Es ist inspirierend zu sehen, wie Susanne heute ihrer Sonntagskolumne den Mut aufbringt, den eigenen Lebensweg frei von Leistungsdruck und alter Schwere zu betrachten. Sie erinnert uns daran, dass wahrer Stolz nicht aus einem perfekten Außen entsteht, sondern aus dem bewussten Loslassen von Verantwortung, die nie unsere war. Indem sie ihre tiefen Verluste, die prägende Stärke ihrer familiären Wurzeln und ihre eigene Transformation teilt, schenkt sie uns einen Raum der echten Reflexion. Ihre Worte laden uns dazu ein, innezuhalten, uns selbst durch schwierige Momente zu halten und das Leben wieder mit der spielerischen Neugier eines Kindes zu betrachten. Genau diese Haltung macht Mut, stolz auf das zu sein, was wir längst gemeistert haben, und dem eigenen, einzigartigen Weg voller Leichtigkeit zu vertrauen. Sie sagt: „Ich bin stolz auf das, was ich bisher geschafft habe!” ❤️🔥
Wann hast du das letzte Mal auf dein Leben geschaut und gedacht: „Meine Güte, was habe ich eigentlich schon alles geschafft?“ Und zwar ohne direkt hinterherzuschieben, was noch alles fehlt, besser laufen könnte oder unbedingt als Nächstes erledigt werden muss?
Ich habe das in den vergangenen Tagen getan. Und wisst ihr was? Ich bin verdammt stolz auf mich!
Natürlich gibt es auch in meinem Leben noch Dinge, die ich gerne verändern möchte, aber das ist inzwischen etwas, das ich gestalten kann. Es bestimmt nicht mehr darüber, wie ich mein Leben empfinde. Denn wenn ich heute auf die vergangenen Jahre zurückblicke, sehe ich etwas, das viel wertvoller ist als jede Zahl auf meinem Konto: Ich sehe, wie viel Schwere ich losgelassen habe.
Man kann sich auch an Verantwortung einen Buckel tragen
Ich komme aus einer Familie mit starken Frauen. Frauen, die unglaublich viel getragen, ausgehalten, organisiert und zusammengehalten haben — eine Mutti und meine Omi gehören dazu.
Und manchmal denke ich mir: Ich möchte irgendwann keinen solchen Witwen-Buckel (schon mal gehört?) bekommen wie die beiden. Nicht, weil ich ihre Stärke infrage stelle — ganz im Gegenteil — sondern weil ich inzwischen verstanden habe, dass Stärke auch bedeuten kann, etwas abzulegen.
Ich habe über viele Jahre Verantwortung getragen, die längst nicht mehr meine war. Ich habe versucht, Dinge zusammenzuhalten, Menschen zu unterstützen, Probleme zu lösen und für Situationen Lösungen zu finden, auf die ich manchmal überhaupt keinen Einfluss hatte. Und ich habe meine Trauer getragen. Den Verlust meines Vaters und den Verlust meiner Schwester. All die Gefühle, Fragen und Erinnerungen, die damit verbunden sind.
Lange dachte ich offenbar, dass ich diese Schwere festhalten müsste. Vielleicht aus Liebe, vielleicht aus Gewohnheit, vielleicht auch, weil ich gar nicht wusste, wie sich mein Leben ohne sie anfühlen würde.
„Heute weiß ich: Ich kann Menschen von ganzem Herzen lieben, sie vermissen und in meinem Leben behalten, ohne ihre Abwesenheit jeden Tag wie einen schweren Rucksack mit mir herumzutragen.”
Die Liebe bleibt. Die Erinnerungen bleiben. Aber diese körperliche und emotionale Schwere darf gehen. Allein diese Erkenntnis hat unglaublich viel in meinem Leben verändert.
Ich habe gelernt, mich selbst zu halten
In den vergangenen Jahren habe ich auch Demut gelernt. Eine ganze Menge sogar.
Ich habe erlebt, dass ich noch so viel planen, organisieren und kontrollieren kann und das Leben trotzdem gelegentlich beschließt, sein eigenes Ding zu machen. Früher hätte mich das manchmal aus der Bahn geworfen. Heute kann ich viel besser mit dem umgehen, was gerade ist.
Ich darf traurig sein, ohne in meiner Trauer zu versinken. Ich darf Angst haben, ohne dass sie meine Entscheidungen bestimmt. Ich darf enttäuscht, wütend, unsicher oder erschöpft sein und trotzdem darauf vertrauen, dass ich einen Weg finden werde.
Ich habe gelernt, meine Gefühle wahrzunehmen, auszuhalten und mich selbst durch schwierige Momente zu begleiten. Das bedeutet für mich innere Freiheit.
Und ich bin dankbar für die Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet haben. Für ihre Offenheit, ihre Ehrlichkeit und auch für die Gespräche, die manchmal unbequem waren. Für Menschen, die mich sehen, wie ich bin, und die mir zutrauen, meinen eigenen Weg zu gehen.
Nicht jeder versteht diesen Weg. Manche meiner Entscheidungen dürften von außen ziemlich verrückt aussehen, aber ich muss mein Leben inzwischen auch nicht mehr für jeden verständlich machen.
Es ist mein Leben.
Und dann schaue ich auf meine Tochter. Wenn ich sehe, wie bewusst meine Tochter heute schon Entscheidungen trifft, geht mir das Herz auf.
Sie hinterfragt Dinge, die ich in ihrem Alter vermutlich einfach hingenommen hätte. Sie entwickelt ihre eigenen Vorstellungen davon, wie sie leben möchte, und hat den Mut, ihren Überzeugungen zu folgen.
„Manchmal denke ich: Mensch, wenn ich mit 16 schon so bewusst gewesen wäre wie sie, was hätte ich mir alles ersparen können? 😂 Andererseits hätte ich dann vielleicht viele Erfahrungen nicht gemacht, für die ich heute dankbar bin.”
Ich bin unglaublich stolz auf sie. Nicht, weil sie irgendeinen bestimmten Weg einschlägt oder meine Erwartungen erfüllt. Sondern weil sie ihren eigenen Weg sucht und dabei immer mehr herausfindet, wer sie sein möchte.
Und vielleicht ist das eines der schönsten Geschenke, die wir unseren Kindern mitgeben können: das Vertrauen, dass sie ihr Leben selbst gestalten dürfen.



Es ist noch längst nicht alles fertig. Na und?
Ich habe in den vergangenen Jahren viel verändert, manches verloren, Neues aufgebaut und einige ziemlich mutige Entscheidungen getroffen.
Ich habe beruflich noch einmal ganz neu angefangen, mein Leben in ein anderes Land verlegt, Beziehungen und Verantwortlichkeiten neu betrachtet und mich von Vorstellungen verabschiedet, die einmal richtig für mich waren. Und gerade erst ist aus meinen Erfahrungen der vergangenen sieben Jahre meine eigene Methode entstanden. Die ersten Menschen gehen diesen Weg jetzt gemeinsam mit mir.
„Wenn ich mir das alles bewusst mache, frage ich mich ernsthaft, warum ich manchmal noch auf das schaue, was fehlt, statt mich über das zu freuen, was längst da ist.”
Denn mein Leben fühlt sich wieder leicht an. Nicht, weil im Außen plötzlich alles perfekt wäre. Da gibt es durchaus noch die eine oder andere Baustelle. Und wer mich kennt, weiß, dass ich auch weiterhin ziemlich große Pläne habe.
Aber ich brauche heute kein perfektes Außen mehr, um Freude an meinem Leben zu haben.
Ich kann stolz auf das sein, was ich geschaffen habe, und gleichzeitig neugierig auf das bleiben, was noch kommt. Ich kann dankbar sein für das, was ist, und mir trotzdem noch mehr wünschen. Und ich kann anerkennen, dass mein bisheriger Weg manchmal verdammt anstrengend war, ohne diese Anstrengung weiterhin mit mir herumzutragen.
Vielleicht ist das Leben tatsächlich ein Spiel
Als Kind haben wir Dinge ausprobiert, sind hingefallen, wieder aufgestanden und haben weitergespielt. Wir mussten nicht vorher wissen, ob alles funktioniert. Wir hatten einfach Lust, es herauszufinden.
Genau dieses Gefühl habe ich wiederentdeckt — jetzt darf ich es mit meinen Erfahrungen und meiner Expertise verbinden. Ich bin neugierig auf das, was kommt. Ich habe Lust, Dinge auszuprobieren, Menschen kennenzulernen, Ideen zu entwickeln und zu sehen, was daraus entsteht.
Manchmal klappt etwas wunderbar und manchmal geht etwas gründlich in die Hose. Und manchmal sitze ich da und denke: Na, das hätte jetzt auch ein bisschen eleganter laufen können! 😂
„Aber ich habe aufgehört, jeden Umweg als Niederlage zu betrachten. Heute sehe ich mein Leben wieder viel mehr als ein Spiel. Manchmal gewinnt man. Und manchmal lernt man. Beides bringt mich weiter.”
Und wenn ich heute auf mein Leben schaue, sehe ich nicht mehr zuerst, was noch fehlt. Ich sehe eine Frau, die unglaublich viel erlebt, getragen, losgelassen, gelernt und geschaffen hat. Eine Frau, die wieder lachen kann, die sich auf ihre Tage freut und die voller Neugier auf das schaut, was noch vor ihr liegt.
Ich bin unendlich dankbar für mein Leben. Für die Menschen darin, vor allem für meine Tochter. Für die Erfahrungen, die mich geprägt haben. Für die Demut, die ich lernen durfte und vor allem für die Leichtigkeit, die wieder da ist.
Vielleicht magst du dir heute auch einmal ein paar Minuten Zeit nehmen und auf das schauen, was du bereits geschafft hast. Nicht auf die nächste Aufgabe, das nächste Ziel oder die nächste Baustelle, sondern auf all das, was du gemeistert, verändert, aufgebaut und losgelassen hast.
Und vergiss bei all deinen Verpflichtungen eines nicht: Du machst das großartig — auf deine ganz eigene Art und Weise. Es ist dein Leben. Du darfst es so gestalten, dass es sich nach dir anfühlt. Dass du dich darin wohlfühlst und Freude daran hast. Für dich. Und für niemanden sonst. ❤️🔥
Deine Susanne

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