In ihrer heutigen Sonntagskolumne nimmt uns Susanne mit auf eine tief berührende Reise zwischen Herz und Verstand. Sie erzählt ehrlich von einer unerwarteten Begegnung, die ihren Blick auf das Thema Seelenverwandtschaft völlig auf den Kopf gestellt hat. Statt kitschiger Romantik fand sie in dieser Verbindung vor allem schmerzhafte, aber heilsame Fragen an sich selbst. Am Ende steht eine Reifeprüfung der Liebe, die nicht mehr vom Festhalten lebt, sondern vom mutigen Loslassen. Ein inspirierender Text, der uns aufzeigt, dass die wichtigste Begegnung im Leben oft die mit uns selbst ist…
Bei dem Wort “seelenverwandt” konnte ich mein Leben lang nur müde lächeln. Doch dann bist du in mein Leben gestolpert …
Ich “erholte” mich noch von meiner Trennung nach über 20 Jahren Ehe. Ich wollte mich erst einmal wieder auf mich und mein Business konzentrieren. Jetzt war nach so langer Zeit endlich mal wieder ICH dran. Ein neuer Mann stand überhaupt nicht auf meiner Liste. Und dann kamst du …
Mein Kopf so: “Ignoriere ihn einfach!”
Mein Herz: “Aber er fühlt sich an wie ZUHAUSE.”
Dann beide zusammen: “Wie kann etwas falsch sein, das sich so gut anfühlt?”
Und dann ging es los: Neugier und Vorsicht, Gefühlsachterbahn und Skepsis. Kontakt — kein Kontakt. Ein Schritt vor — zwei zurück. Unsere Leben passen nicht zueinander. Und doch war das hier anders als alles andere, was ich von früher kannte: Ich fühlte, wenn es dir nicht gut ging, obwohl du so weit weg bist. Diese Schwere … Diese Traurigkeit … Früher waren das meine Gefühle gewesen. Dieses Mal spürte ich sie, aber sie gehörten nicht mehr zu mir. Dann gibt es wiederum Momente, in denen es sich anfühlt, als wärst du direkt hier bei mir. Das kann doch gar nicht sein!?! Wieso bist du jeden Tag in meinem Kopf? Werde ich verrückt?
In dieser Zeit lernte ich vor allem viel über mich selbst kennen: meine alten Muster, die Art, wie ich früher in meine Beziehungen schlitterte. Naiv und rückblickend doch auffallend oft auf eine ähnliche Art und Weise. Wollte ich dasselbe Muster wirklich noch einmal wiederholen? Ich wusste doch schon, dass es nicht gut ausgeht…
Doch welche Art von Partnerschaft möchte ich zukünftig führen? Werde ich mich erneut verlieren, nur um den gemeinsamen Frieden zu wahren? Musste ich meine neue Freiheit jemals wieder für einen anderen Menschen aufgeben? Fragen über Fragen, die ich mir noch nicht gestellt hatte, rückten in den Vordergrund. Es ging in dieser Situation einfach mal nur um mich: Nicht, warum du dich so verhältst, wie du dich verhältst. Sondern warum ich darauf so reagiere, wie ich reagiere.
Ich erkannte mich in dir wieder in so vielen Punkten. Wir sind uns so ähnlich und doch völlig verschieden. Ich habe mich dieses Mal nicht verliebt. Auch wenn es sich im ersten Moment vielleicht so anfühlte. Es war eher so, als hätte ich dich wiedererkannt. Aber wiedererkannt von wann?
Manche Menschen verlassen unser Leben und bleiben trotzdem ein Teil unserer Geschichte. Ich habe aufgehört, gegen dieses Gefühl anzukämpfen. Stattdessen habe ich Frieden damit geschlossen, dass manche Verbindungen sich nicht logisch erklären lassen — und vielleicht auch gar nicht müssen.

Heute bedeutet Liebe für mich nicht mehr Festhalten. Liebe bedeutet Loslassen — auch wenn es schwerfällt. Kein Kampf. Kein Druck. Kein “So muss es laufen”. Sondern die Bereitschaft, einen Menschen frei zu lassen und darauf zu vertrauen, dass das bleibt, was bleiben möchte.
Liebe ist für mich nichts mehr, was mir ein anderer Mensch geben kann. Liebe ist in mir. Immer mehr — je mehr ich mich wirklich annehmen kann. Ich bin Liebe. Du bist Liebe. Jeder in seiner Fasson. Ich bin sehr dankbar für diese Erkenntnis.
Vielleicht hat jeder Mensch, der uns in unserem Leben begegnet, einen Sinn. Manche begleiten uns über viele Jahrzehnte. Manche nur wenige Wochen. Andere nur einen kurzen Moment. Manche lösen Schmerz aus oder zeigen uns Möglichkeiten. Und wiederum andere erinnern uns daran, wer wir wirklich sind.
Vielleicht ist genau das Liebe.
Nicht Besitz. Nicht Kontrolle. Nicht die Garantie, dass zwei Menschen für immer zusammenbleiben.
Sondern die Bereitschaft, einen Menschen so zu lieben, wie er ist und ihn gleichzeitig frei zu lassen. Und zu erkennen, dass das größte Geschenk dieser Begegnung vielleicht gar nicht der andere Mensch war.
Sondern die Begegnung mit dir selbst.
Ich hätte früher wahrscheinlich einfach darüber gelächelt. Heute sehe ich das anders.
Und jetzt bin ich gespannt: Gab es in deinem Leben schon einmal einen Menschen, der dich vor allem zu dir selbst geführt hat? Erzähle uns gerne davon in den Kommentaren.
Ich bin gespannt und wir lesen uns wieder in 14 Tagen in der nächsten Folge.
Deine Susanne

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