Gemeinsam für eine bessere Welt

Liebe wieder analog erleben

Christin Prizelius | 25.10.2026 | Kolumne von Susanne Schindler | © Susanne Schindler

In Zeiten von Online-Dating und dauerhafter Erreichbarkeit verlagert sich das Kennenlernen immer öfter auf kleine, leuchtende Smartphone-Bildschirme. Susannes aktuelle Kolumne beschreibt, wie rasch wir im digitalen Austausch Intimität aufbauen – und dabei doch das Wesentliche verpassen. Denn kein noch so intensiver Chat ersetzt den echten Blickkontakt, den Geruch oder die unwillkürliche Chemie zwischen zwei Menschen. Sie plädiert mit ehrlichen Worten für mehr Mut zur echten Begegnung, Geduld und Ecken und Kanten beim Daten. Ein berührender Appell an alle, die sich wieder nach echter Nähe sehnen, anstatt sich bloß in eine Chat-Unterhaltung zu verlieben…

Ich möchte wieder jemanden auf die altmodische Art kennenlernen.

Mit einem Blick, der ein bisschen zu lange dauert. Einem Gespräch, bei dem man die Zeit vergisst. Einem ersten Kuss, bei dem man vorher noch gar nicht weiß, ob er passieren wird.

Und mit diesem herrlich aufregenden Gefühl, dass man einen Menschen gerade erst entdeckt. Dass noch alles möglich ist. Dass man sich auf das nächste Wiedersehen freut, ohne schon zu wissen, wohin die Reise geht.

Stattdessen sitzen wir heute mit unseren Handys auf dem Sofa und lernen Menschen über kleine leuchtende Bildschirme kennen: Wir schreiben, flirten, schicken Smileys, Herzen und manchmal ziemlich eindeutige Andeutungen. Wir erzählen uns Dinge, die wir einem Menschen gegenüber vielleicht erst nach dem dritten Glas Wein anvertrauen würden.

Und plötzlich sind wir mittendrin: In langen Gesprächen, kleinen Vertrautheiten, mit diesem Kribbeln, wenn eine neue Nachricht auf dem Display erscheint. Manchmal entwickeln sich daraus innerhalb weniger Tage Gefühle und Erwartungen, für die wir früher wahrscheinlich mehrere Verabredungen gebraucht hätten.

Erstaunlich, wie viel Platz ein Mensch in meinen Gedanken einnehmen kann, den ich eigentlich noch gar nicht richtig kenne.

Das Verrückte daran? Ich weiß vielleicht schon, was ihn nachts beschäftigt, was er beruflich vorhat oder welche Erfahrungen ihn geprägt haben. Aber ich weiß noch nicht, wie er riecht, wie er lacht, wenn er sich wirklich kaputtlacht. Ob er beim Erzählen wild gestikuliert. Wie er schaut, wenn er nachdenkt. Ob zwischen uns diese besondere Spannung entsteht, wenn wir uns gegenübersitzen. Und ob wir nach zehn Minuten merken, dass wir uns unglaublich sympathisch sind, aber die Chemie einfach fehlt. All das kann mir kein noch so guter WhatsApp-Chat verraten.

„Vielleicht haben wir verlernt, einander Zeit zu geben.”

Ich frage mich manchmal, ob wir durch diese ständige Erreichbarkeit auch ungeduldiger geworden sind. Wir können jederzeit schreiben, also erwarten wir irgendwann auch, dass jederzeit eine Antwort kommt. Wir sehen, wann jemand online war, ob eine Nachricht gelesen wurde, ob er gerade etwas anderes macht, obwohl er uns doch auch schreiben könnte. Und schon bekommt etwas völlig Alltägliches eine Bedeutung, die es vielleicht überhaupt nicht hat. 

Früher hat man nach einer Verabredung vielleicht zwei Tage gewartet, bis das Telefon klingelte. Heute können sich zwei Stunden Funkstille manchmal schon wie eine kleine Zurückweisung anfühlen.

Dabei haben wir alle ein Leben: Arbeit, Kinder, Freunde, Verpflichtungen und Hobbys. Tage, an denen wir viel zu erzählen haben, und andere, an denen wir einfach unsere Ruhe möchten. 

Und genau das wünsche ich mir doch von einem Partner: dass er ein eigenes Leben hat, eigene Interessen, eigene Gedanken und Menschen, die ihm wichtig sind. Und trotzdem ertappe ich mich dabei, wie ich manchmal anfange, digitale Aufmerksamkeit mit echtem Interesse zu verwechseln. 

Ich bin inzwischen an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich ziemlich genau weiß, was ich möchte: einen Mann, mit dem ich lachen kann, der mir widerspricht, wenn er anderer Meinung ist. Der mich herausfordert, mich manchmal wahrscheinlich auch wahnsinnig macht und der seine eigenen Vorstellungen vom Leben hat. Ich möchte einen Menschen mit Ecken und Kanten. Einen, der mich so annimmt, wie ich bin und den ich genauso annehmen kann.

Das klingt vielleicht selbstverständlich. Ich finde allerdings, dass darin eine ziemlich große Herausforderung steckt, denn wir bringen beide ein ganzes Leben mit: Erfahrungen, die uns geprägt haben. Enttäuschungen, Hoffnungen, alte Verletzungen und unsere Gewohnheiten. Wahrscheinlich auch ein paar ziemlich eigenwillige Vorstellungen davon, wie die Dinge zu laufen haben.

Natürlich wird es da Momente geben, in denen wir uns gegenseitig triggern. Vielleicht sage ich etwas, das bei ihm einen wunden Punkt trifft. Vielleicht reagiert er auf eine Weise, die bei mir Erinnerungen wachruft, die mit ihm gar nichts zu tun haben. Vielleicht knallt es auch mal richtig. Und wisst ihr was? Das darf es für mich auch.

Ich wünsche mir keine Beziehung, in der wir uns gegenseitig ständig bestätigen und jedes Wort auf die Goldwaage legen, damit bloß keine unangenehmen Gefühle entstehen. Ich möchte eine Beziehung, in der wir beide wir selbst sein können. In der man sagen darf: „Das hat mich gerade verletzt.“ Oder: „Ich sehe das völlig anders.“ Oder auch: „Du gehst mir gerade gehörig auf die Nerven.“

Und in der danach noch etwas anderes möglich ist: Ein Gespräch, eine Entschuldigung oder ein gemeinsames Lachen. Ein Schritt aufeinander zu — denn genau dort beginnt für mich Vertrauen. Nicht in dem Moment, in dem alles leicht ist und wir uns gegenseitig die schönsten Nachrichten schicken, sondern wenn es schwierig wird und beide bereit sind, den anderen trotzdem verstehen zu wollen.

Vielleicht dürfen wir wieder mutiger werden.

Ich habe den Eindruck, dass wir heute unglaublich viele Möglichkeiten haben, Menschen kennenzulernen und gleichzeitig manchmal erstaunlich schnell bereit sind, eine Begegnung abzuhaken. Vielleicht ein Satz, der uns irritiert. Eine Nachricht, die wir falsch verstehen. Eine Reaktion, die nicht zu unseren Erwartungen passt — und schon fragen wir uns, ob es überhaupt Sinn ergibt.

Ich frage mich, wie viele schöne Geschichten vielleicht nie beginnen, weil wir schon beim ersten Missverständnis aufgeben. Weil wir lieber interpretieren, als nachzufragen. Oder uns zurückziehen, bevor wir zeigen, dass uns etwas wichtig ist. Weil es manchmal leichter erscheint, einen Kontakt zu beenden, als zu sagen: „Ich würde dich gerne besser kennenlernen. Aber gerade verstehe ich dich nicht.“

„Dabei sehnen wir uns doch nach genau dieser Nähe. Nach jemandem, bei dem wir uns zeigen können mit unserer Stärke und unseren Unsicherheiten. Mit unserer Lebensfreude und den Tagen, an denen wir einfach schwierig sind. Ich zumindest wünsche mir das.”

Und ich weiß, dass dazu auch gehört, selbst offen zu bleiben, zuhören zu wollen, Vertrauen zu wagen und dem anderen Raum zu geben, mich zu überraschen.

Und jetzt hätte ich gerne wieder ein richtiges Date: Einen Kaffee, der drei Stunden dauert oder einen Spaziergang, bei dem wir irgendwann merken, dass wir viel weiter gelaufen sind als geplant. Ein Abendessen, bei dem das Handy in der Tasche bleibt.

Ich möchte sehen, wie ein Mann schaut, wenn ich ihn ein bisschen provoziere. Ob er kontert. Ob wir denselben Humor haben. Ob wir uns auch einmal schweigend gegenübersitzen können, ohne dass es unangenehm wird. Ich möchte dieses Kribbeln wieder erleben und vielleicht auch die Unsicherheit, ob er mich küssen wird. Ob ich das überhaupt möchte. Ob wir beide gerade dasselbe fühlen.

Ich möchte wieder neugierig auf einen Menschen sein, statt seine Nachrichten zu lesen und ich möchte mir die Zeit nehmen, ihn kennenzulernen. Mit allem, was dazugehört, denn ich habe wieder große Lust auf die Liebe: Auf Nähe, Leidenschaft, auf gemeinsame Abenteuer und ganz gewöhnliche Sonntage. Auf einen Menschen, mit dem ich das Leben teilen kann und der mich trotzdem immer wieder überrascht.

Vielleicht ist das in unserer digitalen Welt inzwischen tatsächlich ein bisschen altmodisch. Dann bin ich eben altmodisch. Ich möchte mich wieder in einen Menschen verlieben und nicht in unsere WhatsApp-Unterhaltung. ❤️‍🔥

Was sind deine Gedanken dazu? Ich freue mich auf den Austausch dazu mit dir,

deine Susanne

Du willst mich persönlich und unsere Community kennenlernen?

Dann schreibe mir eine Mail an susanne-schindler@purecreation.group und komme unverbindlich beim nächsten digitalen Kaffee in unseren Inner Circle. Eine Mail reicht und ich schicke dir den Link zu. Ich freue mich auf dich.


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