In der heutigen Sonntags-Kolumne bei Pure & Positive nimmt uns Susanne Schindler weiter mit auf eine tief berührende Reise durch ihr eigenes Leben. Sie erzählt ehrlich und ungeschönt davon, wie aus eisernem Leistungswillen und jahrelangem Funktionieren schleichende Einsamkeit wurde. Erst ein schmerzhafter Wendepunkt zwang sie dazu, ihren jahrelang getragenen Schutzpanzer endlich abzulegen. Es ist eine Geschichte über den Mut zur Verletzlichkeit – und die befreiende Erkenntnis, wie heilsam ein einziges Wort um Hilfe sein kann.
Früher hätte ich mir lieber in die Zunge gebissen, als um Hilfe zu fragen.
Ich habe früh gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen: “Stell dich nicht so an!” ist der Satz, der mir aus meiner Kindheit noch im Kopf rumschwirrt. Dieser Satz begleitet mich bis heute. Also ging ich krank in die Schule, fuhr als Kind alleine zum Training und lernte vor allem eins: Ich schaffe das alleine.
Dieses Muster zog sich durch mein ganzes Leben. Ich traf Entscheidungen alleine, zog früh aus, baute Karriere auf, gründete eine Familie, wanderte aus. Ich funktionierte. Es war mein Normal.
Durch den Leistungssport von klein auf habe ich gelernt, dass ich mich auf mich verlassen kann, wenn ich Disziplin und Ausdauer mit Fokus verbinde. Ich erreiche meine Ziele früher oder später — immer. Denn nur ich bin dafür verantwortlich. Leichtathletik ist kein Mannschaftssport — hier kämpft jeder für sich.
Das funktioniert wirklich gut — macht aber auch verdammt einsam.
Von außen hatte ich mein Leben im Griff, habe jedes Ziel auf meiner Liste abgehakt. Andere haben Beifall geklatscht — für mich war es normal. Mein Normal. Was man draußen nicht gesehen hat, ist, dass ich mich nicht darüber freuen konnte, wenn ich ein Ziel erreicht hatte. Denn ich habe es nie gefeiert. Also ging es schon weiter zum nächsten Ziel …
Auf meinem Weg habe ich vergessen zu leben, Spaß zu haben, einfach mal etwas ohne Sinn zu machen. “Erst die Arbeit, dann das Vergnügen” — noch so ein Satz aus meiner Kindheit. Ich war so fokussiert, dass ich den Zugang zu mir selbst verloren hatte und den zu anderen Menschen. Auch zu meiner Familie.
Dann kam der Bruch …
Ich habe endlich gebremst! Als wäre ich aufgewacht mit der Frage: DAS kann doch nicht LEBEN sein! Was mache ich hier? Möchte ich so weitermachen? NEIN!
Also begann ich, alles loszulassen, was sich nicht mehr nach meinem Leben anfühlte. Erst die kleinen Dinge. Dann die großen. Und irgendwann sogar Dinge, von denen ich dachte, sie würden für immer bleiben. Und mit jedem Stück habe ich mich ein Stück mehr gefunden. Dieser Prozess war schmerzhaft: ich hatte mich an vieles gewöhnt, schöne Erinnerungen oder die Hoffnung für die Zukunft damit verbunden. Und ich habe auch Dinge verloren, die ich gerne festgehalten hätte. Es fühlte sich einsam an und ich dachte, mir kann keiner dabei helfen …
Diese Situation war neu für mich. Ich habe meinen Schutzpanzer nach und nach abgebaut, bis nur noch ICH übrig war. Und es gab das erste Mal Momente in meinem Leben, in denen ich nicht weiter wusste und ja auch Hilfe brauchte. Ich? Hilfe brauchen? Es fühlte sich für mich so unsicher an.



Mein Kopf übernahm sofort:
Du bist schwach!
Du hast Probleme!
Stell dich nicht so an!
Aber:
Was, wenn mir keiner zuhört?
Oder mir keiner helfen möchte?
Aber es ging gar nicht anders. Ich brauchte wirklich Hilfe. Jetzt! Und so kam es, dass ich nach 46 Jahren (!) das erste Mal meine Mutter um Hilfe bat. Weil ich wusste, dass sie auch schon einmal in einer ähnlichen Situation steckte. Dieser Anruf fiel mir so schwer. Ich fühlte mich schwach. Ich fühlte mich wie die kleine 4‑jährige Susi alleine Zuhause …
Dieser Anruf hat mein Weltbild völlig zerlegt: Sie hat mir zugehört. Sie hat mich verstanden. Sie hat gefragt, was ich brauche. Und hat mir geholfen. Sofort. Ohne Bedingungen. Dieser eine Anruf hat unsere gesamte Verbindung verändert. Alles was danach kam, war auf einer völlig neuen Ebene — unsere Gespräche sind offener geworden. Sie sah mich nicht als schwach und sie weiß, dass ich mein Leben wieder hinbekomme. Wie immer. Wie sie es auch immer geschafft hatte.
Ich habe dadurch gelernt, wie heilsam es sein kann, Schwäche zuzulassen und um Hilfe zu bitten und diese dann auch anzunehmen ✨ Ohne schlechtes Gewissen. Ich weiß selbst, wie gut es sich anfühlt, anderen zu helfen. Warum habe ich so lange anderen dieses gute Gefühl versagt? Weil ich stark wirken wollte?
Schwäche zuzulassen ist in meinen Augen mittlerweile viel mutiger, als immer zu spielen, dass alles gut sei. Denn es zeigt dich als Menschen. Und wir Menschen sind nicht immer stark. Wir verbinden uns mit anderen Menschen, wenn wir uns echt zeigen — nicht über Perfektion. Wir verbinden uns u.a. in den Momenten, in denen wir den Mut haben zu sagen: “Ich schaffe das gerade nicht alleine.”
Heute weiß ich:
Der schwerste Satz meines Lebens war nicht: “Ich gehe.” oder: “Ich schaffe das.”
Sondern: “Kannst du mir helfen?”
Und vielleicht war genau dieser Satz der Beginn einer Verbindung, die ich mein ganzes Leben gesucht hatte.
Kennst du das auch? Welcher Satz aus deiner Kindheit begleitet dich denn bis heute? Schreibe es gerne in die Kommentare.
Wir lesen uns in 14 Tagen wieder — ich freue mich auf dich.
Deine Susanne

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Dann schreibe mir eine Mail an susanne-schindler@purecreation.group und komme unverbindlich beim nächsten digitalen Kaffee in unseren Inner Circle. Eine Mail reicht und ich schicke dir den Link zu. Ich freue mich auf dich.
© Susanne Schindler








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