Gemeinsam für eine bessere Welt

Halt finden in dir selbst

Christin Prizelius | 16.09.26 | Gastbeitrag von Claudia Thurner-Puchert | © Pixabay

Wenn die Welt um dich herum im Chaos zu versinken scheint und du dich in deinem eigenen Leben nur noch erschöpft und getrieben fühlst, bist du damit absolut nicht allein. Ständige Krisenmeldungen, körperliche Veränderungen und die täglichen Pflichten für andere bringen heutzutage immer mehr Frauen in der Lebensmitte an ihre Belastungsgrenze. Vielleicht spürst auch du gerade diesen schleichenden Moment, in dem die Fülle der Anforderungen aus Alltag, Familie und globalen Umbrüchen schlicht zu schwer wird. Doch wenn der Boden unter deinen Füßen wackelt, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern eine drängende Erinnerung deines Systems, dass du wieder mehr Halt in dir selbst finden darfst. In einer Zeit, die sich immer schneller zu drehen scheint, braucht es neue Wege für deine innere Stabilität – und den Mut, die eigenen Bedürfnisse endlich wieder an erste Stelle zu setzen. Darüber schreibt Claudia Thurner-Puchert in ihrem heutigen Gastbeitrag.

Wenn die Welt tobt und innen alles wackelt. Wie du in stürmischen Zeiten wieder mehr Halt in dir findest.

Abends. Du willst „nur kurz“ die Nachrichten checken. Schon wieder Bilder von Kriegen, Krisen, Klimakatastrophen. Dazwischen Social-Media-Posts zu „diesem einen“ perfekten Leben, das sich gerade sehr weit weg von deinem anfühlt. Im Hintergrund läuft dein eigenes Gedankenkarussell: Die Wechseljahre machen deinen Schlaf unruhig, dein Körper fühlt sich anders an als früher, im Job steht vielleicht eine Veränderung an, die Beziehung ist auch nicht immer leicht. Vielleicht machen dir deine Kinder Sorgen, obwohl sie längst erwachsen sind – oder deine Eltern werden älter und brauchen mehr Unterstützung. Und plötzlich ist dieser Satz da:
„Ich halte das alles nicht mehr aus. Das ist mir einfach zu viel.“

Wenn dich das alles überfordert, ist das kein persönliches Versagen

Dass dich diese Mischung aus Weltlage und privatem Leben überfordert, ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein menschliches Signal. Viele Frauen berichten Ähnliches: Sie waren „immer die Starke“, die sich um alles gekümmert hat. Job, Kinder, Haushalt, Eltern, Ehrenamt – mit einer Selbstverständlichkeit, als wären sie ein wandelndes Multifunktionsgerät. Und irgendwann kommt der Moment, an dem das System sagt: „Stopp. So nicht mehr.“ Die Überforderung bedeutet nicht, dass du „nicht belastbar genug“ bist. Sie zeigt, dass dein bisheriger Umgang mit Belastung – alles aushalten, alles kontrollieren, alle versorgen – in dieser Lebens- und Weltlage nicht mehr funktioniert. Du bist nicht falsch, weil du müde bist. Du reagierst auf eine Zeit, die objektiv anstrengend ist – und auf ein Leben, in dem du sehr lange sehr viel getragen hast.

Warum stürmische Zeiten Frauen in der Lebensmitte besonders treffen

Frauen in und ab der Lebensmitte befinden sich oft in einer besonderen „Sandwich-Position“: Auf der einen Seite tragen sie Verantwortung, Sorgen und Mitfühlen für die Kinder (auch wenn sie schon aus dem Haus sind). Auf der anderen Seite sind alternde Eltern, die Unterstützung brauchen – organisatorisch, emotional oder ganz praktisch. Dazwischen liegt dein eigenes Leben. Beziehungsthemen, vielleicht Trennung oder Neuorientierung, berufliche Fragen wie: „Will ich diesen Job noch die nächsten 10, 15 Jahre machen? Was passt wirklich zu mir?“. Während du versuchst, all diese Rollen unter einen Hut zu bringen, verändert sich gleichzeitig dein Körper. Die Wechseljahre bringen hormonelle Schwankungen, die sich auf Schlaf, Energie, Stimmung und Temperaturempfinden auswirken können. Dinge, die du früher locker weggesteckt hast, ziehen dir heute schneller den Stecker. Du merkst, dass dein Körper mehr Pausen, andere Formen von Bewegung und einen liebevolleren Umgang braucht. Obendrauf kommt die dauerhafte Nachrichtenflut: Kriege, Krisen, Klima, politische Spannungen – und das Gefühl von Ohnmacht: „Ich kann doch sowieso nichts ändern.“ All das zusammen ist wie ein Dauergewitter über deinem Nervensystem. Kein Wunder, dass du innerlich wackelst.

Was ständiger Alarm im Nervensystem mit dir macht

Unser Nervensystem ist dafür gemacht, auf akute Gefahren zu reagieren – nicht auf Dauerstress. Früher war das vielleicht der sprichwörtliche Säbelzahntiger, heute sind es:

  • der ständige Nachrichten-Ticker,
  • der volle Kalender,
  • Sorgen um geliebte Menschen,
  • der innere Kritiker, der dir zuflüstert: „Reiß dich zusammen, andere schaffen das doch auch.“

Dein System versucht, dich mit Alarmzeichen zu schützen: Schlafprobleme und Grübelschleifen, innere Unruhe oder das Gefühl, „immer auf 180“ zu sein, körperliche Verspannungen, Kopfdruck oder Magen-Darm-Reaktionen, Erschöpfung, Antriebslosigkeit, manchmal auch Tränen, die scheinbar „aus dem Nichts“ kommen. Wichtig ist: Du bist nicht kaputt. Dein System funktioniert – vielleicht sogar zu gut. Es scannt dauerhaft nach Gefahren und versucht, dich wachsam zu halten. Wenn du das verstehst, kann etwas in dir weicher werden: Statt gegen dich zu kämpfen („Warum bin ich so?“), kannst du beginnen, mit deinem Nervensystem zu arbeiten – und es Schritt für Schritt aus dem Daueralarm herausführen.

Drei alltagstaugliche Wege zurück zu mehr innerer Balance

Du musst dein Leben nicht komplett umkrempeln, um erste Effekte zu spüren. Oft sind es kleine, aber konsequente Veränderungen, die deinem Nervensystem signalisieren: „Es ist gerade sicher genug. Du darfst runterfahren.“

1. Reizdosis bewusst steuern

Du darfst entscheiden, wie viel Input du deinem System zumutest.

  • Nachrichtenkontingent: Statt dich quer durch den Tag „berieseln“ zu lassen, wähle ein bis zwei feste Zeiten am Tag, zu denen du dich informierst – zum Beispiel morgens eine seriöse Quelle, abends dann bewusst nichts mehr.
  • Push-Benachrichtigungen minimieren: Deaktiviere Breaking-News-Benachrichtigungen auf dem Handy. Du verpasst nichts Wesentliches – aber dein Nervensystem bekommt weniger Alarme.
  • Bewusste Social-Media-Pausen: Lege „scrollfreie Zeiten“ fest, zum Beispiel morgens in der ersten Stunde und abends in der letzten Stunde vor dem Schlafengehen.
  • Dein Satz darf sein: „Ich informiere mich – aber ich konsumiere nicht alles.“
Allein diese Entscheidung schenkt dir mehr innere Luft zum Atmen.

2. Den Körper als Anker nutzen

Wenn im Kopf alles rattert, ist der Körper oft der schnellste Weg zurück ins Hier und Jetzt. Bewegung und Atmung wirken direkt auf dein Nervensystem.

  • Sanfte Bewegung: Ein paar Yoga-Übungen auf der Matte, eine kurze Faszien-Sequenz, zehn Minuten freies Tanzen in der Küche, ein Spaziergang um den Block – es muss nicht perfekt aussehen, es darf sich einfach gut anfühlen.
  • Atempausen: Setz dich für zwei bis fünf Minuten hin, lege eine Hand auf den Bauch und atme langsam ein (vier Sekunden) und länger aus (sechs Sekunden). Die längere Ausatmung signalisiert deinem System: „Du darfst loslassen.“
  • Mini-Entspannungsinseln: Lieber drei Mal am Tag fünf bis zehn Minuten bewusst entspannen, als einmal im Monat einen „großen Reset“ planen, der dann doch nicht stattfindet.

Solche kleinen Rituale können zu zuverlässigen Ankern werden, die dich immer wieder liebevoll zu dir selbst zurückholen.

3. Innere Grenzen und Selbstmitgefühl

Ein oft übersehener Schlüssel in stürmischen Zeiten ist deine innere Haltung zu dir selbst. Du musst nicht alles tragen. Du darfst entscheiden, welche Themen du heute wirklich beeinflussen kannst – und wo du anerkennst: „Hier ist meine Grenze – egal, wie sehr mich das jetzt gedanklich beschäftigt, ich kann im Moment nichts ändern.“ „Nein“ ist erlaubt – nach außen und nach innen. Ein bewusstes Nein zu zusätzlichen Aufgaben, familiären Erwartungen oder dem eigenen Perfektionismus ist ein Ja zu deiner Gesundheit. Statt „Ich muss funktionieren“ darf da ein „Ich darf überfordert sein. Ich darf mir Hilfe holen.“ treten. Selbstmitgefühl ist kein „sich gehen lassen“. Es ist die Grundlage dafür, dass du langfristig kraftvoll für dich und andere da sein kannst.

Stürmische Zeiten als Einladung, dein Leben neu auszurichten

Viele Frauen beginnen in der Lebensmitte zum ersten Mal ernsthaft zu fragen:
„Wie will ich meine zweite Lebenshälfte wirklich leben? Was darf bleiben – und was darf sich ändern?“. Es geht dabei nicht darum, alles perfekt zu machen oder von heute auf morgen ein neues Leben zu erschaffen. Es geht um bewusstere Entscheidungen. Um Schritte, die zu dir passen. Um ein Leben, das sich nicht nur nach „Funktionieren“, sondern nach Verbundenheit, Freude und innerer Ruhe anfühlt. Wenn du spürst, dass du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, kann es hilfreich sein, dir eine Begleitung an die Seite zu holen, die sowohl deinen Körper als auch dein Nervensystem, deine Gedanken und Gefühle im Blick hat – zum Beispiel in Form von Kursen, Retreats oder einem individuellen Coaching-Prozess.

Zum Abschluss: drei Fragen an dich

Nimm dir gern einen Moment, vielleicht mit einer Tasse Tee und einem Stift, und spüre in diese Fragen hinein:

  1. Wo spürst du gerade am stärksten, dass dich die stürmischen Zeiten innerlich aus dem Gleichgewicht bringen?
  2. Was wäre ein kleiner, liebevoller Schritt, mit dem du heute für mehr Balance sorgen könntest – im Kopf, im Körper oder in deinem Alltag?
  3. Und wer könnte dich auf diesem Weg unterstützen, damit du ihn nicht alleine gehen musst?

Claudia Thurner-Puchert ist Pädagogin (M.A.), Gesundheitspädagogin und zertifizierter Coach und begleitet Frauen in und ab der Lebensmitte auf ihrem Weg zu mehr innerer Ruhe, Klarheit und ganzheitlicher Gesundheit – mit einer Verbindung aus Coaching, Bewegung, Achtsamkeit und Prävention. In Kursen, Yoga- und Achtsamkeits-Retreats sowie in Einzelcoachings unterstützt sie Frauen dabei, Stress zu reduzieren, ihre Resilienz zu stärken und ihr Leben in der zweiten Lebenshälfte bewusst neu auszurichten – von kürzeren MIND+BODY-Formaten bis hin zu einer mehrmonatigen 1:1‑Resilienzbegleitung, jeweils mit kostenlosem Vorgespräch.

Weitere Infos zu ihren Angeboten für Frauen in und ab der Lebensmitte hier auf der Webseite und hier bei Instagram.

Bild: © Claudia Thurner-Puchert


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