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Schmerzfrei mit Kraftsport

Christin Prizelius | 25.06.2026 | Interview mit Lotola Otshumbe | © KIESER, Lotola Otshumbe

Ob chronische Rückenbeschwerden oder anhaltende Gelenkschmerzen – viele Menschen suchen verzweifelt nach einer dauerhaften und effektiven Erleichterung. In unserem heutigen Interview sprechen wir mit dem Experten Lotola Otshumbe, ehemaliger Basketball-Profi und aktuell Sportmanager bei Basketball-Zweitligisten Rhein Stars, darüber, wie der gezielte Muskelaufbau im Kraftsport nicht zur Belastung, sondern zum Schlüssel für ein beschwerdefreies Leben werden kann. Er teilt aus erster Hand, mit welchen fundierten Strategien und Trainingsansätzen der Weg in einen schmerzfreien Alltag ohne Operation erfolgreich gelingt.

Wenn Schmerzen plötzlich oder schleichend das Leben verändern, zieht das oft den Boden unter den Füßen weg. Wie hast du den Moment erlebt, als dir klar wurde, dass dich das als ehemaligen Leistungssportler und Coach komplett ausbremst?

Circa vor einem Jahr erlitt ich einen doppelten Bandscheibenvorfall. Das war einer der einschneidendsten Erlebnisse für mich bisher, körperlich als auch mental. Die Schmerzen waren so stark, dass ich zeitweise nicht mehr laufen konnte. Schnell war klar, dass es sich bei den Schmerzen nicht nur um eine Verspannung handelte. Die Diagnose war dann dennoch ein Schock. An meine Trainertätigkeit war nicht mehr zu denken. Ein herber Rückschlag, mit dem ich nie gerechnet hätte, da ich nach wie vor trainiere. Als Sportler ist Fitness und Beweglichkeit Teil meiner DNA – die sich dadurch quasi verändert hat. Es ging nicht mehr darum, 100 Prozent zu geben, sondern überhaupt wieder zurück in den Alltag zu finden. Medizinische Untersuchungen, Arztgespräche und die persönliche Einschätzung von Befunden und Therapieempfehlungen bestimmten plötzlich meinen Alltag. Wenn weder Schmerzmittel oder Physiotherapie helfen können, die Schmerzen zu lindern, ist das sehr frustrierend. Die Empfehlung einer Operation war innerhalb der Krankheitsgeschichte ein weiterer Wendepunkt. Daraufhin habe ich selbst nach Behandlungsoptionen gesucht und mich für Kieser entschieden, obwohl ich in einem anderen Studio trainiert habe, und eigentlich dachte, eine gesunde Rückenmuskulatur zu haben.

Welche Einschränkungen waren für dich mental am schwersten zu verkraften und wie hat sich diese Phase auf deinen Alltag ausgewirkt?

Mein Alltag war enorm eingeschränkt – Tätigkeiten wie Schlafen, Aufstehen, Duschen, Zähneputzen, Gehen oder Autofahren waren mit Schmerzen verbunden. Jeder Schritt war bedacht, vorsichtig, nahezu ängstlich. Obwohl ich als Basketballer ein sehr hohes Körperbewusstsein habe und im Laufe der Jahre auch schon die eine oder andere Verletzung hatte, war mir das Ausmaß einer nahezu völligen Mobilitätseinschränkung nicht allgegenwärtig. Dies zu erkennen, mit dem Wissen, dass man einen kräftigen und athletischen Körper hat, war schon eine mentale Herausforderung. Als Leistungssportler ist man darauf konditioniert, Schmerzen auszuhalten. Bei diesen Schmerzen jedoch hat die Haltung nicht geholfen. Der Körper hat mir Grenzen gezeigt, die ich nicht überwinden konnte.

Zum Welttag des Schmerzes am 2. Juni zeigt deine Geschichte: Chronische oder starke Rückenschmerzen müssen nicht zwangsläufig das Ende von Bewegung, Beruf oder Alltag bedeuten. Wer gezielt trainiert und die eigene Muskulatur stärkt, kann aktiv Einfluss auf seine Situation nehmen. Wie sah das im Rahmen des Kraftsportes genau aus?

Bei mir hat ein Perspektivwechsel in Bezug auf Krafttraining stattgefunden, vom typischen „Pumpen“ hin zu einem präzisen, angeleiteten, gesundheitsorientierten Aufbau der Rückenmuskulatur, um die Wirbelsäule zu stärken. Die kontrollierte Trainingsmethode hatte einen überraschend deutlichen Effekt – insbesondere auf die tief stabilisierende Muskulatur. Die exakte Führung und die bewusste Ruhe während der Trainingseinheiten haben den entscheidenden Unterschied gemacht. Schritt für Schritt bekam ich Beweglichkeit und Alltag zurück. Ich habe gelernt, dass man seine Situation aktiv beeinflussen kann – selbst dann, wenn sie aussichtslos wirkt. Nach acht Wochen hatte sich meine Rückenkraft messbar verfünffacht, die Schmerzmittel habe ich abgesetzt.

Wenn jede Bewegung schmerzt, kostet der Gang an die Gewichte sicherlich enorme Überwindung. Wie sah dein allererstes, kontrolliertes Krafttraining nach der Diagnose aus und wie hast du die Angst vor einer weiteren Verletzung überwunden?

Ja, der Gang an die Gewichte war mit Unsicherheit verbunden – was, wenn sich dadurch die Situation verschlimmert? Ich hatte großen Respekt davor, wieder Belastung aufzunehmen. Seitens des Instruktors und des betreuenden Arztes bei Kieser gab es eine klare Einschätzung, welche Bewegungen sinnvoll sind, welche Muskelgruppen gestärkt werden müssen und wie die Belastung dosiert wird. Wir haben anhand meiner Diagnosen und der Ergebnisse aus den Untersuchungen ein individuelles Trainingsprogramm erstellt.

„Gezieltes Krafttraining stärkt dieses „Gerüst“ und macht es stabiler. Die Muskulatur übernimmt mehr Arbeit, Bewegungen werden sicherer und die Wirbelsäule wird entlastet. Für mich war das der Schlüssel: nicht Schonung um jeden Preis, sondern gezielte Stabilität.”

Kannst du Laien erklären, warum gerade diese Muskelgruppen der Schlüssel waren, um deine Wirbelsäule zu entlasten und die Schmerzen zu lindern?

Bildlich gesprochen könnte man sagen, dass die Wirbelsäule nicht dafür gemacht ist, alles allein zu tragen. Sie braucht ein starkes Gerüst aus Muskulatur, das Halt gibt. Besonders wichtig sind die tiefen Rückenstrecker, die Bauchmuskulatur, die Gesäßmuskulatur und auch die Muskulatur rund um Becken und Hüfte. Wenn diese Bereiche zu schwach sind oder nicht richtig zusammenspielen, übernimmt die Wirbelsäule zu viel Last. Dann können Strukturen gereizt werden, Bewegungen werden instabil und Schmerzen können sich verstärken. Gezieltes Krafttraining stärkt dieses „Gerüst“ und macht es stabiler. Die Muskulatur übernimmt mehr Arbeit, Bewegungen werden sicherer und die Wirbelsäule wird entlastet. Für mich war das der Schlüssel: nicht Schonung um jeden Preis, sondern gezielte Stabilität.

Bild: © Lotola Otshumbe, KIESER

Würdest du dich heute als komplett schmerzfrei bezeichnen und wie viel Zeit musst du wöchentlich investieren, um diesen Zustand zu halten? Oder hast du zwischenzeitlich doch nochmal Schmerzen/Einschränkungen?

Mein Zustand heute hätte ich mir in der akuten Phase kaum vorstellen können. Ich kann in der Halle stehen, meine Teams betreuen und mich normal bewegen. Das ist für mich unglaublich viel wert.

Wieviel Zeit investierst du in dein Krafttraining?

Aktuell bin ich zweimal die Woche für circa 45 bis 50 Minuten im Studio.

Ein ehemaliger Basketballprofi und heutiger Nachwuchstrainer konntest du nach einem doppelten Bandscheibenvorfall in Hals- und Lendenwirbelsäule zeitweise kaum laufen, schlafen oder seine Teams betreuen. Eine Operation schien unausweichlich. Nach acht Wochen Training hatte sich aber deine Rückenkraft deutlich verbessert, Schmerzmittel waren nicht mehr nötig. Heute stehst du wieder mit deinen Nachwuchssportlerinnen und Nachwuchssportlern in der Halle, ganz ohne Operation! Wie schaust du rückwirkend darauf?

Die eigene Entscheidung, die Schmerzen mit gezieltem Krafttraining alternativ zu reduzieren, war für mich im Nachhinein ein Schlüsselmoment. Damit habe ich die Operation verhindern können und bin darüber sehr dankbar. Dieser Schritt war sehr persönlich und für mich eine Erfolgsgeschichte. Ich kann nur für mich sprechen, und würde immer wieder einen selbstbestimmten Weg wählen – den ich auch wieder in Absprache mit Ärzten und Therapeuten abwäge. Mein Motto, das ich gerne weitergeben möchte: „Wer an sich glaubt und bereit ist zu kämpfen, kann Grenzen überwinden.“

„Heute hat Kraft für mich eine viel tiefere Bedeutung, ich verbinde Kraft mit Gesundheit und vielleicht sogar mit der Freiheit, mich bewegen zu können, meinen Alltag zu gestalten, und mit jungen Menschen zu arbeiten. Das ist etwas anderes als reine Performance.”

Früher ging es im Sport vermutlich um Leistung, Körbe und Siege. Welchen persönlichen Stellenwert hat „Kraft“ für dich heute? Hat sich deine Definition von körperlicher Fitness durch den Schmerzprozess von einer rein ästhetischen oder leistungsorientierten hin zu einer heilenden Perspektive gewandelt?

Definitiv. Vor dem Bandscheibenvorfall war Kraft für mich vor allem Mittel zum Zweck: höher springen, stabiler im Zweikampf sein, schneller reagieren, Leistung bringen. Heute hat Kraft für mich eine viel tiefere Bedeutung, ich verbinde Kraft mit Gesundheit und vielleicht sogar mit der Freiheit, mich bewegen zu können, meinen Alltag zu gestalten, und mit jungen Menschen zu arbeiten. Das ist etwas anderes als reine Performance. Fitness bedeutet für mich Belastbarkeit, Lebensqualität und Vertrauen in den eigenen Körper. In meinem Fall hatte das gezielte Krafttraining etwas Heilendes.

Zum Welttag des Schmerzes schauen viele Menschen auf eine lange Leidensgeschichte aus Medikamenten und Therapien zurück. Was möchtest du Menschen mit chronischen Rückenschmerzen oder ähnlichen Diagnosen basierend auf deiner Geschichte mit auf den Weg geben? Wie schaust du in die Zukunft?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie viel Raum Schmerzen einnehmen können. Wichtig ist sicherlich, die Hoffnung nicht aufzugeben, auch wenn es manchmal nicht einfach ist, und man sich im Alltag eingeschränkt fühlt. Eine gesicherte medizinische Diagnose und die Abwägung, einer Behandlungsmethode zu vertrauen, die in der konservativen Therapie nicht vorgesehen war, hat bei mir geholfen. Die Abwägung, einen weiteren Schritt zu gehen, statt aufzugeben und den Schmerz zu akzeptieren, kann sicherlich hilfreich sein. Ich blicke positiv in die Zukunft, wobei das Risiko, einen erneuten Bandscheibenvorfall zu erleiden, bleibt. Ich weiß regelmäßiges Krafttraining für meinen Rücken zu schätzen, das in meiner Fitness-Routine fest verankert ist. Daran wird sich schätzungsweise in der nächsten Zeit auch nichts ändern.

Mit der gleichen Energie, mit der er früher den Korb verteidigte, brennt Lotola Otshumbe heute für die Karrieren anderer Athleten. Der Wechsel vom Profi-Basketballer zum Sportmanager war für ihn kein Zufall, sondern Herzenssache: Er kennt die emotionalen Höhen und Tiefen des Leistungssports aus eigener Erfahrung. Heute nutzt er diesen Insider-Blick, um Sportler nicht nur strategisch zu managen, sondern ihnen als echter Mentor und verlässlicher Partner auf Augenhöhe zur Seite zu stehen.

Bild: © Lotola Otshumbe


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