Wie wir als Gesellschaft mit den Schwächsten umgehen, entscheidet über unsere Kultur. Wer einmal erlebt hat, wie ein traumatisiertes Tier wieder Vertrauen fasst, weiß: Tierschutz rettet nicht nur Leben, er verändert auch unsere eigene Seele. In einer Welt, die von Status, Leistung und Perfektion getrieben ist, holen Tiere uns bedingungslos zurück in den Moment – denn sie reagieren nicht auf das, was wir darstellen, sondern auf das, was wir wirklich sind. Für den TierschutzVEREIN Beeskow e.V. sind Tiere keine bloßen Themen oder Nummern, sondern pures, authentisches Leben. In diesem Gastbeitrag teilt Kristin Götz mit uns, warum echter Tierschutz immer auch ein Gewinn für unsere gesamte Gesellschaft ist, und wie er den Weg zu einem respektvolleren Miteinander ebnet...
Was wir gewinnen, wenn wir Tiere wirklich als fühlende Wesen begreifen
Es gibt diese Momente im Tierschutz, die man nicht vergisst. Ein Tier, das zum ersten Mal wieder entspannt atmet. Ein vorsichtiger Blick, der langsam weicher wird. Ein Wesen, das beginnt zu vertrauen, obwohl es allen Grund hätte, es nicht zu tun. Wir erleben solche Momente immer wieder. Und jedes Mal erinnern sie uns daran, warum wir tun, was wir tun. Denn Tierschutz heißt auch, sich auf ein Wesen einzulassen, es zu verstehen und Beziehung zuzulassen. Und ganz sicher beginnt genau dort etwas, das größer ist als Tierschutz im klassischen Sinne.
Tiere sind für uns keine „Themen“ sondern vollwertige fühlende Wesen
Im Alltag wird in der Regel von „Tieren“ gesprochen, als wären sie eine Kategorie. Für uns sind sie das nicht. Für uns sind es Individuen, so wie wir Individuen sind. Lebewesen, die fühlen, die Angst kennen, die Freude empfinden, die Bindung aufbauen, die trauern, die Vertrauen schenken. Und wer einmal wirklich bewusste Zeit mit einem Tier verbringt, wird sehr schnell spüren:

Bild: © TierschutzVEREIN Beeskow e.V.
Ein Tier ist kein „weniger“. Es ist pures, authentisches Leben. Gewiss, es unterscheidet sich von unserem. Jedoch wird es dadurch nicht weniger wertvoll. Im Umgang mit Tieren auf Augenhöhe verändert sich etwas in uns. Es ändert sich die Art, wie man hinschaut, Entscheidungen trifft, Verantwortung versteht. Und darüber hinaus entwickelt sich eine neue Selbstwahrnehmung, eine Transformation des eigenen Denkens und des Handelns. Unterschwellig ist das sicher schon oftmals wahrgenommen worden. Denn viele Menschen sagen, dass Tiere guttun. Aber allzu oft bleibt dieser Satz an der Oberfläche. Die Entscheidung, Tiere nicht zu abstrahieren, sondern mit Haut und Haaren und auf Augenhöhe wahrzunehmen, ist sowohl für das Tier als auch für uns ein Gewinn. Die Rückkehr zum Ursprung und zum Urvertrauen tut uns gut und lässt uns ankommen.
„Es transportiert Echtheit und Bedingungslosigkeit. Ein Tier interessiert sich nicht für Status, Leistung oder Perfektion. Es reagiert auf das Hier und Jetzt. Und genau das kann uns erden und heilen.”
Tiere holen uns in den Moment. Sie reagieren auf das, was wirklich da ist, nicht auf das, was wir nach außen zeigen. Sie begegnen uns ohne Bewertung, jedoch mit ihrer feinen, ungetrübten Wahrnehmung und spiegeln uns ganz unverzerrt. Das ist Wahrhaftigkeit. Das erdet. Sie spüren, ob wir ruhig sind, ob wir klar sind, ob wir da oder abgelenkt sind. Und vielleicht berührt uns das auch deshalb so sehr, weil es uns an etwas erinnert, das wir im Alltag leicht verlieren. Es transportiert Echtheit und Bedingungslosigkeit. Ein Tier interessiert sich nicht für Status, Leistung oder Perfektion. Es reagiert auf das Hier und Jetzt. Und genau das kann uns erden und heilen.

Bild: © TierschutzVEREIN Beeskow e.V.
Tieren etwas Gutes zu tun, verändert nicht nur ihr Leben
Im Tierschutz wird oft darüber gesprochen, was wir für Tiere tun. Aber wir erleben auch, was Tiere mit uns machen. Ein Tier, das Vertrauen fasst, berührt etwas. Ein Tier, das ankommt, verändert etwas. Ein Tier, das sich sicher fühlt, zeigt uns, was möglich ist. Und plötzlich geht es nicht mehr nur um „Hilfe“ sondern um Verbindung, Verantwortung, Fürsorge, Kraft und Möglichkeiten. Es zeigt sich, dass Tierschutz auch immer etwas wachsen lässt.
„Lasst uns mit Hinsehen, Kümmern, Ernstnehmen, Gleichstellen losgehen. Lasst uns Bedürfnisse kennen, Grenzen respektieren, Verantwortung wahrnehmen. Daraus kann dann eine wundervoll ethische Gesellschaft erwachsen, die für gesamtheitlichen Frieden und Wertschätzung steht.”
Tierschutz ist für uns auch eine Frage von Kultur
Wir sind überzeugt, dass wie wir mit Tieren umgehen, viel darüber aussagt, wie wir als Gesellschaft leben wollen. Ihre Anerkennung und Wertschätzung betreffend sind Tiere von unseren Sichtweisen und Taten abhängig. Sie können gesellschaftspolitisch nicht für sich selbst sprechen. Wenn wir mit dieser Verantwortung wie mit einem Schatz umgehen, indem wir Achtsamkeit, Verantwortungsbewusstsein, Respekt, Mitgefühl voranstellen, setzen sich diese Werte gesamtgesellschaftlich fort. Sie wirken auch im Umgang miteinander, in Familien und im Alltag. Darin schlummert ein großes gesamtgesellschaftliches Entwicklungspotenzial.
Was wir uns wünschen
Wir wünschen uns eine Welt, in der Tiere nicht als Nebensache gesehen werden. Eine Welt, in der ihre Bedürfnisse mitgedacht werden. Eine Welt, in der Verantwortung nicht erst dann beginnt, wenn Probleme entstehen. Eine Welt, in der Mitgefühl kein Ausnahmezustand ist, sondern selbstverständlich. Wir wünschen uns, dass alle Menschen erfahren, wie viel in der Begegnung mit Tieren liegt und welch Zugewinn dies für uns alle ist. Es muss nicht gleich im Großen beginnen. Es braucht nicht sofort perfekt sein und auch nicht auf einmal. Lasst uns mit Hinsehen, Kümmern, Ernstnehmen, Gleichstellen losgehen. Lasst uns Bedürfnisse kennen, Grenzen respektieren, Verantwortung wahrnehmen. Daraus kann dann eine wundervoll ethische Gesellschaft erwachsen, die für gesamtheitlichen Frieden und Wertschätzung steht…








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