Wie bleibt man mental gesund, wenn Nachrichten, Inflation und globale Spannungen eigentlich nur noch Dauerstress in uns auslösen?! Zur Vorbereitung im Team auf die bundesweite Woche der seelischen Gesundheit unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander – für eine Gesellschaft, in der jede Psyche zählt“ vom 10. Oktober bis 20. Oktober 2026, hat sich Christin sehr persönlich in ihrer Kolumne genau damit auseinandergesetzt. Die Bewältigung von Dauerstress durch globale Krisen erfordert hier in ihren Augen eine bewusste Abgrenzung, beispielsweise durch das Reduzieren von ständigen Eilmeldungen (Doomscrolling), um sich von weltweiten Problemen nicht überwältigen zu lassen. Hier hilft die Konzentration auf den eigenen Einflussbereich im direkten Umfeld, um handlungsfähig zu bleiben. Und genau das steht in unserer eigenen Macht. Regelmäßige Auszeiten und Selbstfürsorge sind dabei kein Egoismus, sondern die notwendige Voraussetzung für mentale Gesundheit und gesellschaftliche Handlungsfähigkeit.
Der Morgen beginnt in letzter Zeit bei mir nicht mehr nur mit dem Geruch von frischem Kaffee, sondern auch mit dem kalten, blauen Leuchten meines Smartphones, während die Kinder noch schlafen. Ich genieße es, morgens etwas Zeit nur für mich zu haben, um die ersten Aufgaben des Tages anzustoßen. Aber noch vor dem ersten Schritt aus dem Bett wische ich durch Schlagzeilen und die ersten Emails: Der Klimawandel lässt die globale Temperatur weiter steigen, neue politische Spannungen erschüttern das Weltgeschehen und der Einkaufszettel wird von Monat zu Monat spürbar teurer. Es ist eine schleichende Lähmung. Wie las ich dazu gerade: Wir leben mitten in einer Polykrise, in der sich Katastrophen nicht mehr ordentlich hintereinander anstellen, sondern im Chor auf uns einbrüllen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber dieser ständige Fokus auf Angst macht uns handlungsunfähig, engt uns ein und viele Medien forcieren dies zusätzlich. Gerade traf ich meine lang geschätzte und befreundete Kollegin Dr. Ilona Bürgel in Hamburg. Wir sprachen über ähnliches — und was diese Zeit mit uns macht. Sie ist Diplom-Psychologin und hat mir nochmal einige Denkanstöße gegeben. Zwischendurch sagte sie ein paar Male: „Atme, Christin!” 🙂 . Wir sprachen sehr intensiv über das, was aktuell auf uns einprasselt. Die Informationsflut, Sorgen und Ängste unserer Zeit.
„Früher dachte ich, informiert zu sein sei eine Bürgerpflicht. Heute fühlt es sich oft eher wie eine Form der Selbstgeißlung an.”
Vor ein paar Wochen stand ich zum Beispiel wieder mal im Supermarkt, vor dem Regal mit Olivenöl und wenig später auch dem Kaffee. Als ich jeweils das Preisschild sah, hielt ich inne. Es war kein finanzieller Ruin, der mich in diesem Moment traf, sondern ein plötzliches Gefühl der Ohnmacht. Es ging nicht nur um die paar Euro mehr für das Öl oder den Kaffee. Es ging um die Summe aus allem: der Preis für das Brot, die Nebenkostenabrechnung im Briefkasten, die Nachrichten aus den Kriegsgebieten und die vage, aber stetige Zukunftsangst. In meinem Kopf zog ein Gewitter auf. Mein Herz schlug schneller, der Blick verengte sich. Ich spürte diese ganz spezielle Form des modernen Dauerstresses. Die Frage in diesem Moment wieder an mich selbst:
„Wie bleibt man mental gesund, wenn die Welt da draußen aus den Fugen gerät?”
IIona riet hier zu regelmäßigen und bewussten Pausen zwischendurch. Ich habe lange versucht, mich mit Disziplin gegen diese Belastung zu wehren. Ich habe mir eingeredet, ich müsse nur abgehärteter sein, rationaler denken oder produktiver arbeiten. Doch Selbstoptimierung ist ein schlechtes Pflaster für eine Seele, die unter der Last der Weltlage ächzt. Was mir tatsächlich hilft, ist keine magische Methode, sondern eine radikale Erlaubnis zur Abgrenzung. Der erste Schritt war schmerzhaft, aber notwendig: Mein Nachrichtenkonsum brauchte feste Grenzen. Dauerhaftes Scrolling – das sogenannte Doomscrolling – vermittelt unserem Gehirn das Signal einer unmittelbaren, bedrohlichen Gefahr. Unser Nervensystem unterscheidet nicht zwischen einem Tiger im Gebüsch und einer schrecklichen Meldung auf dem Bildschirm. Es schüttet Cortisol aus, macht uns kampf- oder fluchtbereit. Nur, dass wir auf der Couch weder kämpfen noch fliehen können. Ich habe die Benachrichtigungen auf meinem Telefon stummgeschaltet. Ich lese Nachrichten jetzt bewusst zu festgelegten Zeiten und auf Papier oder über ausgewählte Portale – nicht mehr als ständigen Strom von Eilmeldungen im Fünf-Minuten-Takt.
„Der zweite Schritt betrifft das, was ich meinen „Handlungsradius“ nenne. Wenn wir versuchen, die Weltprobleme individuell im Kopf zu lösen, scheitern wir zwangsläufig. Die Folge ist emotionale Erschöpfung. Ich musste lernen, die Grenze zwischen meinem Sorgenkreis und meinem Einflusskreis schärfer zu ziehen.”
Ich kann die weltweiten Lieferketten oder die Inflation nicht im Alleingang korrigieren. Aber ich kann entscheiden, wie ich mit meinem Umfeld umgehe. Ich kann den Nachbarn unterstützen, ein ehrliches Gespräch mit Freunden führen, mein Geld bewusst ausgeben oder mich lokal engagieren. Das verkleinert die Welt auf ein Maß, das ich wieder greifen kann. Wir gewinnen unsere mentale Gesundheit nicht zurück, indem wir die Welt ignorieren, sondern indem wir uns auf den Bereich konzentrieren, in dem wir tatsächlich etwas bewirken können.



Gleichzeitig verwechseln wir Abgrenzung aber dann auch oft mit Gleichgültigkeit oder Egoismus. Doch das Gegenteil ist der Fall: Nur wer die eigene mentale Batterie nicht dauerhaft auf Null fährt, bleibt überhaupt handlungsfähig für andere. Wenn wir selbst am Boden liegen, nützt das niemanden – weder der Familie noch der Gesellschaft. Selbstfürsorge ist in Krisenzeiten kein Luxus, sondern die grundlegende Voraussetzung dafür, dass wir als mitfühlende und engagierte Menschen funktionieren können. Schließlich erfordert die Bewahrung der eigenen Mitte in diesen Zeiten eine gewisse Prise Nachsicht mit sich selbst. Es ist völlig in Ordnung, von den Ereignissen überfordert zu sein. Es ist in Ordnung, Angst zu haben oder wütend zu sein. Mentale Gesundheit bedeutet in einer dauerausgetickten Welt nicht, Dauerglück zu empfinden oder stoisch durch den Tag zu schweben. Es bedeutet, die eigenen Grenzen zu akzeptieren und sich nicht dafür zu schämen, dass man Pausen braucht.
„Manchmal bedeutet Selbstfürsorge schlicht, das Handy in eine Schublade zu legen, die Schuhe anzuziehen und durch den Park zu gehen. Den Wind im Gesicht zu spüren, die Füße auf dem Boden wahrzunehmen und festzustellen: Hier, in diesem konkreten Moment, bin ich sicher.”
Die Krisen der Welt verschwinden dadurch nicht. Aber wir schaffen uns den Raum, den wir brauchen, um ihnen mit klarem Kopf und einem funktionierenden Nervensystem zu begegnen. Den Kopf in den Sand zu stecken hilft niemandem – aber ihn ständiger Überforderung auszusetzen ebenso wenig. Das Gleichgewicht liegt im bewussten Rückzug, um mit neuer Kraft wieder hinzusehen…
Was denkst du darüber? Wie steht es um deinen Medienkonsum? Was macht es mit deinem seelischen Gleichgewicht?
Ich freue mich auf den Austausch mit dir dazu,
deine Christin

Du möchtest mich persönlich und unsere Community kennenlernen?
Dann schreibe mir eine Mail an christin@pureandpositive.com und komme unverbindlich beim nächsten digitalen Kaffee in unseren Inner Circle. Ich freue mich auf dich.








0 Kommentare