbegriffe. Erinnere dich an die Szene, in der sie sich vornimmt, das Klavierspielen zu lernen. Als man sie fragt, ob sie es denn könne, antwortet sie ganz selbstverständlich: „Nein, das habe ich noch nie ausprobiert. Aber ich schätze, das kann ich ganz bestimmt.“ Wie oft sagst du dir selbst vor einer neuen Aufgabe: „Das schaffe ich nie“ oder „Dafür bin ich nicht ausgebildet“? Pippis Haltung ist das stärkste Gegenmittel gegen unser mentales Hamsterrad aus Selbstzweifeln und Perfektionsdrang. Echte Resilienz beginnt im Kopf mit dem mutigen Glauben an die eigenen Fähigkeiten, selbst wenn das Terrain völlig neu ist.



Pippi hat sich ihre Welt nie schöngeredet, aber sie hat sich geweigert, das Opfer ihrer Umstände zu sein. Als die Einbrecher Donner-Karlsson und Bloom in die Villa Kunterbunt einbrachen, um ihr Gold zu stehlen, geriet sie nicht in Panik. Sie sperrte sie nicht einfach weg oder rief nach der Polizei. Sie bat sie zum Tanz, teilte ihr Essen mit ihnen und gab ihnen am Ende sogar Goldmünzen mit auf den Weg. Sie hat eine drohende Gefahr in ein gemeinsames Erlebnis verwandelt.
„Das ist die hohe Kunst der Reframing-Methode: Schwierigen Situationen eine neue Bedeutung geben. Wenn der Bus verpasst wird, ist das keine Katastrophe, sondern eine geschenkte halbe Stunde mit dem Lieblingspodcast.”
Wenn das Projekt scheitert, ist es kein persönliches Versagen, sondern ein lehrreiches Experiment. Wie können wir dieses Pippi-Prinzip nun in unseren oft so durchorganisierten Alltag integrieren? Es braucht dafür keine Villa Kunterbunt, sondern kleine, bewusste Entscheidungen im Alltag. Nimm dir für die kommende Woche drei ganz konkrete Impulse mit:
- Hinterfrage die Regeln der Erwachsenenwelt: Müssen Betten immer sofort gemacht werden? Muss jede E‑Mail innerhalb von zehn Minuten beantwortet werden? Erlaube dir, unnötige Erwartungen einfach über Bord zu werfen und Dinge so zu tun, wie sie für dich funktionieren.
- Feiere das Unperfekte: Wenn dir etwas misslingt, probiere Pippis Haltung aus. Sag dir nicht: „Ich habe versagt“, sondern: „Das habe ich noch nie ausprobiert, beim nächsten Mal wird es anders.“ Gib dir die Erlaubnis, Fehler als Spielmaterial des Lebens zu sehen.
- Erschaffe deine eigenen Kunterbunt-Momente: Wenn der Alltag grau wird, bring Farbe hinein. Iss das Dessert zuerst, zieh bunte Socken zum Vorstellungsgespräch an oder tanze mitten im Wohnzimmer zu deinem Lieblingslied. Resilienz speist sich aus Momenten echter Freude und Selbstbestimmung.
Ich wünsche dir für diesen Sonntag, dass du dir ein Stück dieses kindlichen Urvertrauens zurückholst. Lass die Sorgen für einen Augenblick Sorgen sein, atme tief durch und erinnere dich daran, wie viel Kraft in dir steckt.
„Mach dir deine Welt einfach ein bisschen mehr so, wie sie dir gefällt. Denn am Ende des Tages sind es nicht die starrsten Bäume, die dem Sturm trotzen – es sind diejenigen, die flexibel im Wind tanzen.”
Und ich wünsche dir den Mut, heute mindestens eine Regel zu brechen, die dich schon lange einschränkt. Lass uns diesen Tag nutzen, um die roten Zöpfe in unserem Kopf festzustecken und den Alltag mit ein bisschen mehr Astrid-Lindgren-Magie zu nehmen. Denk daran, wenn der Montag morgen anklopft: Du bist viel stärker, als du glaubst, und das Leben ist viel zu kurz, um es komplett vernünftig zu verbringen. Vielleicht ist echte Resilienz am Ende gar keine komplizierte Wissenschaft, sondern einfach die Entscheidung, das eigene Herz nie ganz erwachsen werden zu lassen. In diesem Sinne: Zieh dir unpassende Socken an, tanz durchs Wohnzimmer und mach dir deine Welt heute einfach genau so, wie sie dir gefällt!
Steckt in dir auch noch ein bisschen Pippi? 🙂
Bis in 14 Tagen,
deine Christin

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