Gemeinsam für eine bessere Welt

Bin ich mir selbst eine gute Freundin?

Christin Prizelius | 26.07.2026 | Kolumne von Christin Prizelius | © Privat

Christin erlebt sich immer häufiger dabei, dass sie für andere Verständnis und eine Engelsgeduld in allen Bereichen aufbringt, während sie gegen sich selbst die härtesten Kriege in Form ihres inneren Kritikers führt. Aber das kennen bestimmt viele Menschen. Darum, und wie man das aus ihrer Sicht ändern könnte, geht es heute in ihrer Sonntags-Kolumne…

Es war eigentlich ein ganz normaler Sonntag Morgen. Alle schliefen noch, aber ich taperte langsam und leise durchs Haus. Es war endlich mal wieder warm geworden. Wärme und Sonne sind Balsam für meine Seele. Die Welt da draußen schlief noch diesen tiefen, kollektiven Wochenend-Schlaf. Ich liebe diese Momente. Es ist gefühlt die einzige Zeit in der Woche, in der niemand etwas von mir will. Keine Mails, keine Deadlines, keine Erwartungen. Nur ich, eine dampfende Tasse Latte Macchiato — und meine Gedanken. Und genau in dieser Stille, in der man eigentlich tief durchatmen könnte, schleicht er sich oft an. Ganz leise, fast unbemerkt. Der innere Kritiker. Während ich den ersten Schluck nehme, scrollt mein Gehirn bereits ungefragt durch die To-Do-Liste der kommenden Woche und rattert die Versäumnisse der vergangenen herunter. „Eigentlich müsstest du heute endlich mal die Steuererklärung machen. Und hast du dich eigentlich mal wieder bei deiner Tante gemeldet? Gott, du kriegst auch echt nichts auf die Reihe.“ Es ist faszinierend und erschreckend zugleich: Da schenkt mir der Sonntagmorgen den friedlichsten Moment der Woche – und ich nutze ihn, um im eigenen Kopf Krieg gegen mich selbst zu führen.

Hast du auch so einen toxischen Mitbewohner im Kopf? Wenn wir ehrlich sind, würden wir doch eine Freundin, die unfreundlich zu uns ist, ziemlich schnell aus unserem Leben streichen, oder nicht?! Wer braucht schon jemanden, der einem Energie raubt statt zu geben?! Doch innere Kritiker – diese toxischen Mitbewohner im Kopf – lassen wir einfach gewähren. Sich selbst eine gute Freundin zu sein, hat nichts mit egoistischer Selbstoptimierung oder toxischer Positivität zu tun.

Es geht auch nicht darum, sich im Spiegel anzulächeln und sich einzureden, dass alles perfekt ist. Es geht um etwas viel Fundamentares: Selbstmitgefühl!

Es bedeutet, sich in den Momenten, in denen man scheitert, falsch abbiegt oder sich einfach ungenügend fühlt, denselben Trost und dieselbe Nachsicht zu schenken, die man einem geliebten Menschen entgegenbringen würde. Es geht um einen Perspektivenwechsel. Wenn du das nächste Mal in der Stille des Morgens merkst, dass deine Gedanken gegen dich meutern, halte kurz inne. Frag dich: Würde ich die Person, die jetzt neben mir friedlich schläft, sonntags morgens um sieben aufwecken, um ihr zu sagen, was sie alles nicht kann? Wohl kaum. Warum tun wir es dann bei uns selbst? Wenn du das nächste Mal merkst, dass du dich selbst innerlich beschimpfst, halte kurz inne und frage dich: Würde ich das jetzt so zu meiner besten Freundin sagen? Wenn die Antwort „Nein“ lautet, warum sagst du es dann zu dir?

Kennst du das? Und warum sind wir eigentlich so? Warum haben wir für jeden Menschen da draußen eine Engelsgeduld und ein riesiges Herz, verhalten uns selbst gegenüber aber wie ein tyrannischer Chef, der niemals schläft? Es ist diese absurde Doppelmoral, die viele von uns perfekt beherrschen. Für andere haben wir einen unerschöpflichen Vorrat an Empathie, Geduld und warmen Worten, aber wir sind unsere eigenen härtesten Kritiker, die unbarmherzigsten Richter.

Meine ersten Gedanken dazu, wie man die Freundschaft zu sich selber besser pflegen könnte: Zunächst einmal die Tonspur ändern. Wenn der innere Kritiker laut wird, korrigiere ich ihn ganz bewusst. Aus „Ich habe das komplett vermasselt“ wird „Das war ein Fehler, aber ich lerne daraus“. Oder Grenzen als eine Art Liebesdienst setzen: Echten Freunden sagen wir doch auch ab, wenn wir erschöpft sind, weil wir wissen, dass sie Verständnis haben. Uns selbst muten wir oft trotzdem noch die nächste Aufgabe zu. „Nein“ zu anderen zu sagen, ist oft das ehrlichste „Ja“ zu uns selbst. Aber auch die kleinen Erfolge zu feiern, kann ein Freundschaftsdienst sich selber gegenüber sein. Wir schmeißen Partys für die Beförderung von Freunden oder Babypartys für den Neuankömmling. Aber wenn wir selbst etwas geschafft haben, haken wir es ab und schauen sofort auf die nächste Baustelle. Erwischt?! 😉 Es wird Zeit, dass wir uns selbst öfter mal auf die Schulter klopfen. Am besten gleich heute!

Eine gute Freundschaft baut sich nicht über Nacht auf. Sie braucht Pflege. Und genau so ist es mit der Beziehung zu uns selbst. Hier sind drei kleine Dinge, die ich versuche, in meinen Alltag einzubauen.

Am Ende des Tages ist es doch so: Menschen kommen und gehen. Partner, Freunde, sogar die Familie – niemand ist rund um die Uhr, jede Sekunde unseres Lebens an unserer Seite. Die einzige Person, mit der wir garantiert von der Wiege bis zur Bahre zusammen sind, sind wir selbst. Es wird also höchste Zeit, Frieden mit dieser Person zu schließen und sie gut und liebevoll zu behandeln! Lass uns anfangen, uns selbst die Hand zu halten, wenn es stürmisch wird. Wir haben es verdammt noch mal verdient.

Meine Frage daher an mich selbst — und auch an dich an dieser Stelle: Warum vernachlässigen wir die wichtigste Beziehung unseres Lebens so oft? Warum ist das so und wie können wir es ändern? Schreibe mir doch gerne deine Gedanken dazu! Bis in 14 Tagen,

deine Christin

Du möchtest mich persönlich und unsere Community kennenlernen?

Dann schreibe mir eine Mail an christin@pureandpositive.com und komme unverbindlich beim nächsten digitalen Kaffee in unseren Inner Circle. Ich freue mich auf dich.

Bild: © Patricia Schumann


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