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Es ist nie zu spät, stärker zu werden

Christin Prizelius | 28.10.2026 | Gastbeitrag von Dr. Swaantje Taube / Unbezahlter Beitrag | © Pexels

Eine Krebsdiagnose und die abrupt einsetzenden Wechseljahre veränderten das Leben von Dr. Swaantja Taube mit Ende 40 von Grund auf. Statt des aussichtslosen Kampfes gegen das Altern entwickelte sie daraufhin ihren ganz persönlichen Kompass für ein gesundes Älterwerden. Im Zentrum steht für sie seither die Erkenntnis, dass wir durch unseren Lebensstil viel mehr Einfluss auf unsere körperliche und geistige Zukunft haben als gedacht. Ganzheitliches Healthy Aging bedeutet für sie deshalb weit mehr als Fitness und Ernährung: Es umfasst auch einen achtsamen Umgang mit Schlaf, ein positives Mindset und die pure Lebensfreude. Denn wer gut für sein zukünftiges Ich sorgen möchte, muss nicht das ganze Leben umkrempeln, sondern einfach den ersten Schritt machen.

Was ich mit Mitte 50 über Healthy Aging, Lebensfreude und einen echten Neustart gelernt habe.

Mit 49 bekam ich die Diagnose Brustkrebs. Die Chemotherapie und später die Entfernung meiner Eierstöcke katapultierten mich praktisch über Nacht in die Wechseljahre. Mein Körper veränderte sich. Mein Schlaf veränderte sich. Meine Energie veränderte sich. Und irgendwann stellte ich mir eine Frage, die für mich vieles ins Rollen brachte:

Wie möchte ich eigentlich älter werden?

Nicht: Wie kann ich verhindern, älter zu werden? Das kann niemand. Sondern: Was kann ich selbst dafür tun, möglichst lange gesund, stark, selbstständig und mit Freude durchs Leben zu gehen? Heute bin ich 55 und diese Frage beschäftigt mich mehr denn je. Ich nenne es Healthy Aging. Denn mit dem Begriff Anti Aging konnte ich noch nie viel anfangen. Ich will mein Alter nicht bekämpfen. Ich möchte gesund und stark älter werden und mich dabei in meinem Körper wohlfühlen.

Wir haben mehr Einfluss, als wir oft denken

Unsere Gene spielen beim Älterwerden eine Rolle. Aber sie sind nicht die ganze Geschichte. Auch Umwelt, Lebensbedingungen und unser Verhalten beeinflussen, wie wir altern. Sogar die Aktivität bestimmter Gene kann durch äußere Faktoren beeinflusst werden. Genau damit beschäftigt sich unter anderem die Epigenetik.

Mich fasziniert daran vor allem eine Erkenntnis: Ich kann nicht alles bestimmen. Aber ich kann etwas tun.

Besonders deutlich wird das bei unserer Gehirngesundheit. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass theoretisch fast die Hälfte der Demenzfälle verhindert oder zumindest verzögert werden könnte, wenn beeinflussbare Risikofaktoren reduziert würden.

Das finde ich enorm.

Bewegung, Blutdruck, Cholesterin, Hörgesundheit, soziale Kontakte, Neues lernen: Viele Dinge, die unserem Körper guttun, tun gleichzeitig unserem Gehirn gut.

Genau deshalb betrachte ich Healthy Aging nicht als einzelne Maßnahme. Ernährung, Bewegung und Kraft, Schlaf, Mindset, soziale Kontakte und auch die Freude am eigenen Leben gehören für mich zusammen.

Muskeln sind für mich eine Investition in meine Zukunft

Ich habe erst mit Anfang 50 wirklich verstanden, wie wichtig Krafttraining für mich ist. Früher dachte ich beim Freihantelbereich im Fitnessstudio eher an Bodybuilder als an Frauen wie mich.

Heute trainiere ich mehrmals pro Woche Kraft.

Nicht, weil ich mit 55 aussehen möchte wie mit 30. Sondern weil ich auch mit 70 oder 80 meine Einkaufstaschen tragen, Treppen steigen, reisen und möglichst selbstständig leben möchte.

Das hat meinen Blick auf Sport komplett verändert. Ich trainiere für mein zukünftiges Ich.

Und dafür braucht es nicht sofort eine Stunde Fitnessstudio. Zwei Hanteln zu Hause können ein Anfang sein. Zehn Minuten sind besser als null. Ein Spaziergang zählt genauso.

Der wichtigste Schritt ist der, überhaupt anzufangen.

Regelmäßig essen statt immer mehr weglassen

Auch bei meiner Ernährung hat sich mein Blick verändert. Früher bedeutete „gesund“ für mich vor allem viel Gemüse und möglichst wenig Ungesundes.

Heute achte ich sehr bewusst auf Protein, Ballaststoffe und gesunde Fette. Mein Teller soll bunt sein. Gemüse, Hülsenfrüchte, Beeren, Nüsse und Samen gehören für mich genauso dazu wie gute Proteinquellen.

Und ich habe aufgehört, Gesundheit mit ständigem Weglassen gleichzusetzen.

Ich esse regelmäßig und lasse normalerweise keine Mahlzeiten aus. Auch nicht das Frühstück. Gerade dazu schreiben mir viele Frauen: „Ich frühstücke gar nicht mehr.“ Für mich persönlich funktioniert das nicht. Mein Körper soll sich darauf verlassen können, regelmäßig mit Energie und Nährstoffen versorgt zu werden.

Das bedeutet aber nicht, dass ich mit meiner Lunchbox durch Paris laufe. Wenn ich dort bin, esse ich mein Éclair. Und in Wien genieße ich ein gutes Schnitzel. Danach freue ich mich genauso auf meine Routinen zu Hause.
Genuss und gesund schließen sich nicht aus. Für mich gehört Genuss sogar zu einem gesunden Leben dazu.

Schlaf ist keine verlorene Zeit

Eine meiner schwierigsten Lektionen war der Schlaf.

Ich war lange stolz darauf, mit wenig Schlaf auszukommen. Heute halte ich das nicht mehr für erstrebenswert.

Ich versuche, möglichst regelmäßig ins Bett zu gehen und aufzustehen. Abends wird das Licht gedimmt, das Handy darf weg und mein Schlafzimmer bleibt kühl. Ich habe gelernt, meinen Körper nicht bis zur letzten Minute des Tages mit Arbeit, Essen und Informationen zu beschäftigen und dann zu erwarten, dass er auf Knopfdruck zur Ruhe kommt.

Schlaf ist für mich inzwischen genauso wichtig wie Bewegung und Ernährung. Und auch unsere Gehirngesundheit profitiert davon, wenn wir Schlaf ernst nehmen.

Mein Kopf gehört genauso dazu wie mein Körper

Vielleicht ist das sogar meine wichtigste Erkenntnis.

Ich führe noch immer To-do-Listen. Aber inzwischen habe ich auch eine Done-Liste. Ich schaue nicht nur darauf, was noch vor mir liegt, sondern ganz bewusst darauf, was ich bereits geschafft habe.

Und ich habe zwei Sätze in meinem Alltag verändert:

Ich darf. Ich muss nicht.

Das verändert erstaunlich viel.

Genauso wie die Frage: Kann ich gerade überhaupt etwas an dieser Situation ändern?

Der Zug hat Verspätung. Ich kann mich 45 Minuten darüber ärgern. Der Zug fährt dadurch keine Minute früher. Oder ich überlege: Was mache ich jetzt mit dieser Zeit? Ich arbeite etwas, höre einen Podcast oder lehne mich zurück und schaue aus dem Fenster.

Die Verspätung kann ich nicht beeinflussen. Meine Haltung dazu schon.

Genau das bedeutet positives Mindset für mich. Nicht alles schönzureden. Sondern meine Energie dort einzusetzen, wo ich tatsächlich etwas verändern kann.

Und ja, auch Mode und Beauty gehören für mich dazu

Vielleicht ist das ungewöhnlich in einem Artikel über gesundes Älterwerden. Für mich gehört es unbedingt dazu.
Ein Lippenstift macht mich nicht gesünder. Eine gut sitzende Jeans verlängert nicht mein Leben.
Aber mich um mich selbst zu kümmern, mich so anzuziehen, wie ich möchte, und mich im Spiegel anzusehen und zu denken „Ja, das bin ich“, hat für mich mit Selbstachtung und Lebensfreude zu tun.
Ich bewahre deshalb meine schönsten Sachen nicht mehr für irgendwann auf.
Das Leben ist jetzt.

Fang mit einer Sache an

Du musst morgen nicht dein ganzes Leben verändern.

Vielleicht gehst du heute 20 Minuten spazieren. Vielleicht beginnst du mit Krafttraining. Vielleicht rufst du eine Freundin an, bei der du dich schon lange nicht gemeldet hast. Vielleicht legst du dein Handy heute Abend früher weg. Oder du probierst etwas aus, das du noch nie gemacht hast.

Und vielleicht stellst du dir eine Frage:

Was kann ich heute für die Frau tun, die ich mit 70 oder 80 sein möchte?

Ich weiß nicht, wie alt ich werde. Das weiß niemand.

Aber ich weiß, wie ich älter werden möchte: neugierig, stark, gesund, sichtbar und mit möglichst viel Freude am Leben.

Für mich ist genau das Healthy Aging.

Und dafür ist es nie zu spät.


Dr. Swaantje Taube ist promovierte Volljuristin, Autorin und Speakerin. Mit 52 Jahren startete sie beruflich noch einmal neu und macht heute vor allem Frauen ab 50 Mut, ihre Gesundheit und ihr Leben aktiv in die Hand zu nehmen. Auf Instagram @swaantjetaube sowie auf ihrem Blog teilt sie mit ihrer Community ihre Erfahrungen und alltagstauglichen Impulse rund um Healthy Aging, Wechseljahre, Krafttraining, Ernährung, Schlaf, Mindset, Mode und Beauty. Als Styling-Profi ist sie außerdem in der ZDF-Sendung „That’s My Style“ zu sehen. Ihr Buch „Happiness & Longevity. Das Mut- und Mitmachbuch für Frauen 50+“ ist 2026 im Christian Verlag erschienen.

Mehr dazu HIER.

Bild: ©


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