Kennst du das Gefühl, dass dein Kalender perfekt funktioniert, aber die wichtigste Person darin schlichtweg unsichtbar ist: du selbst? Susanne nahm sich in einer scheinbar perfekten Lebensphase genau diese Frage zu Herzen, als sie bemerkte, dass sie nur noch funktionierte, statt zu leben. Statt nach einem großen Lebensplan zu suchen, schaltete sie abends einfach den Fernseher aus und fing bei den kleinen Dingen an. Was folgte, war eine Reise vom unbewussten Funktionieren hin zu mutigen Veränderungen wie einem Umzug in die Schweiz und einer neuen Selbstständigkeit. Ihre Geschichte zeigt, dass der erste Schritt nicht die Antwort auf das große Lebensziel sein muss, sondern das bewusste Innehalten im Alltag. Darüber schreibt sie heute in ihrer Kolumne…
„Was willst du eigentlich?“ ist doch eine einfache Frage. Und trotzdem glaube ich, dass ziemlich viele Menschen darauf gar keine richtige Antwort haben.
Vielleicht weißt du ziemlich genau, was heute noch erledigt werden muss. Wann du morgen aufstehen musst. Was deine Kinder brauchen. Was dein Chef, deine Kunden oder deine Mitarbeiter von dir erwarten. Welche Rechnung noch bezahlt werden muss, wann das Auto in die Werkstatt muss und was am Wochenende ansteht. Vielleicht ist dein Kalender voll, dein Leben läuft und von außen betrachtet ist alles in Ordnung.
Aber was willst eigentlich DU?
Was macht dir wirklich Spaß? Worauf hast du Lust? Was gibt dir Energie? Wann hast du dich das letzte Mal auf etwas gefreut, einfach weil du es wolltest? Und wenn morgen niemand etwas von dir erwarten würde und du einen ganzen Tag nur für dich hättest: Wüsstest du spontan, was du damit anfangen möchtest?
Ich hätte dir diese Fragen vor einigen Jahren nicht beantworten können. Ich wusste irgendwann nicht einmal mehr, was mir sonst Spaß machte.
Ich hatte einen guten Job, verdiente gutes Geld, hatte ein Haus, eine Familie, ein Kind und so ziemlich viel von dem erreicht, von dem ich einmal dachte, dass es zu einem guten Leben gehört. Ich funktionierte auch hervorragend darin. Arbeiten, organisieren, kümmern, weitermachen. Mein Tag war voll und abends saßen wir vor dem Fernseher. Am nächsten Morgen ging alles wieder von vorne los.
Irgendwann fing ich an, den Fernseher auszuschalten.
Klingt jetzt nicht unbedingt nach dem Beginn einer lebensverändernden Reise 😆 War es für mich aber irgendwie.
Ich begann wieder zu lesen. Bücher über Persönlichkeitsentwicklung, Freiheit, Geld, Menschen, das Leben. Ich schrieb. Ich dachte nach. Und ich verbrachte Abende einfach mit mir. Zum ersten Mal seit langer Zeit entstand etwas, das in meinem Leben kaum noch vorkam: Raum.
Und in diesem Raum stellte ich fest: Ich wusste immer noch nicht, was ich wollte.
Die große Frage „Was will ich eigentlich?“ half mir überhaupt nicht. Ich hatte keine Antwort. Je länger ich darüber nachdachte, desto größer wurde die Frage.
Also fing ich irgendwann an einer ganz anderen Stelle an: Was möchte ich denn nicht mehr?
Darauf hatte ich plötzlich Antworten.
Ich wollte abends nicht mehr automatisch vor dem Fernseher sitzen. Ich wollte nicht ständig müde sein. Ich wollte nicht mehr jeden Tag zwei Stunden im Auto verbringen, nur um zu einem Arbeitsplatz zu fahren. Ich wollte nicht permanent Dinge tun, nur weil „man“ sie eben so macht. Und ich wollte wieder mehr Spaß in meinem Leben haben.
Nur wusste ich nicht einmal mehr genau, was mir Spaß machte.
Also begann ich auszuprobieren. Wegzulassen. Zu beobachten. Wieder etwas dazuzunehmen. Und vor allem fing ich an, mich selbst dabei ernst zu nehmen.
Dabei bemerkte ich irgendwann auch meinen Körper wieder. Magenschmerzen. Ein Kloß im Hals. Müdigkeit. Gähnen. Erschöpfung. Innere Unruhe. Aber auch Leichtigkeit, Freude und Energie.
Früher hätte ich vieles davon wahrscheinlich einfach übergangen. Es musste ja weitergehen. Jetzt wurde ich neugieriger: Wann passiert das genau? Bei welchen Menschen? In welchen Situationen? Was fühlt sich gut an? Was fühlt sich schwer an?
Ich hatte dafür kein System 😉 Ich fing einfach wieder an, mich selbst zu bemerken.
Und mit jeder kleinen Veränderung konnte ich schauen: Wie geht es mir damit? Fühlt sich mein Leben dadurch mehr nach mir an? Möchte ich das behalten? Möchte ich etwas anderes ausprobieren?



Aus den kleinen Dingen wurden irgendwann größere.
Ich machte mich selbstständig, weil ich auf dem Land leben wollte und nicht mehr jeden Tag stundenlang ins Büro fahren wollte. Wir verkauften unser Haus. Wir zogen in die Schweiz, weil ich mir für uns eine andere Lebensqualität wünschte. Später traf ich die Entscheidung, mich aus meiner Ehe zu lösen.
Keine dieser Entscheidungen stand am Anfang meines Weges fest.
Ich hatte keinen Siebenjahresplan an der Wand hängen, auf dem stand: Erst Fernseher aus, dann Selbstständigkeit, Haus verkaufen, auswandern, Ehe beenden und anschließend ein komplett neues Leben aufbauen 😆
Ich habe immer nur den nächsten Schritt gesehen und manchmal nicht einmal den.
Erst vor kurzem ist mir bewusst geworden, dass ich dabei seit Jahren immer wieder einen ziemlich ähnlichen Prozess durchlaufe.
Ich schaffe Raum. Ich bemerke, was in mir passiert. Ich schaue hin. Ich prüfe, was tatsächlich da ist und was mein Kopf gerade daraus macht. Ich versuche zu verstehen. Dann entscheide ich, was ich tun möchte. Und danach schaue ich wieder hin: Wie geht es mir damit?
Raum. Merken. Prüfen. Verstehen. Wählen. Tun. Ich habe das nie Methode genannt. Es war einfach mein Leben.
Vielleicht ist deshalb die große Frage „Was will ich eigentlich mit meinem Leben?“ gar nicht die Frage, mit der wir anfangen müssen.
Vielleicht darf es viel kleiner anfangen: Wenn du heute irgendwann automatisch zum Handy greifst, den Fernseher einschaltest, Ja sagst, obwohl du innerlich zögerst, oder etwas tust, weil du es eben immer so machst: Halte einen Moment inne.
Du musst noch nichts verändern.Frag dich einfach: Möchte ich das gerade wirklich?
Vielleicht ist genau das der erste Schritt: nicht sofort zu wissen, was du mit deinem Leben willst, sondern dich selbst darin überhaupt wieder zu bemerken.
Was denkst du dazu?
Bis in zwei Wochen,
deine Susanne

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