Was heißt eigentlich „gemeinsam Zukunft gestalten”?! In Christins Augen geht es hier vor allem um Visionen, um das Bild von einer besseren Welt. Und das nicht aus einer liebevoll kindlichen Naivität heraus betrachtet, sondern es geht ihr um ein Leitmotiv für aktives, gemeinschaftliches Handeln, bei dem Menschen gemeinsam Verantwortung für die gesellschaftliche, ökologische oder wirtschaftliche Entwicklung übernehmen. Es drückt aus, dass Wandel nicht passiv abgewartet, sondern von einer Gemeinschaft pro aktiv und gezielt geformt wird. Christin hat zwar in ihrer beruflichen Laufbahn oft die Richtungen gewechselt und Wege angepasst, aber sie ist dabei immer ihren Werten treu geblieben. Darüber schreibt sie „für mich und uns” in ihrer Kolumne und ist dabei gleichzeitig davon überzeugt, dass wir als Gesellschaft ein Stück weit heilen dürfen, aber dafür auch durch Traurigkeit, Wut und Angst gehen müssen, um Heilung überhaupt zulassen zu können…
Wenn ich auf mein eigenes Leben zurückblicke, sieht mein Lebenslauf auf den ersten Blick vielleicht aus wie ein Zickzackkurs. Ich habe Branchen gewechselt, Pläne über den Haufen geworfen, Türen geschlossen und neue geöffnet. Von außen betrachtet könnte man fragen: Weiß sie überhaupt, wo sie hinwill? Doch unter der Oberfläche gab es nie ein Zögern. Ja, die Richtung hat sich vielleicht verändert, aber der Kompass blieb immer derselbe. Meine Werte – Ehrlichkeit, Mitgefühl, Verantwortung und der tiefe Glaube an das Miteinander – waren in jedem Moment meine verlässlichen Wegweiser. Egal, ob ich mich im Jurastudium befand, parallel die Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin machte, in einem Fitnessstudio jobbte oder mich in den Ferien ehrenamtlich im Tierschutz engagierte.
„Genau diese Erfahrung prägt meinen Blick auf unsere Welt. Wir stehen als Gesellschaft an einem Punkt, an dem die alten Rezepte nicht mehr funktionieren. Wir spüren alle, dass sich etwas verändern muss. Aber wie oft verwechseln wir Zukunftsgestaltung mit bloßer Reparaturarbeit? Wir versuchen, Risse im Fundament mit bunter Farbe zu überstreichen, weil die Angst vor dem, was darunter liegt, zu groß ist.”
Echte Zukunft entsteht jedoch nicht durch kosmetische Korrekturen. Sie beginnt dort, wo wir den Mut haben, uns den ungemütlichen Gefühlen zu stellen. Als Kolumnistin hier bei Pure & Positive beobachte ich seit einigen Wochen, wie sehr wir uns danach sehnen, dass alles schnell wieder gut, einfach und positiv wird. Doch wir überspringen dabei einen entscheidenden Schritt: die Heilung. Und Heilung ist selten eine gerade, saubere Linie. Um als Gemeinschaft wirklich zusammenzuwachsen und eine tragfähige Zukunft zu bauen, müssen wir erlauben, dass auch Traurigkeit ihren Platz hat. Traurigkeit über das, was wir bereits verloren haben – sei es intakte Natur, gesellschaftlicher Zusammenhalt oder einfach das Gefühl von Sicherheit. Wir müssen der Wut Raum geben, die aufsteigt, wenn Ungerechtigkeiten offen zutage treten. Wut ist keine destruktive Kraft, wenn wir sie richtig verstehen; sie ist der Motor, der uns zeigt, wo Grenzen überschritten werden und wo Veränderung dringlich ist. Und wir müssen die Angst anerkennen – die lähmende Sorge vor dem Ungewissen, vor dem Kontrollverlust, vor dem Scheitern.

Wenn wir diese Emotionen verdrängen, bleiben unsere Visionen von einer besseren Welt starr und abstrakt. Wir agieren dann aus Abwehr statt aus Gestaltungslust. Erst wenn wir lernen, diese schweren Gefühle gemeinsam auszuhalten, verwandeln sie sich. Aus Wut wird Tatkraft, aus Traurigkeit entsteht Empathie und aus der verarbeiteten Angst erwächst wiederum echter Mut. Gemeinsam Zukunft gestalten bedeutet deshalb für mich weit mehr als das Entwerfen von Strategiepapieren oder das Diskutieren von Innovationschancen. Es bedeutet, einander wieder zuzuhören. Es bedeutet, Räume zu schaffen, in denen wir verletzlich sein dürfen, ohne verurteilt zu werden.
„Wir müssen als Gesellschaft lernen, wieder miteinander zu fühlen, um wieder miteinander handeln zu können. Das erfordert ein Umdenken in unseren Unternehmen, in unseren Kommunen und an unseren Esstischen. Es verlangt, dass wir aufhören, Verantwortung nach oben oder an „die anderen“ abzuschieben. Jeder Schritt, den wir im Kleinen tun – sei es das ehrliche Gespräch mit der Nachbarin, das Einstehen für ökologische Werte im Beruf oder das aktive Mitwirken in Initiativen –, ist ein Baustein für das große Ganze.”
Damit können wir auch jeden Tag anfangen! Und das bedeutet nicht, dass wir unseren (gehassten oder vermeintlich sicheren) Job gleich an den Nagel hängen müssen. Starte etwas mit Leidenschaft als Hobby, engagiere dich in Vereinen, verbinde dich mit Menschen aus unseren Kategorien. Ich persönlich wünsche mir eine Zukunft, die nicht aus der Furcht vor dem Untergang geboren wird, sondern aus der Sehnsucht nach einem lebendigen, gerechten Miteinander. Wir dürfen heilen. Wir dürfen Fehler machen und unsere Wege anpassen, genau wie ich es in meinem Leben getan habe. Solange unser innerer Kompass auf Menschlichkeit und Verantwortung ausgerichtet bleibt, verlieren wir nie das Ziel aus den Augen. Lasst uns nicht länger warten, bis die Zukunft über uns hereinbricht. Lasst uns durch den Schmerz hindurchgehen, die Ärmel hochkrempeln und das Morgen selbst in die Hand nehmen.
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Ich freue mich über eine Nachricht von dir! Bis in 14 Tagen,
deine Christin

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Bild: © Patricia Schumann








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